Einmalige Erinnerungen hat der Forster Karl Schumacher als Arzt auf der Aida gesammelt. Der Mediziner war unter anderem in Tallinn, St. Petersburg, Stockholm, London und Le Havre. | Foto: Nees

Seetauglicher Mediziner

Arzt aus Forst versorgt Patienten auf der Aida

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Der promovierte Allgemeinmediziner Karl Schumacher hat in 37 Jahren zigtausend Patienten in seiner Praxis in Forst versorgt. 2018 ist er in den Ruhestand gegangen. Ruhe eingetreten ist bei Schumacher damit jedoch nicht: Im Sommer 2019 hieß es für ihn ab auf die Weltmeere – als Schiffsarzt auf der Aida.

Von unserer Mitarbeiterin Nathalie Nees

Karl Schumacher ist ein Mann, der offensichtlich mitten im Leben steht. Seit 44 Jahren ist der Tennis- und Fußballfreund mit Ehefrau Gudrun verheiratet. Mit drei Kindern und sechs Enkelkindern ist die Forster Familie über die Jahre gehörig angewachsen.

Und das großzügige Domizil am Ortsrand bietet für jeden ein gemütliches und behütendes Plätzchen; das zeigt zumindest ein Blick auf jede Menge Kinderspielzeug, Hundekorb und Babysachen.Von hundert auf null war definitiv nicht möglich.

37 Jahre hat der promovierte Allgemeinmediziner eine Praxis im Ort geführt, bis 2018 zigtausend Patienten versorgt, geheilt und in ihrem Leben begleitet. Der gebürtige Odenwälder aus dem kleinen Dorf Breitenbronn ist „einer von Ihnen“, ein „Einheimischer durch und durch“.

Da wundert es nicht, dass er seit 20 Jahren im Gemeinderat sitzt und eben so lange Vertreter des Bürgermeisters ist. „Dann kam im letzten Jahr der Ruhestand“, erinnert sich Schumacher und damit die Suche nach neuen Herausforderungen: „Von hundert auf null war definitiv nicht möglich.“

71-Jähriger bewirbt sich als Schiffsarzt

Seither macht der Arzt zeitintensive Notdienste in der näheren und weiteren Umgebung. Doch damit nicht genug. Die größte Herausforderung folgte. Der mittlerweile 71-Jährige bewarb sich als Schiffsarzt, und nach einigen bürokratischen und weiteren Hürden und Vorläufen hieß es im Sommer 2019: Ab auf die Aida.

Fünf Wochen ging es für den Forster mit insgesamt zwei Schiffen über die Weltmeere. Ausgeschlagen hatte er zuvor ein Angebot als ärztlicher Begleiter auf einem Frachter in Taiwan und bei einer Zugreise durch Südafrika.

Auf großer Fahrt war der Forster Karl Schumacher als Arzt auf der Aida mit 4300 Passagieren. | Foto: dpa

Die Schiffswochen waren ein einmaliges Erlebnis

Ein „einmaliges und unvergleichliches Erlebnis“ haben ihm seine Schiffswochen beschert, berichtet Karl Schumacher mit Blick auf viele Bilder, Dokumente, amtliche und auch persönliche Schriftstücke mit Widmungen und vielem mehr, was er in einer Kiste als Erinnerung behalten hat.

Auf dem „Riesenkahn“ hat sich Karl Schumacher erst einmal einfinden müssen. Nach vorherigen Prüfungen wie der Seediensttauglichkeit und einem Sprung ins Rostocker Hafenbecken als „man over board“ war die englische Sprache in Wort und am Computer die größte Herausforderung an Bord in der ersten Woche.

Dabei und mittendrin war er in Häfen wie Tallinn, St. Petersburg, Stockholm, London, Le Havre und an vielen Plätzen mehr, wie es sein Dienst als Vertragsarzt mit Honorar zuließ. Gewohnt hat er in einer Einzelkabine mit zwei Bullaugen ganz in der Nähe des Bord-Hospitals, wo er mit zwei weiteren Kollegen wirkte.

Dramatischster Fall: Ein lebensbedrohlicher Riss in der Hauptschlagader

Der Alltag auf der Aida gestaltete sich wie in einer normalen Arztpraxis: Verstauchungen, Brüche, Wundversorgungen und auch psychische Konflikte, etwa in Partnerschaften, gab es zu behandeln. Der dramatischste Fall sei zweifelsohne ein Riss in der Hauptschlagader gewesen – zumeist tödlich endend.

Doktor Schumacher konnte den Patienten ins nahe gelegene Krankenhaus nach Helsinki bringen lassen, und eine Operation rettete das Leben des 58-Jährigen.

Jeder ist letztendlich doch für sich

Mit 4300 Passagieren und mehr als 1000 Crewmitgliedern an Bord war Karl Schumacher eigentlich nie allein und irgendwie doch. „Jeder ist letztendlich doch für sich“, sagt der Mediziner rückblickend auf sein Leben als Crewmitglied.

Dabei war er voll integriert, aß in der Crew-Messe und hat auch freundschaftliche Bande geknüpft. Eine Traumschiff-Atmosphäre wie im Fernsehen gäbe es jedoch nicht, vielmehr eine Art „Club-Urlaub“ auf See mit jeglichem Luxus.

Fahrt auf der Aida wird zur Erfolgsgeschichte

Sicherlich hat ihm seine umgängliche und einnehmende Art und Weise im Miteinander mit Crew und Passagieren geholfen. Auf sein ärztliches Basiswissen hat er seine Lebenserfahrung und nicht zuletzt seinen gesunden Menschenverstand draufgepackt und so seinen Kreuzfahrtschiffsaufenthalt als Erfolgsgeschichte verbuchen können.

Wird er es wieder tun? Diese Frage lässt er lächelnd offen.