Bei der Hausaufgabenbetreuung im Kinder- und Jugendzentrum in der Südstadt hilft Ute Mangold den Schülern beim Rechnen und Schreiben. Nach einem neuen Konzept der Stadt soll die Unterstützung bei den Hausaufgaben zunehmend an den Grundschulen stattfinden. Dagegen gibt es Protest von Eltern. | Foto: Heintzen

Neukonzeption der Jugendarbeit

Eltern fürchten um Hausaufgabenhilfe

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Seit 45 Jahren betreibt der Caritasverband Bruchsal das Kinder- und Jugendzentrum (KiJu) Südstadt mit speziellen Angeboten in der Jugendarbeit und der Lernhilfe. Zum 31. Dezember hat die Stadt Bruchsal nun den Vertrag mit dem Träger gekündigt. Was die Eltern in helle Aufregung versetzt.

Eltern sammelt 640 Unterschriften

Nachdem bereits im Vorfeld 640 Unterschriften gesammelt wurden, um gegen die Einstellung der städtischen Förderung für die Hausaufgabenhilfe zu protestieren, hat sich jetzt eine Mutter in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick gewandt. „Von den Kindern wird heutzutage schon früh so viel erwartet, warum muss man sie dann auch noch am Nachmittag ins Schulgebäude setzen? Wieso nimmt man ihnen diese abwechslungsreiche Möglichkeit im KiJu?“, fragt Isabella Mamic, Mutter von vier Kindern.

Familiäres Umfeld

Nach ihrer Beobachtung ist es nicht nur die Unterstützung bei den Hausaufgaben, sondern auch das familiäre Umfeld und Angebote wie zuletzt Kürbissuppe-Kochen, die den Nachwuchs gerne Zeit im KiJu verbringen lässt. „Die Kinder und Jugendlichen sitzen dort nicht einfach nur rum oder hängen ab, sondern sie werden motiviert und man beschäftigt sich mit ihnen“, wirbt Mamic für den bisherigen Trägerverein, die Caritas.

Sorge um Kinder mit Förderbedarf

Beim Caritasverband ist man auch nicht gerade glücklich über die derzeitige Entwicklung: „Die Eltern fragen sich, wie es weiter geht“, erzählt Vorstand Arno Vogelbacher auf BNN-Anfrage. Nach seinen Angaben wurden bis 2017 24 Kinder in der Hausaufgabenhilfe betreut. Vor einem Jahr habe die Stadt die Förderung eingestellt. Die zwölf Schüler – überwiegend aus der Konrad-Adenauer-Schule – die derzeit Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen, werden deshalb durch private Spenden des Lions-Clubs unterstützt.  Außerdem gibt es noch acht Kinder mit einem besonderen Förderbedarf. Hier kann die Caritas nach Angaben von Vogelbacher mit seinen speziellen Fachdiensten wie dem Sozialpsychiatrischen- oder Jugendmigrationsdienst gezielte Angebote machen. Vogelbacher fürchtet nun, dass die Förderung vor allem für diejenigen, die sie am meisten brauchen, eingestellt werden soll.

Mehr Geld für Jugendarbeit

Dampf aus dem Kessel will nun die Stadtverwaltung nehmen, bei der gegenwärtig eine Neukonzeption der städtischen Jugendarbeit entwickelt wird. Erste Vorstellungen wurden bereits vor der Sommerpause nichtöffentlich im Ausschuss beraten. Noch 2018 soll das Thema auch öffentlich im Gemeinderat verabschiedet werden. Nach Angaben von Patrik Hauns, Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Sport, soll es mit der Hausaufgabenbetreuung nahtlos am 1. Januar an der Konrad-Adenauer-Schule weiter gehen. Zur Finanzierung werden derzeit Gespräche mit dem Landkreis und dem Lions-Club geführt. 220 000 Euro pro Jahr fließen in die pädagogische Jugendarbeit im KiJu der Südstadt, mit denen nach Einschätzung der Stadt vor allem die Hausaufgabenhilfe gefördert wurde. „Für die klassische Jugendarbeit blieb nichts übrig“, so Patrik Hauns. Die Stadt möchte deshalb die Hausaufgabenhilfe verstärkt an den Schulen ansiedeln und damit dem Trend zur Ganztages(-grundschule) Rechnung tragen: „Schule ist ein Lebensort“, so Hauns.

Ab Januar Hausaufgaben in der Schule

Auch Schulamtsleiter Rainer Rapp möchte die Jugendzentren wieder mehr den Jugendlichen widmen. Die Hausaufgabenhilfe und sozialpädagogische Gruppenarbeit soll deshalb ab Januar an den Schulen und mit eigenem Personal stattfinden. Eine Grundvoraussetzung für eine Förderung, so Rapp gegenüber den BNN.