Die Bohranlage wird aufgebaut. Im 39 Meter hohen Bohrturm hängt bereits der gelbe Antriebskopf für den Bohrstrang, mit dem unter Untergrombacher Gemarkung ab Montag nach Erdöl gesucht wird. | Foto: Heintzen

Erdöl bei Untergrombach?

Bei Probebohrung schafft Meißel 100 bis 150 Meter pro Tag

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„Ich bin guter Hoffnung, dass wir so viel Erdöl finden, dass sich die Förderung auch wirtschaftlich lohnt“, erklärt Carsten Reinhold, Geschäftsführer der Rhein Petroleum, am Donnerstag optimistisch. Hinter ihm liegen monatelange Vorbereitungen: Die Bergbaubehörde in Freiburg hat erst Februar grünes Licht gegeben, nachdem nach Intervention von Stadt und Stadtwerken Bruchsal ein Grundwassermonitoring zugesichert wurde. Krötenschützer aus Untergrombach und Weingarten haben die Installation von Zäunen und Tunnels kritisch begleitet.

Ergebnisse gibt es Ende Juni

Am Montag, 27. Mai, soll die Probebohrung im Gewann Bronnloch in der Nähe des Baggersees Weingarten starten. Mitte oder Ende Juni rechnet Reinhold mit „verlässlichen Aussagen“, ob sich eine Erdölförderung lohnt.
49 Lkw-Ladungen waren nötig, um die Anlage auf dem Fußballplatz großen Gelände aufzubauen. Seit Mittwoch wird der 39 Meter hohe Bohrturm aufgebaut und die Bohrung vorbereitet: Ein Standrohr wurde dafür bis auf 37 Meter unterhalb der Geländekante gesetzt – und damit durch die Grundwasser führenden Schichten.

1950  Erdöl festgestellt

Ab Montag soll der Meißel los legen: Je nach Gestein schafft er 100 bis 150 Meter pro Tag mit einer Ablenkung von 450 Meter in Nord-/Nordöstliche Richtung unter Untergrombacher Gemarkung. Bereits in den 1950er Jahren wurden dort bei drei Bohrungen Erdölvorkommnisse in 900 Meter Tiefe festgestellt. „Aber die technischen Fördermöglichkeiten waren damals nicht so ausgereift“, erklärt Reinhold. Heute werde man im Oberrheingraben bei jeder dritten Bohrung fündig.

Zement zwischen den Rohren

Ab 450 Meter Tiefe wird dann ein kleineres Rohr in das Standrohr eingeführt. Dünnflüssiger Zement wird reingepumpt und füllt zur Absicherung den Raum zwischen den beiden Rohren aus. Am Donnerstag wurde dafür der gelbe Antriebskopf für den Bohrstrang in die Schiene eingehängt. Über eine Rampe werden die Bohrstangen mit dem Antriebskopf verschraubt. Innerhalb von zwei Tagen soll es bis auf 450 Meter Tiefe gehen, dann werden eine Woche lang die Rohre eingeführt und die weitere Bohrung vorbereitet.

Infocenter und Tag der offenen Tür

Ein Infocenter am Kieswerk Scherrieble stellt während der Probebohrung das Projekt vor. Zu Fuß ist es ein Kilometer bis zum eingezäunten Bohrplatz, auf dem rund um die Uhr gearbeitet wird. Eine Webcam sendet von dort ab Montag alle 15 Minuten Bilder. Am Dienstag, 4. Juni, ist von 16 bis 20 Uhr ein Tag der offenen Tür für die Bevölkerung geplant.

Im Erfolgsfall laufen neue Anträge

Die Probebohrung läuft bis Ende Juni. Sollten dort keine förderfähigen Mengen Erdöl gefunden werden, wird das Loch sofort wieder verfüllt und die Fläche mit einer Fettwiese mit vielen Blühpflanzen rekultiviert. Im Erfolgsfall wird die Anlage bis auf den Bohrkopf zurückgebaut und weitere Anträge etwa für eine Förderbewilligung gestellt, was nach Einschätzung von Carsten Reinhold ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Dann sei überhaupt erst eine Öl-Förderung von fünf bis 20 Jahren möglich.

Grundwasser wird getestet

Um den Bedenken aus Bruchsal Rechnung zu tragen, wo man sich Sorgen um das Trinkwasser im Schutzgebiet Bruchsal/Karlsdorf-Neuthard macht, wurden von einem Labor an zwei Messstellen vor der Bohrung Proben entnommen. Weitere Tests werden nach Angaben aus dem Landratsamt Karlsruhe, dass auch den Natur- und Bodenschutz überwacht, nach dem Ende der Probebohrung gezogen.