Bei dem Brand in einer Bruchsaler Wohnung starb vermutlich der Bewohner.
Bei dem Brand in einer Bruchsaler Wohnung starb vermutlich der Bewohner. | Foto: EinsatzReport24

Offenbar drohte Räumung

Tödlicher Wohnungsbrand in Bruchsal: Bewaffneter soll DDR-Flagge gehisst haben

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Die Bruchsaler Silberhölle macht normalerweise ihrem Namen keine Ehre. Sie ist ein beschauliches, verkehrsberuhigtes Wohngebiet am Hang. Um so fassungsloser zeigen sich die Anwohner darüber, was sich in ihrer Nachbarschaft in der Nacht zum Sonntag abgespielt hat.

Was bisher bekannt ist: Ein 53-jähriger mutmaßlicher Sportschütze, Typ klassischer Einzelgänger, offenbar bis an die Zähne bewaffnet, hatte sich im zweiten Geschoss eines Mietshauses verbarrikadiert. Er besaß mehrere Waffen und hatte Schussfallen aufgestellt, die Wohnung regelrecht verdrahtet und einen schweren Waffenschrank von innen vor die Haustür geschoben.

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Laut Informationen der Feuerwehr waren sogar die Fenster verbarrikadiert, so dass die Einsatzkräfte zunächst gar nicht näher herankamen. Was sich in den späten Abendstunden des Samstags in der Wohnung abspielte, das werden Kriminalpolizei und Landeskriminalamt nun rekonstruieren müssen.

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Anwohner berichten von Explosionen

Am Ende ist der Mann tot, seine Leiche verbrannt. Über 100 Feuerwehrleute aus Bruchsal, Bad Schönborn, Ubstadt-Weiher und Stutensee kämpfen gegen die Flammen und bringen sich selbst in Gefahr. Lange Zeit können die Kräfte das Feuer nur von außen bekämpfen. Zu gefährlich wäre es, in die Wohnung einzudringen. Immer wieder gibt es Durchzündungen. Anwohner berichten von Explosionen.

Hatte der Mann auch Sprengstoff in der Wohnung? Keine ganz unrealistischen Überlegungen. Gefunden wurde aber offenbar nichts.

Hinweis der Redaktion
Alle Informationen in diesem Artikel stammen aus mehreren, gut informierten Quellen. Die gehisste DDR-Flagge wurde uns etwa von mehreren Feuerwehrleuten bestätigt. Die BNN achten bei ihrer Arbeit auf große Sorgfalt.

Dem Mann drohte wohl die Räumung – verschiedenste Vermutungen im Umlauf

Nach ersten BNN-Informationen drohte dem Mieter die Räumung seiner Wohnung. Er hatte angeblich schon länger seine Miete nicht gezahlt. Ist das der Grund für diese Aktion? Und was hat es mit einer DDR-Flagge an seinem Fenster auf sich? Sie soll der 53-Jährige am Tag, es ist der 9. November, 30. Jahrestag des Mauerfalls, aufgehängt haben. Später wird auch sie ein Raub der Flammen.

Handelt es sich womöglich um einen Reichsbürger, einen Rechtsradikalen, einen Waffennarr, oder war es eine Verzweiflungstat? Die Vermutungen und Gerüchte im Umfeld schießen ins Kraut.

Obduktion soll mehr Erkenntnisse bringen

Von Polizei und Staatsanwaltschaft gab es dazu bis Sonntagabend keine Antworten. Eine Obduktion soll mehr Erkenntnisse bringen. Zum Glück wurden keine weiteren Bewohner verletzt. Sie konnten das Gebäude rechtzeitig verlassen. Die Stadt Bruchsal hat acht von ihnen noch in der Nacht in Gasthäusern untergebracht.

Auch bei der Stadt ist man ob der Vorkommnisse alarmiert. Dort erwartet man jetzt erste Ermittlungsergebnisse. Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick lobte die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte. „Auch die Nachbarn und Anwohner haben sehr besonnen reagiert.“

Hinweis der Redaktion
Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten nicht über Suizide. Grund dafür ist, dass die Berichterstattung über Selbsttötungen erwiesenermaßen zu vielen Nachahmern führen kann. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn ein Fall durch bestimmte Umstände besonders relevant ist. Sollten Sie selbst Probleme haben oder über Suizid nachdenken, gibt es in Deutschland 104 Seelsorgestellen, die jederzeit eine anonyme Beratung anbieten. Die kostenlosen Rufnummern lauten 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222. In Karlsruhe bieten zudem der Kriseninterventionsdienst K.i.D. (0721 – 830 36 47) und der Arbeitskreis Leben Karlsruhe (0721 – 811424) Hilfe und Beratung an.