Mit 80 Mitarbeitern ist die Firma Gaa aus Östringen seit Freitag im Einsatz in Bad Tölz. Über 5000 Quadratmeter Dachfläche haben sie bislang vom Schnee befreit.
Mit 80 Mitarbeitern ist die Firma Gaa aus Östringen seit Freitag im Einsatz in Bad Tölz. Über 5000 Quadratmeter Dachfläche haben sie bislang vom Schnee befreit. | Foto: privat

Östringer helfen in Bad Tölz

80 Männer im Schnee

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Arme, so schwer wie Blei haben sie, doch es geht weiter: Bis voraussichtlich Dienstag schippen 80 Mitarbeiter der Östringer Firma Gaa im Katastrophengebiet in Bad Tölz Schnee. Seit Freitag haben sie dort – als ginge es um die Meisterschaft im Schneeschaufeln – rund 5 000 Kubikmeter weiße Masse von Dächern geschafft: von flachen und steilen, kleinen und großen.

 

„Zum Vergleich: Ein großer Lkw hat etwa 14 Kubikmeter Fassungsvermögen“, erläutert Geschäftsführer Gerd Gaa der Rundschau am Montag. Sein Unternehmen ist eines von wenigen, die deutschlandweit für solchen Winterdienst spezialisiert ist und dies seit drei Jahren. Das Team hat Höhen- und Sicherheitsschulungen absolviert.

Seile und Gurte für steile Dächer

Gaa ist mit drei Radladern, vier Lkw und zwei Equipment-Containern vor Ort in Bad Tölz, gefüllt mit Gurt- und Seilsystemen, wie sie Bergsteiger verwenden, mit winterfester Kleidung, Gaskochern oder auch einer Grillstation zur Verpflegung der Mannschaft. „Tag und Nacht wird gekocht“, so Gerd Gaa. Er ist selbst dabei, den Schnee mit circa 80 Zentimetern Höhe von den Dächern zu Boden zu schieben und zu schaufeln. Dort baggern Radlader die nasse, schwere Masse auf Lkw, die sie wiederum nicht weit weg, an den Ortsrand schaffen – „Hauptsache schnell und aus dem Weg“. Die Menge erfordert Tempo. Fahrten werden kurz gehalten.

 

Vier Supermarktdächer wurden vom Schnee befreit seit Freitag. Kaufland revanchierte sich mit Lebensmitteln, um die Arbeiter bei Kräften zu halten. Schließlich sollten die Märkte nach Tagen der Schließung schnell wieder öffnen dürfen.
Vier Supermarktdächer wurden vom Schnee befreit. Die Firma Kaufland revanchierte sich mit Lebensmitteln, um die Arbeiter bei Kräften zu halten und auch, damit die Märkte am Montag nach Tagen der Schließung schnell wieder öffnen durften. | Foto: privat

Strom-Aggregat auf Abruf

Für den THW-Ortsverband Oberhausen-Rheinhausen bestand bis Montagnachmittag eine Einsatzoption mit einem Großaggregat. Risse etwa eine Stromleitung im Katastrophengebiet ab, könne das Aggregat mit 500 kVA eine Kläranlage oder ein Industriegebiet versorgen, sagt Gerhard Machauer, der Ortsbeauftragte. Er erläutert: „Ein heimischer Heizlüfter hat drei kVA, was 3 000 Watt entspricht.“ Da bei Großlagen, wie der aktuellen in Bayern, THW-Verbände mehrerer Bundesländer beteiligt sind, habe nun der Bundesverband die Leitung. Ob aus der Einsatzoption ein Einsatz werde, hing vom Wetter ab. „Wo die Leitungen durch den Schnee durchhängen, kann ein starker Wind genügen und die Leitung reißt“, so Machauer, der allerdings um 15.30 Uhr meldete, die Einsatzoption sei aufgehoben worden.
Vom THW-Ortsverband Karlsruhe sind zwei Baufachberater am Samstag ins Berchtesgadener Land gestartet. Die beiden Bau-Ingenieure klären vor Ort statische Fragen.

Ansturm auf Supermärkte

Die größten Dachflächen, welche die Gaa-Mitarbeiter seit Freitag freischaufelten, hatten vier Supermärkte von Kaufland mit rund 5 000 Quadratmetern. Schon aus wirtschaftlichem Interesse versorgte die Kaufland-Geschäftsführung – ihre Märkte waren aus Sicherheitsgründen über Tage geschlossen – die Arbeiter im Gegenzug mit Lebensmitteln. „Was heute auf den Parkplätzen der Märkte los ist, seitdem wieder geöffnet ist“, so Gerd Gaa, „das können Sie sich nicht vorstellen. Im Vergleich dazu ist der Weihnachtseinkauf bei Globus ein Witz.“
Am Montag, berichtete Gaa, wurden auch die Gehwege in Bad Tölz freigefräst. Zwei Meter hoch türmte sich hier der Schnee. Und nun fließe auch der Verkehr langsam wieder. Seine Mitarbeiter freut es. Bleibt das Wetter laut Vorhersage niederschlagsärmer, dürfte es bald heimwärts gehen.