Die Beteiligten der sechs Kooperationspartner im Cluster.
Die Beteiligten der sechs Kooperationspartner im Cluster. | Foto: Thienes

Beim efeuCampus Bruchsal

Bruchsaler Projekt testet selbstfahrende Paket-Roboter

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Bald sieht man sie fahren: kleine Roboter, die Pakete bringen oder anderes abholen. In Bruchsal auf dem einstigen Gelände der Dragoner-Kaserne entsteht ein Testfeld für urbane und emissionsfreie Logistik, eines der ersten Referenzquartiere seiner Art weltweit.

Um „Großes“, um „Visionen“, die Stadt der Zukunft gehe es – so klangvoll gestaltete sich eine Präsentation des efeuCampus Bruchsal unter der Leitung von dessen Geschäftsführer Thomas Anderer. Zum Thema emissionsfreie Gütermobilität wird binnen zwei Jahren auf dem Testareal der ehemaligen Dragonerkasere Bruchsal bei einem Zehn-Millionen-Euro-Projekt die automatisierte, fahrerlose und nachhaltige Zustellung von Gütern entwickelt, erprobt und soweit umgesetzt, dass sie – so die Hoffnung der Beteiligten – am Ende auf andere Stadtquartiere übertragbar wird. Neben der Versorgung geht es um Entsorgung. Erste sichtbare Egebnisse gebe es wohl Anfang 2020, so Anderer.

„Bestellungen nachhaltig“ zu machen, gerade auf der „last mile“, dem letzten Stück der Ware bis zur Haustür sei das Ziel, so Cornelia Petzold-Schick als Aufsichtsratsvorsitzende der efeuCampus GmbH. Es gelte, den rasant steigenden Paketverkehr durch Internetbestellungen in der Stadt zu reduzieren, so Hartmut Ayrle, Mitinitiator und Prokurist der efeuCampus.

Emissionsfrei Wohnen

Die OB: „Wir kümmern uns um emmissionsfreies Wohnen.“ Die Bürger mitzunehmen, sei darum erste Aufgabe der Stadt. Je Quartier soll künftig ein Mikrodepot entstehen, eine Art Umschlagplatz, aus dem die Ware abgeholt oder mit autonom fahrenden Kleinrobotern bis zur Haustür gebracht wird, je nach Kundenwunsch und dies App-gesteuert.

Smarte Lösungen für belastete Innenstädte

Die SEW Eurodrive, die bereits für Firmen diverse autonom fahrende Tools in Baukastensystemen entwickle, freue sich, eine smarte Lösung für belastete Innenstädte mitzuentwickeln. „Da wird ein Traum wahr“, so SEW-Technik-Chef Johann Soder.

Die big, Bechtold Ingenieur Gesellschaft, liefert Know How zur Planung von Gebäuden, etwa der Mikrodepots, erarbeitet an Schnittstellen von Kurier-, Express- und Paketdiensten Verträge zur Lieferung, deren Zeiten und deren Sicherheit und sei Ansprechpartner für Anwohner, die von Anfang an einbezogen würden, so Geschäftsführer Jörg Nahke.

Verbraucher bestellt und steuert per App

Die ptv Group aus Karlsruhe, weltweiter tätiger Logistikplaner, steuert unter anderem Software-Lösungen bei in Sachen Dienstleistungs-Mobilität und will ihre Lösungen zur Quartiersplanung dann in paktische Lieferstrukturen und künftige Tourenplanungssysteme übertragen.

Ein KIT-Team (Karlsruher Institut für Technologie) sichere das Zurechtfinden des autonom fahrenden Roboters, etwa mittels Kartierung und Wegeplanung. Vertreter des FZI (Forschungszentrum Informatik) kümmern sich um die App, deren Bedienanforderungen, das Be- und Entladen der Fahrzeuge oder auch um Lieferzeitenfenster.

Die Hochschule Karlsruhe ist mit dem Institut für Energie-Effizienz auf dem Campus zuhause und wird so das Marketing fachkompetent übernehmen und will unter anderem Schulen einbinden. Es gehe ja um die Zukunft der Jugend.

Die efeuCampus Bruchsal GmbH (efeu: eco-friendly experimental urban logistics campus) will im realen urbanen Umfeld umweltfreundliche Logistiklösungen experimentell entwickeln. Ein Cluster aus sechs Partnern trägt wissenschaftliche Erkenntnisse und erfahrungsbasiertes Know-how bei. So sollen Veränderungsprozesse im Bereich Gütermobilität angestoßen werden, um zu alltagstauglichen Modellen zu gelangen. Ziel sind attraktive Wohngebiete, in denen Assistenzsysteme Bewohner bei Transportaufgaben unterstützen. Das Testfeld wird als EFRE-Projekt mit europäischen Mitteln gefördert sowie mit Mitteln Baden-Württembergs, was ihm politische Rückendeckung verleihe, sagte Hartmut Ayrle, efeuCampus-Prokurist. Initiator des bislang einzigartigen Referenzquartiers war vor Jahren Stefan Huber, Geschäftsführer der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal, sagte die OB. Als „größtes Leuchtturmprojekt in der Technologie Region Karlsruhe sei es laut TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz ein „zentraler Baustein“ in deren innovativem Mobilitätskonzept.