"Ausdauer kann man lernen" - der Sportwissenschaftler Alexander Woll spricht im BNN-Interview über Triathlon. | Foto: Hora

Sportprofessor zu Triathlon

„Ausdauer kann man gut trainieren“

Anzeige

Triathlon ist eine noch junge Sportart, die sich aus den alten Disziplinen schwimmen, Rad fahren und laufen zusammensetzt. Triathlon boomt. Beim „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“ am Sonntag, 11. Juni, werden letztlich knapp 3000 Sportler unterwegs sein, um sich diesem Dreikampf zu stellen. Bei aller Begeisterung um Triathlon tauchen auch Fragen auf: Kann das jeder? Geht das nicht auf die Knochen? Ist Triathlon bei langen Distanzen noch gesund? Unser Redaktionsmitglied Matthias Kuld hat darüber mit Professor Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften am KIT, gesprochen

Als Einstiegsfrage, Herr Woll, warum sollen die Menschen denn überhaupt Sport treiben?

Woll: Das ist leicht zu begründen. Der Körper des Menschen braucht Bewegung. Er braucht Bewegung, damit –  beim Kind angefangen – Muskeln und Herz wachsen können. Der menschliche Körper ist so ausgelegt, dass er eigentlich zehn Kilometer Laufen am Tag gut verträgt.

Wenn das so einfach ist, warum diskutieren wir dann immer darüber?

Woll: Weil wir mit den Folgen von Bewegungsmangel kämpfen. Vor 100 Jahren arbeiteten 90 Prozent der Menschen körperlich, heute sind es fünf Prozent. Bewegung verschwindet zunehmend aus unserem Alltag. Körperliche Inaktivität ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Problem Nummer eins für Krankheiten.

Was hat der Mensch davon, wenn er in Maßen Sport treibt?

Woll: Er profitiert physisch und psychisch. Zwei Stunden Laufen in der Woche, sechs Kilometer pro Stunde als Beispiel. Da werden nicht nur 1000 Kalorien verbrannt, auch das Gehirn wird besser durchblutet, die Leistungsfähigkeit steigt, das Infarktrisiko sinkt schon bei diesem geringen Aufwand um ein Drittel. Hundebesitzer leben übrigens nach der Statistik etwas länger als die anderen Menschen, weil sie sich regelmäßig bewegen.

Da sind Triathleten ja auf dem richtigen Weg. Die bewegen sich andauernd…

Woll: Das ist dem Grunde nach gut. Die Disziplinen ergänzen sich ja. Schwimmen entlastet den Körper, beim Radeln werden die Gelenke nicht so beansprucht und das Laufen fordert dann den ganzen Körper. Aber auch für den Triathlon gilt jedoch: die Dosis macht die Wirkung und ggf. das „Gift“. Für die extrem hohe Belastung bei der Langdistanz kann „Gesundheit“ sicherlich kein Ziel sein.

Kann jeder Triathlon machen?

Woll: Eigentlich ja. Die Ausdauer kann man sehr gut trainieren, dafür braucht man keine sehr spezifische Technik oder großes sportliches Talent. Aber der Kandidat sollte gesund sein, sich vorher medizinisch untersuchen lassen und langsam einsteigen.

Also nicht gleich auf eine Mittel- oder Langdistanz losgehen…

Woll: Das Motto sollte „start slow“ heißen. Gerade eine Langdistanz ist eine extreme Beanspruchung.

Das heißt?

Woll: Das heißt, dass man so eine Unternehmung langfristig und mit einem guten Plan angehen sollte. Ein Jahr Vorlauf ist da sicher nicht zu wenig. Auf dieser Distanz macht man ja richtig extremen Leistungssport.

Wie wichtig wird da mentale Stärke?

Woll: Der Kopf ist immer wichtig. Wer so etwas plant, muss sich quälen können. Der „Treiber“ ist es, an die eigene Grenze zu gehen.

Die versuchen ja manche mit extremen Trainingsumfängen zu testen?

Woll: Viel Training ist sicher notwendig. Ein ungeübter Mensch, der mit Triathlon beginnt, wird am Anfang rasch einen persönlichen Erfolg verbuchen können. Das Ausdauertraining schlägt an, man kann plötzlich deutlich mehr leisten. Bei gut trainierten Athleten wird die Qualität wichtiger als die Quantität. Wer zu viel trainiert, riskiert sogar einen Leistungsverlust

Triathlon kommt etwas vermehrt im Fernsehen. Wie erklärt sich das?

Woll: Die Sportarten werden mediengerecht gemacht. Das gilt auch beim Triathlon mit den kurzen Formaten. Spitzensportler gehören zur Unterhaltungsindustrie. Wenn sie ein wenig originell oder kantig sind, umso besser. Da hat der Triathlon ja soweit ich weiß durchaus etwas zu bieten.

Vorbereitung auf den „Ironman Kraichgau“: Die BNN verfolgen das Training von Stefanie Meigel und Sven Senkel. | Foto: Donecker

Noch vier Wochen bis zum „Sparkasse Ironman Kraichgau“: Die BNN berichten im Vorfeld aus verschiedenen Blickwinkeln über den großen Triathlon-Event und begleiten das Ehepaar Meigel/Senkel in seiner Vorbereitung auf den Wettkampf. Hier das Programm der nächsten sieben Tage:
Stefanie:
(Samstag – Dienstag: Entlastung)
Samstag: 0:25 Athletik
Sonntag: 0:30 Laufen
Montag: 1:30 Radfahren
Dienstag: Ruhetag
Mittwoch: 1:30 Schwimmen + 1:00 Laufen
Donnerstag: 3:00 Radfahren + 0:40 Schwimmen
Freitag: 3:30 Radfahren
Sven:
(Samstag – Montag: Entlastung)
Samstag: 0:30 Laufen
Sonntag: 0:50 Krafttraining
Montag: 1:30 Radfahren
Dienstag: 1:30 Schwimmen + 1:00 Laufen
Mittwoch: 3:00 Radfahren
Donnerstag: 3:30 Radfahren + 0:40 Schwimmen
Freitag: 4:15 Std Radfahren + 0:20 Laufen

Info unter:  http://www.sport.kit.edu/Dienstleistung_Leistungsdiagnostik.php

Hintergrund: Triathlondistanzen
Sprintdistanz: ca 500 Meter schwimmen, ca 20 km Rad, ca 5 km Lauf
(olympische) Kurzdistanz 1,5 – 40 – 10
Mittel-(Halb-)distanz 1,9 – 90 – 21
Langdistanz: 3,8 – 180 – 42