Der Viktoriapark am Bahnhof soll umgestaltet werden. Das Projekt Bürgergarten steht womöglich vor dem Aus. | Foto: Heintzen

Bruchsaler Bürgergarten

Beispielhaft und doch gescheitert?

Es ist ein ziemlich trostloser Anblick, wenn man vom Bahnhof in Richtung Innenstadt läuft und dabei den Victoriapark streift. Der im Sommer 2014 eingerichtete Bürgergarten sieht, besonders jetzt im Winter, verwahrlost aus. Und nun scheint das einst ambitioniert gestartete Projekt vor dem Aus zu stehen. Der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am Dienstag über die Zukunft des Gartens befinden.

Statt Obst und Gemüse wieder nur Rasen

Die Verwaltung schlägt vor, den Garten komplett zurück zu bauen und wieder nur Rasen zu pflanzen. Die Verwaltungsvorlage für diesen Tagesordnungspunkt listet Erfolge und Herausforderungen auf. Offenbar überwogen am Ende die „Herausforderungen“. Die Ziele waren hoch gesteckt. Unter dem Stichwort „urban gardening“, Gärtnern in der Stadt, sollte gemeinsam gearbeitet werden, verschiedene Bürger unterschiedlicher sozialer Schichten zusammengeführt werden, das nachbarschaftliche Miteinander im Quartier verbessert werden. Eingebunden wurden – anfänglich auch durchaus erfolgreich – Obdach- und Arbeitslose, Flüchtlinge oder gar Junkies. Es gab Feste, Kooperationen, Energiewendetage, Projekte mit Schülern wie etwa Trommelunterricht im Freien oder Müllsammelaktionen.

Müllprobleme, Hundekot, Lärm

Dem gegenüber steht eine lange Liste an Problemen: Angefangen damit, dass es nur einen Handschwengel-Brunnen gab und das Giesen damit aufwendig war. Später wurde das gar untersagt wegen Hygienemängeln. Das Wasser taugte nicht für die Bewässerung von Gemüsepflanzen, die zum Verzehr geeignet sein sollen. Die Caritas stellte keinen hauptamtlichen Quartiersmanager mehr, es blieb irgendwann allein an den Ehrenamtlichen aus der Lokale-Agenda-Gruppe hängen. Müllprobleme, Hundekot, der neue Pavillon, der auch vielen Obdachlosen plötzlich als Treffpunkt diente, Lärm in der Nacht, Vandalismus – die Probleme häuften sich.

Problemgruppen eingebunden

Letztlich ziehen die Verantwortlichen doch ein positives Fazit. „Allerdings mussten die Aktiven auch lernen, dass ihre Vorstellung eines eher wilden Gartens nicht den Erwartungen von Teilen der Bevölkerung entsprach, die sich an so präsenter Stelle eine deutlich gepflegtere Anlage wünschten“, so heißt es in der Gemeinderatsvorlage. Aus Sicht der Bürgergärtner habe das Projekt zu mehr Verständnis untereinander und dem Abbau von Hemmschwellen beigetragen. Auch die Profis vom Amt bewerten die Initiative durchaus positiv: Es sei gelungen, die schwierige Gemengelage im Park zu entspannen und „Problemgruppen“ einzubinden.
Der entscheidende Satz in der Vorlage ist aber wohl jener, der einerseits das Projekt als „beispielhaft“ lobt, dann aber feststellt, dass „ein Ehrenamtsprojekt nicht alleine die sozialen Probleme der Victoriaanlage lösen kann.“