Mit der Webcam ausspioniert? Das behaupten die Erpresser, die Ihr Unwesen auch in der Region Bruchsal treiben. | Foto: dpa

Auch Fälle in Bruchsal

Beim Pornoschauen ausspioniert – so perfide ist die Erpressermasche

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„Ich habe dich eine Weile beobachtet, weil ich dich in einer Werbung auf einer Porno-Website durch einen Virus gehackt habe.“ Mit diesen unheilvollen Worten beginnt die E-Mail an den Bruchsaler Klaus K. (Name geändert). Dahinter steckt nichts weniger als ein dreister Erpressungsversuch, der in den vergangenen Wochen und Monaten hundertfach in der Region aufgetaucht ist. Grund genug, mal nachzuhaken, wie man sich davor schützen kann.

Beim Pornoschauen beobachtet

Klaus K. soll laut Erpressern mit seiner eigenen Webcam beim Pornoschauen und bei der Selbstbefriedigung gefilmt worden sein. Ihm wird gedroht, dass dieses Video an alle seine Kontakte verschickt wird, wenn er nicht 834 Dollar in der Kryptowährung Bitcoins an ein bestimmtes Konto überweist. Sobald die Zahlung eingegangen ist, werde das intime Video gelöscht.
So wie K. ging es in den vergangenen Monaten Hunderten Menschen. Dies bestätigt Bernd Löffler von der Kriminalpolizei Karlsruhe, Abteilung Cybercrime. „Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.“

Neue Welle seit Herbst

Die erste Welle kam bereits im April. Seit Herbst tauchen wieder verstärkt E-Mails auf mit ähnlichem Inhalt. „Das erfüllt den Tatbestand der Erpressung“, weiß Löffler. Mit betrügerisch erlangten E-Mail-Adressen werden unbescholtene Bürger unter Druck gesetzt. Teils auf Deutsch, teils auch auf Englisch erreichten die Erpresser-Mails nicht selten ihren Zweck. Oft erwecken die Schreiben den Anschein, dass tatsächlich das eigene E-Mail-Konto samt Passwort gehackt wurde.

Forderungen von bis zu 3000  Euro

Aus Angst überweisen Menschen das Geld an die dubiosen Kanäle. „Die Forderungen reichen von 300 bis zu 3 000 Euro“, erklärt Löffler. Mittlerweile ermittelt auch das Landeskriminalamt, allerdings stehe man hier noch ganz am Anfang. Löffler hat aber auch gute Nachrichten für alle Geschädigten: „Da steckt nichts dahinter. Das ist nur heiße Luft.“ Die Empfänger müssen nicht fürchten, dass wirklich jemand intime Details gefilmt hat. Sein Rat ist eindeutig: „Nicht überweisen und den Fall der Polizei anzeigen.“ Sollte man der Täter habhaft werden, mache es einen Unterschied, ob man ihnen einen oder 1000 Erpressungsversuche vorwerfen kann. Am besten sollte man die E-Mail nicht löschen, sondern der Polizei zukommen lassen, sprich Anzeige erstatten, bei jedem beliebigen Polizeirevier. Das geht auch formlos, erklärt Löffler. Der erweiterte Header, also die Kopfzeile der E-Mail, sei dabei wichtig.