VOM SKATEBOARD über die eigene Disco bis hin zur Luftfahrt: Alexander Zosel war schon oft seiner Zeit voraus und sorgt aktuell mit dem Volocopter in der Fachwelt für Furore. | Foto: Fabry

„Mainstream“ war Alexander Zosel noch nie

Ein Tausendsassa geht in die Luft

Alexander Zosel zaudert. Nein, ein Porträt nur über ihn zu schreiben, das sei ihm nicht so recht. Vom „Spiegel“ über die „Die Welt“ bis selbstverständlich zur BNN berichten viele über den Volocopter der Bruchsaler Firma e-volo. Er sei zwar von Anfang an dabei, müsse aber nicht immer allein zitiert werden, meint Zosel. Schließlich sei das spektakuläre, an einen Hubschrauber erinnernde Fluggerät eine Team-Leistung. Erst als Mit-Gesellschafter Zosel erfährt, dass es um ihn als einen „Digitalen Kopf“ und Vordenker in vielen Branchen geht, willigt er für das Interview-Gespräch ein.

Mehr als nur der Volocopter

Doch zunächst noch ein paar Sätze zum Volocopter: In dem Fluggerät mit seinen 18 kleinen Elektropropellern, das 2018 in Serie gehen soll, steckt auch viel Steuerungs- und Programmiertechnik. Leise und sicher sei der Multicopter. e-volo dürfte damit dem innerstädtischen Luftverkehr zum Durchbruch verhelfen, vor allem in Millionenstädten, die unter Blechlawinen ächzen – das sieht kein Geringerer als der Intel-Konzern so, der mit 12,5 Prozent an e-volo beteiligt ist. Und auch das ist digital: Im Dezember 2013 hatte e-volo den Crowdfunding-Europa-Rekord geknackt. Innerhalb von zwei Stunden und 35 Minuten waren 500 000 Euro gezeichnet; insgesamt 1,2 Millionen Euro Kapital kamen seinerzeit innerhalb von drei Tagen zusammen.

Zosel, CBASIC und der Plotter

Jetzt aber konkret zu Zosel: Er war schon zu Studienzeiten ein Multi-Unternehmer. Einer, der etwas wagt und in Silicon-Valley-Manier auch mal ein Scheitern zulässt. Schon als Kind ist Zosel alles andere als Mainstream: Während Schulkameraden Pop hören, legte er Jazzplatten auf. Von amerikanischen Soldaten der Kaserne in seiner Heimatstadt Ettlingen lässt er sich eines der ersten Skateboards nach Baden bringen, konstruiert eine Halfpipe und später Snowboards. Schon als Zwölfjähriger dribbelt das spätere Gründungsmitglied der BG Karlsruhe – Mainstream wurde der Basketball-Sport in Deutschland erst später. Zosel, der Tausendsassa. Nicht nur im Sport.

Auch im Beruf kann man den 51-Jährigen mit dem auffallenden Tattoo am Hals nur im Zeitraffer darstellen: Schon am Wirtschaftsgymnasium in Ettlingen heimst er seine beste Prüfungsnote im damaligen Programmierfach CBASIC ein. Als Bauingenieur-Student traut er sich als einer der ersten an einen Plotter der Uni, schreibt dafür ein Programm – ganz fix lassen sich so die Versuchsergebnisse bei Materialprüfungen grafisch darstellen, erzählt der zweifache Vater im BNN-Gespräch.

Bauschildwerbung und die eigene Disco

Jetzt klopft Zosels Assistentin an die Glastür. Er entschuldigt sich, holt beim Brötchen-Lieferservice einen Imbiss – und bringt ein verblichenes Kuvert mit. Darin sind: Prospekte von seinen ehemaligen Firmen. „Zosel-Bauschildwerbung“ heißt eine. Sie arbeitet bereits mit Digitaldruck, während andere noch auf Siebdruck setzen. Oder den Cocktail-Party-Service, mit dem er anfangs sein Studium finanziert. Er legt als DJ – von Karlsruhe bis zur Streetparade in Zürich – Platten auf und eröffnet 1998 in Karlsruhe die Diskothek „Unterhaus“.

Sein Patent für die Nebelverteilungs-Anlage „Fog U“ verkauft er samt 80 Bestellungen an ein französisches Unternehmen. Mit seinem Kumpel Alexander Rösch entwickelt er für die Disco einen neuen MP3-Player samt Touchscreen. „Wir konnten mit MP3 bereits damals mixen, wie es heute üblich ist.“ Zosel wird Vorsitzender der City Initiative Karlsruhe, sorgt mit dem, mit den Sicherheitsbehörden abgestimmten Konzept „Sicheres Nightlife“ bundesweit für Furore. Gäste, die sich in einer der beteiligten Diskotheken und Lokale daneben benehmen, bekommen dank einer Datenbank in allen Hausverbot. Er gründet die erste DJ-Schule Deutschlands – und landet letztlich doch wieder beim Sport: als Fluglehrer für Gleitschirmflieger.

„Das Fliegen hat mich fasziniert“

„Das Fliegen hat mich fasziniert“, sagt der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt und lächelt dabei sanft. Anfang 2011 kommt Stephan Wolf, den er seit Jugendtagen kennt, mit der Idee vom Volocopter auf ihn zu. „Damals haben alle gesagt: Es geht nicht.“ Heute sind Airbus, Google-Schwesterfirmen sowie die Chinesen an dem Thema dran – aber die Bruchsaler laut Fachkreisen technisch weit voraus. Sie haben bereits eine Zulassung. Von diesem Mega-Markt könnten viele profitieren, ist Zosel überzeugt und stoppt sich gleich selbst wieder. Denn der Volocopter ist ja ein Team-Projekt und nicht seine One-Man-Show, als die es so häufig dargestellt wird.