Eine Schneise der Verwüstung: Am Gründonnerstag des Jahres 1988 krachte ein amerikanischer Kampfjet ins Forster Wohngebiet. | Foto: hupe

Ein Dorf im Ausnahmezustand

Als in Forst ein Kampfjet vom Himmel fiel

Der Forster Horst Kirchner erinnert sich gut an den 31. März 1988: Sein kleiner Wohnort machte an diesem Tag bundesweit dramatische Schlagzeilen. Es ist der Gründonnerstagmorgen kurz vor 10 Uhr, als ein amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ F 16 C vom Himmel fällt. Die Forster Hardtstraße gleicht einem Trümmerfeld. Der Pilot und ein Bewohner sterben. Zwei Wohnhäuser und mehrere Scheunen gehen sofort in Flammen auf. Das Feuer schlägt auf weitere Gebäude über.

Kirchner schnappt sich seine Kamera

„Ich war gerade in Forst unterwegs und habe den Absturz live mitbekommen“, berichtet Kirchner. 300 Meter vom Absturzort habe er sich befunden. Er schnappt sich seine Super-8-Kamera und fängt an zu filmen. Heute, knapp 29 Jahre später, hat er diesen Film in die Geschäftsstelle der Bruchsaler Rundschau gebracht. Denn er soll einfließen in das große BNN-Filmprojekt namens „Zurückgespult“.
Über mehrere Tage war der Hobbyfilmer damals an der Unglücksstelle. Hat immer wieder seine Kamera mitgenommen und gefilmt: Die Rettung, das Trümmerfeld, die ersten Aufräumarbeiten und auch die Proteste der Forster, die sich gegen Tiefflieger zur Wehr setzten.

Das Flugzeug hatte Munition an Bord

Am Tag der Katastrophe werden zig Löschzüge der Feuerwehren nach Forst beordert, die Sirenen heulen, beißender Qualm steigt meterhoch über dem Ort auf. Der Kampfjet hat eine 16 Meter lange und zehn Meter breite Schneise der Verwüstung hinterlassen. Das Flugzeug hatte zu allem Unglück auch noch Munition an Bord. „Die Waldseehalle gleicht einem Heerlager“, so schrieben die BNN damals. Notbetten für ausquartierte Bewohner der Hardtstraße werden aufgeschlagen.
„Ich habe mich durch abgesperrte Straßen durchgemogelt“, berichtet Kirchner im Nachhinein. Immer wieder habe es ihn – wie viele Forster und andere Schaulustige – zum Absturzort gezogen. Er verfolgt die Berichterstattung in der Tagesschau, schneidet Ausschnitte in seinen eigenen Filme und dokumentiert so eine Woche im Ausnahmezustand.

 

Proteste gegen Tiefflieger in ganz Deutschland

Denn der tragische Absturz hat auch politische Folgen. Zumal nie ganz geklärt wird, warum der 24-jährige US-Pilot nur wenige Minuten nach dem Start auf dem Flughafen Hahn in Forst ins Wohngebiet gekracht ist. Später geht man vom einem Pilotenfehler aus. Die Forster aber auch die Bürger vieler umliegender Gemeinden waren alarmiert, gingen gegen Tiefflüge auf die Straße und demonstrierten. Stapelweise erreichen Protestnoten von Bürgern, von Bürgermeistern und Abgeordneten, die Bonner Hardthöhe, wo das Bundesverteidigungsministerium saß.
Gemeinderäte etwa von Forst oder auch am nahen Atomkraftwerksstandort Philippsburg unterzeichnen Resolutionen gegen die Tieffliegerei.

25 Minuten Film sind es am Ende bei Kirchner geworden. Er hat den Film schon lange nicht mehr selbst angeschaut. Dass diese Filmrolle aber ein wichtiges historisches Dokument ist, das könnte das BNN-Projekt „Zurückgespult“ jetzt zeigen.

Für die Aktion „Zurückgespult“ suchen die BNN Filmmaterial mit Heimatbezug aus den 30er- bis zu den 80er-Jahren. Das können private Filmaufnahmen von lokalen Ereignissen sein, Dokumentationen, die das Leben vor Ort zeigen oder Aufnahmen der Stadtgeschichte und spektakuläre Ereignisse. Die Aktion läuft noch bis zum 29. April.
Abgegeben werden können die Filme bei jeder BNN-Geschäftsstelle, etwa in Bruchsal in der Friedrichstraße 6. Oder Sie schicken ihre Schätze per Post an: Badische Neueste Nachrichten, Aktion Zurückgespult, 76147 Karlsruhe.
Kostenlose Telefon-Hotline (7 bis 17 Uhr):  (08 00) 1 11 02 11.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.zurückgespult.de.