Nachdenklich: Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Michael Blume (rechts) beantwortet nach dem Vortrag in der Käthe-Kollwitz-Schule Bruchsal Fragen von Schülerinnen und Schülern. Sie haben sich im Unterricht viele Gedanken über Antisemitismus, seine Ursachen und Folgen gemacht. | Foto: Schaub

Gespräch mit Schülern

Antisemitismusbeauftragter Blume in Bruchsal: Im Netz kann jeder zum Beschuldigten werden

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Der Termin steht zwar seit Monaten im Kalender der Käthe-Kollwitz-Schule, aber der Zeitpunkt hätte nicht passender sein können: Am Freitag hat der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, vor fast 300 Schülerinnen und Schülern in Bruchsal gesprochen.

Die umstrittene Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen liegt da knapp 48 Stunden zurück. Der rechtsextreme Anschlag auf eine Synagoge in Halle mit zwei Todesopfern fand am 9. Oktober statt, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Antisemitismus bedroht uns alle

„Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“, ist der Titel des leicht verständlichen Vortrags, der bei den Schülern um Verständnis für Vielfalt und einen kritischen Umgang mit vermeintlichen Wahrheiten und Verschwörungstheorien im Internet wirbt. Das Stehpult verschmäht der 43-jährige Religionswissenschaftler. Stattdessen läuft er mit dem Mikro in der Hand umher, spricht locker mit den Schülern des beruflichen Gymnasiums und der zweijährigen Berufsfachschule.

Mit Verschwörungsmythen werden seit Jahrhunderten Juden verfolgt, die traditionell großen Wert auf Bildung legen. Das Medium, mit der zur Verfolgung und Ausgrenzung aufgerufen wird, wechselt im Laufe der Zeit und trifft auch Menschen, die einfach nur anders sind.

Hexenhammer und Volksempfänger

Mit dem Buchdruck und dem „Hexenhammer“ beginnt die Zeit der Hexenverfolgung. Die Nazis nutzen das Radion, den sogenannten Volksempfänger, und Filme wie „Jud Süß“ zur Stigmatisierung. „Mit den neuen Medien kann jeder zum Beschuldigten werden“, warnt Blume und beklagt Hass, Mobbing und eine allgemeine Verrohung im digitalen Netz. Fake News, Lügenpresse oder Impflüge seien Vorwürfe, die dort gegen Journalisten, Wissenschaftler oder Ärzte kursieren.

Mittlerweile gebe es Antisemitismus sogar in Ländern wie Korea oder Japan, wo überhaupt keine Juden leben. Die Verfolgung von Andersdenkenden reiche von Beschimpfungen bis zu Todesdrohungen, die er schon selber erhalten habe. „Alles, was der eigenen Weltsicht nicht entspricht, wird als Verschwörung bezeichnet“, so Blume weiter. Den Jugendlichen rät er deshalb, sich auch in klassischen Medien wie Tageszeitung oder Fernsehen zu informieren. Wenigstens in Schulen sollte der Hass zurück gedrängt werden.

Klare Grenze zeigen

Was man denn gegen rassistische oder antisemitische Bemerkungen tun könne, wollte eine Schülerin in der Fragerunde wissen. „Klare Grenze zeigen, dass das nicht o.k. ist“, rät der 43-Jährige. Die meisten Antisemiten oder Rassisten glaubten, dass sie für eine schweigende Mehrheit reden – da helfe es, zu widersprechen. Das politische Erdbeben, das mit der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen („eine absolute Instinktlosigkeit“) ausgelöst wurde, könnte zu einer weiteren Klärung beitragen, wie er im anschließenden BNN-Gespräch erklärt.

Auch für das künftige Zusammenleben von Israelis und Palästinensern wünsche er sich einen friedlichen Weg, so die Antwort auf eine weitere Schülerfrage.