Friedliche Diskussion: Axel Quilitz (AfD), Markus Rupp (SPD), Otto Mansdörfer (Grüne), Moderator Martin Besinger, Cornelia Petzold-Schick (Freie Wähler), Jürgen Wacker (FDP), Sven Weigt (CDU) und Jürgen Creutzmann (Linke) (von links). | Foto: Thomas Rebel

Podiumsdiskussion in Bruchsal

Beim Nahverkehr sind sich alle einig

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Unter dem großen Holzkreuz im Saal des Lutherhauses haben am Donnerstagabend sieben Politiker Platz genommen. Das katholische Dekanat Bruchsal hatte gemeinsam mit den evangelischen Kirchenbezirken Bretten-Bruchsal und Karlsruhe-Land zur Podiumsdiskussion geladen.

Angefragt hatten die Organisatoren Kreistags-Kandidaten aller Parteien mit Chance auf einen Sitz. Da die AfD aus zeitlichen Gründen keinen Kreistags-Kandidaten schicken konnte, sprang mit Axel Quilitz ein Kandidat für den Gemeinderat Bretten ein.

Umweltschutz durch öffentlichen Personennahverkehr

Fernsehjournalist Martin Besinger leitete den Abend. Zuerst ging es um den Umweltschutz. Nach einer kurzen Debatte, ob es den Klimawandel wirklich gebe, startete die Diskussion. Die Politiker waren sich größtenteils einig, dass etwas getan werden muss. Schnell ging es um öffentlichen Personennahverkehr. „Es ist ein großes Thema in der Kreispolitik“, erklärt Cornelia Petzold-Schick (Freie Wähler), Oberbürgermeisterin in Bruchsal. „In Zukunft müssen die Menschen mehr und bequemer vom Individualverkehr wegkommen.“

ÖPNV muss verlässlich und bezahlbar sein.

Markus Rupp, SPD

Elektrobusverkehr kommt

Otto Mansdörfer (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzender in Bretten, wollte den Menschen nicht motorisierte Verkehrsmittel schmackhaft machen. „Wir haben heute entschieden, dass Elektrobusse im Landkreis Einzug erhalten“, verkündete Jürgen Creutzmann (Die Linke). Quilitz berichtete von seinen Erfahrungen als Busfahrer: „Die Nachfrage ist sehr groß.“ Er sagte, dass der Austausch alter Dieselbusse nicht einfach möglich sei. „ÖPNV muss verlässlich und bezahlbar sein“, fand Markus Rupp (SPD, Bürgermeister Gondelsheim). Moderator Besinger fasste zusammen: „Ich habe den Eindruck, Sie sind sich ziemlich einig beim Nahverkehr.“

Ehrenamt mit Hürden

Dann ging es ums Ehrenamt und die Frage „Was tun, wenn sich keiner engagiert?“. Sven Weigt (CDU), Bürgermeister in Karlsdorf-Neuthard, hatte den Eindruck: „Das Engagement wird anders, die Leute haben weniger Zeit.“ Er schlug vor, Vereine mehr zu unterstützen, ihnen zum Beispiel bei Festen den Aufbau abzunehmen. „Es ist wichtig, dass Ehrenamt nicht nur gewürdigt, sondern auch gefördert wird“, fand Creutzmann – es gebe viele bürokratische Hürden. Um die abzubauen, schlug Rupp einen kommunalen Geschäftsführer vor, der Vereinen die Verwaltungsarbeit abnehme.

Beim Thema Sozialetat und Schulsozialarbeit waren sich alle Beteiligten einig, dass Schulsozialarbeit wichtig sei und der Bedarf steige.

Die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden ist extrem wichtig.

Sven Weigt, CDU

Das letzte Thema war die Rolle der Kirche. Markus Rupp bedauerte, dass sie sich aus den Kommunen zurückziehe. Teilweise müssten diese in die Lücke der Kirche springen. „Wir erleben das bei Kindergärten“, sagte Mansdörfer. Petzold-Schick sprach die Schwierigkeiten wegen der arbeitsrechtlichen Regelungen der Kirchen an. Für Weigt sei die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden sehr wichtig.

Politiker finden die Kirche nicht unpolitisch

In den Publikumsfragen ging es zunächst um die politische Neutralität der Kirche. „Sie muss sich bekennen, aber nicht für eine Partei“, fand Wacker. Die anderen sahen das ähnlich. Beim Thema Schwangerschaftsabbrüche sprach er sich dafür aus, über Verhütung zu informieren und berichtete von seiner Arbeit als Frauenarzt: „Wir führen Abtreibungen durch, wenn eine Schwangerschaft sonst nicht mit dem Leben vereinbar wäre.“ Quilitz befürwortete es, Gespräche mit Betroffenen zu fördern. Weiter ging es unter anderem um Angebote für ältere Bürger und den Umgang mit Antisemitismus.

Großes Interesse

Nach gut zweieinhalb Stunden endete die wenig kontroverse Podiumsdiskussion. Dekanatsreferent Thomas Macherauch zeigte sich zufrieden mit dem Interesse der Bürger. Es mussten kurz vorher noch Stühle hinzugestellt werden, sodass rund 120 Menschen Platz nehmen konnten.