er Hochhausbrand in Stutensee-Büchig forderte zwei Todesopfer. Hätte die Fassade Feuer gefangen, wären es vermutlich mehr gewesen.
Der Hochhausbrand in Stutensee-Büchig forderte zwei Todesopfer. Hätte die Fassade Feuer gefangen, wären es vermutlich mehr gewesen. | Foto: Deck/dpa

Nach Londoner Hochhausbrand

Behörden nehmen Fassaden unter die Lupe

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Die Parallelität der Ereignisse wirkte beinahe surreal, als Mitte Juni zunächst ein Hochhaus in Stutensee-Büchig und am Tag darauf der „Grenfell Tower“ in London in Brand geriet. Einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Fällen gab es aber: Anders als in London breitete sich das Feuer in Büchig nicht über die Fassade des Gebäudes aus. Sonst hätte es womöglich mehr als die beiden Todesopfer zu beklagen gegeben, in deren Wohnung der Brand entstand. Die Fassade des Grenfell Tower hingegen war mit leicht entflammbarem Material gedämmt. Innerhalb weniger Minuten hatten die Flammen das Gebäude im Griff. 80 Menschen starben.

Nur Gebäude mit mehr als 22 Metern gelten als Hochhaus

Die Hochhaus-Richtlinien in Deutschland gelten als besonders streng. Brennbare Fassaden sind schon lange untersagt. Dennoch hat vor allem die Katastrophe in London auch die Behörden in der Region aufhorchen lassen. „Wir haben am Tag nach dem Brand in London ein Schreiben aufgesetzt, in dem wir die Eigentümer oder Hausverwaltungen der Hochhäuser, die in unserem Verantwortungsbereich liegen, aufgefordert haben, uns mitzuteilen, ob und was sie in den vergangenen Jahren an den Fassaden haben machen lassen“, berichtet Ursula Simon-Jaekel, Leiterin des Baurechtsamtes im Landratsamt.
Die Kreisverwaltung ist für vier Hochhäuser zuständig – zwei stehen in Eggenstein-Leopoldshafen, eines in Graben-Neudorf und eines in Philippsburg. Diese Zahl scheint gering, ist aber einfach zu erklären. Erstens ist baurechtlich erst dann von einem Hochhaus die Rede, wenn das Gebäude eine Mindesthöhe von 22 Metern hat. Und zweitens sind die Großen Kreisstädte wie Stutensee selbst für den Brandschutz ihrer Hochhäuser zuständig.

Fassaden sind nicht Teil der Brandverhütungsschauen

Die Fassaden allerdings sind derzeit noch nicht Bestandteil der sogenannten Brandverhütungsschauen, denen die Gebäude im Fünf-Jahres-Rhythmus unterzogen werden und die sich vor allem auf Fluchtwege konzentrieren. „Aber ich könnte mir vorstellen, dass das in Zukunft der Fall sein wird“, sagt Ursula Simon-Jaekel. Bis es soweit ist, macht sich die Amtsleiterin allerdings nicht allzu große Sorgen. Die Hochhäuser seien aus den 70er Jahren, sagt sie, bestünden aus Beton oder Mauerwerk und seien meist nicht gedämmt, also gar nicht erst mit brennbarem Material verkleidet.

Keine akute Gefahr

Auch das Regierungspräsidium hat in der Zwischenzeit reagiert und die Städte aufgefordert, sich über die Fassaden der einzelnen Hochhäuser zu informieren. In Stutensee gibt es neben dem in Brand geratenen noch ein weiteres. „Die letzten Brandverhütungsschauen haben 2016 stattgefunden. Nach dem Brand haben die Baurechtsbehörde und die Branddirektion Karlsruhe auch die Fassade noch einmal unter die Lupe genommen“, sagt Lukas Lang von der Stadt Stutensee. Zu beanstanden gab es nichts.

Warten auf Rückmeldungen

Genau wie das Landratamt hat auch die Verwaltung der Stadt Ettlingen eine Umfrage unter den Besitzern und Hausverwaltungen der Hochhäuser gestartet. Die Behörde wartet derzeit auf Rückmeldungen. Die Stadt Bruchsal ist für lediglich ein Hochhaus zuständig. „Das steht in Untergrombach und ist uns bestens bekannt. Wir haben gute Kenntnisse über die Konstruktion und die Beschaffenheit“, sagt Thomas Vogel, Leiter der Baurechtsbehörde in Bruchsal. „Es sollte dort nichts passieren.“