Brandstiftung Brandanschlag an Pfarrhaus Philippsburg
SCHNELL REAGIERT: Feuerwehrleute am Samstagabend am Einsatzort in der Philippsburger Söternstraße. | Foto: Feuerwehr Rheinsheim

Kriminalpolizei ermittelt

Brandanschlag auf Pfarrhaus in Philippsburg

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Im Fall des Brandanschlages auf das evangelische Pfarrhaus in Philippsburg dauern die Ermittlungen an. Am Samstagabend gegen 20.30 Uhr war auf der Terrasse des Hauses in der Söternstraße ein Feuer ausgebrochen. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe am Montag auf BNN-Anfrage sagte, werden nun unter anderem sichergestellte Spuren ausgewertet und Anwohner befragt. Ein Zusammenhang mit anderen Brandstiftungen in jüngster Zeit werde geprüft, sei aber zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich, so der Polizeisprecher mit Verweis auf die bisher ausgewerteten Spuren. Im BNN-Interview äußert sich der betroffene Pfarrer, Andreas Riehm-Strammer.

Familie war im Pfarrhaus

Die Brandstiftung auf der Terrasse im Erdgeschoss des Anwesens war am Samstagabend gegen 20.30 Uhr bemerkt worden. In dem Haus, in dem sich auch das Pfarramt der Evangelischen Kirche befindet, war das Feuer von der Familie des Pfarrers bemerkt worden, nachdem Scheiben aufgrund der Hitzeentwicklung zerbarsten. Zu dem Zeitpunkt hielt sich die Ehefrau mit den Kindern im Obergeschoss des Hauses auf, Pfarrer Andreas Riehm-Strammer selbst war auf einem dienstlichen Termin.

Feuerwehr nach Brandanschlag schnell vor Ort

Kurz nach ersten Löschmaßnahmen mit einem Feuerlöscher trafen bereits Feuerwehrkräfte ein. Im Einsatzbericht der Abteilung Rheinsheim heißt es: „In einem dortigen Anwesen kam es aus noch ungeklärten Umständen zu einem Brand von Gartenmöbel auf der Terrasse. Durch die starke Hitzeentwicklung zerbarst eine Fensterscheibe und der Rauch konnte sich ungehindert im ganzen Gebäude ausbreiten. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr, konnte eine Brandausbreitung auf das Gebäude verhindert werden. Das Feuer konnte schnell abgelöscht werden, das Gebäude wurde mit zwei Lüftern rauchfrei geblasen.“ Von Seiten des Polizeipräsidiums Karlsruhe war zunächst von einem Balkonbrand gesprochen worden, der mit einem Feuerlöscher erstickt worden sei.


Meine Familie und ich wurden zuvor nie bedroht.

 

 

BNN: Unbekannte haben Feuer auf der Terrasse Ihres Wohnhauses gelegt, Scheiben sind vor Hitze zersprungen. Nur wegen schneller Löschmaßnahmen hat sich der Brand nicht ausgebreitet. Wie steckt man einen solchen Brandanschlag weg?

Pfarrer Riehm Brandanschlag
KEINE ERKLÄRUNG: Pfarrer Andreas Riehm-Strammer äußert sich im BNN-Interview über den Brandanschlag auf sein Wohnhaus. | Foto: ber

Riehm-Strammer: Die erste Nacht nach dem Brand haben wir schon ziemlich unruhig geschlafen. Inzwischen ist es wieder besser. Auch unsere Kinder, sie sind 18, 16 und 14 Jahre alt, haben zunächst mit der Sache ganz gut umgehen können. Wir haben mit Ihnen natürlich darüber lange gesprochen.

BNN: Nicht nur in Philippsburg kursieren inzwischen viele Gerüchte über die Motivlage des unbekannten Täters beziehungsweise der Täter. Machen Sie sich über das Motiv auch Gedanken?

Riehm-Strammer: Natürlich mache ich mit auch Gedanken über die möglichen Beweggründe. Doch ich warne vor zu vielen Spekulationen jetzt. Ich kann jedenfalls sagen, dass meine Familie und ich zuvor nie bedroht wurden oder es auch nur Andeutungen diesbezüglich gab.

BNN: Immer wieder wird als mögliches Motiv genannt, dass Sie sich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

Riehm-Strammer: Sicherlich bin ich in der Flüchtlingshilfe aktiv, aber auch von solchen Spekulationen halte ich nichts. Auch in diesem Zusammenhang habe ich außer den üblichen kontroversen Diskussionen keine persönliche Bedrohung festgestellt.


Bürgermeister von Philippsburg bei Pfarrersfamilie

Am Sonntagnachmittag machte sich Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus ein Bild von der Brandstelle. Martus sagte danach den BNN: „Mir ging es vor allem um eine Geste der Unterstützung für die Pfarrersfamilie, die mit der Situation sehr gefasst umgeht.“ Martus dankte der Feuerwehr für ihren erfolgreichen Einsatz. Durch die schnelle und professionelle Rauchentlüftung sei das Haus bewohnbar geblieben. Der Bürgermeister warnte vor Spekulationen über mögliche Hintergründe der Tat, wie sie zum Teil bereits in Philippsburg aufgekommen seien. Offenbar wurde nach Bekanntwerden des Brandanschlags bereits verschiedentlich der Umstand thematisiert, dass Pfarrer Riehm-Strammer sich unter anderem in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Wilde Spekulationen, wenig Fakten

Wilde Spekulationen, aber wenig gesicherte Fakten gibt es seit Tagen auch in Bruchsal, wo es wenige Tage zuvor, in der Nacht zum Donnerstag, ebenfalls zu einer Brandstiftung mit christlichem Bezug kam. Wie berichtet, hatten unbekannte Täter zwei Holztüren der Bruchsaler Barockkirche St. Peter in Brand gesetzt und einen hohen Sachschaden verursacht. Hinzu kommen weitere ungeklärte Brände beziehungsweise Brandstiftungen in der Region in jüngster Zeit – etwa auf das Liniennetz der Deutschen Bahn. Gesichert ist dabei momentan nur eines: Den Brandermittlern der Polizei steht eine arbeitsreiche Zeit bevor.

Polizei ermittelt und sucht Zeugen

Aktuell werden einem Karlsruher Polizeisprecher zufolge die am Sonntag sichergestellten Spuren des Brandes untersucht. Zudem sollten Befragungen von Nachbarn des Anwesens in der Söternstraße befragt werden, ob ihnen etwas Verdächtiges aufgefallen ist. Federführend ist die Kriminalpolizei in Bruchsal. Zeugen oder Hinweisgeber können sich auch beim rund um die Uhr erreichbaren Kriminaldauerdienst in Karlsruhe unter der Telefonnummer (0721) 9 39 55 55 melden.

So berichtete BNN.de über die Brandstiftung an der Bruchsaler Kirche St. Peter: