ERHEBLICH BESCHÄDIGT: Die massive Holztür der Bruchsaler Peterskirche am Morgen nach der Brandstiftung. | Foto: str

Brandstiftung an Peterskirche

Bruchsal: Feuerteufel zündet Kirchentüren an

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Was für ein Mensch tut so etwas? Wer ist der Feuerteufel, der die Barock-Kirche St. Peter brennen sehen will? Diese Fragen stellen sich nicht nur viele fassungslose Bruchsaler, deren schönstes Gotteshaus in der Nacht zum Mittwoch angezündet wurde. Solche Fragen stellen sich auch die Ermittler der Bruchsal Kripo. Der Fall weckt Erinnerungen an eine andere Kirchen-Brandstiftung.

Brand bei St. Peter: Das ist bisher bekannt

Unbekannte haben in der Nacht zum Mittwoch an zwei Holztüren der Bruchsaler Peterskirche Feuer gelegt und damit einen erheblichen Sachschaden verursacht, dessen Höhe letztlich noch nicht absehbar ist und den die Polizei zunächst vorsichtig mit „mehreren Zehntausend Euro“ bezifferte. In der katholischen Kirchengemeinde reagierte man entsetzt.

Wir sind sehr traurig darüber, dass manche Menschen nicht einmal vor einer Kirche zurückschrecken.

Norbert Pohl, der Vorsitzende des Fördervereins für das historisch bedeutsame Gotteshaus, war am Mittwoch mit mehreren Helfern bei der Kirche, um die Schäden zu sichten und die Brandspuren so gut es ging zu beseitigen. Er sagt: „Wir sind sehr traurig darüber, dass manche Menschen nicht einmal vor einer Kirche zurückschrecken.“

ENTSETZT: Norbert Pohl vom Förderverein beseitigt verkohlte Reste am Eingang.
ENTSETZT: Norbert Pohl vom Förderverein beseitigt verkohlte Reste am Eingang. | Foto: str

Die Brandlegung an der 275 Jahre alten Kirche geschah nach ersten Erkenntnissen der Polizei zwischen Dienstag 18 Uhr und dem frühen Mittwochmorgen. Nach Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurde – offenbar mit Brandbeschleuniger – an zwei Holztüren absichtlich Feuer gelegt: am östlichen Portal zum Seitenschiff sowie am gegenüber liegenden Zugang zur Sakristei.

Flammen fressen sich durch dickes Holz

Während das Feuer an der Sakristei-Tür vergleichsweise weniger Schaden anrichtete, fraßen sich die Flammen am Eingangsportal tief durch das dicke Holz. Die altehrwürdige Kirche St. Peter hatte offenbar einen guten Schutzengel: Beide Feuer sind in der Nacht wieder erloschen – ob von selbst, ist noch nicht ganz erwiesen. Jedenfalls waren am Mittwochvormittag von der Feuerwehr nur noch erkaltete Brandstellen sowie verkohlte Holzreste an den Türen festzustellen. Und eine Menge dichter Rauch, der den großen Kirchenraum einhüllte.

Peterskirche Bruchsal
BAUDENKMAL: Die Bruchsaler Barockkirche St. Peter am Morgen nach dem Brand

Entdeckt wurde die Tat gegen 9.50 Uhr von Bernhard Toniolo, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins der Kirche, die Balthasar Neumann einst für die Speyer Fürstbischöfe erbaut hatte.

Dichter Qualm in Peterskirche

Tonilo berichtet: „Ich schließe täglich das Hauptportal auf, dass Besucher wenigsten bis zur Glastür dahinter eintreten können.“ Wegen einschlägiger Erfahrungen mit Vandalismus und Diebstahl bleibt die abseits gelegene Barockkirche seit Jahren abgeschlossen. „Durch die Rauchentwicklung ist mir schnell bewusst geworden, dass hier etwas nicht stimmt“, so Toniolo weiter.

Innenraum durch Brandstiftung beschädigt?

Die Bruchsaler Feuerwehr wurde um 9.21 Uhr alarmiert. Feuerwehrsprecher Tibor Czemmel: „Beim Eintreffen der Feuerwehr war das Feuer bereits erloschen, das Gebäude war aber so verqualmt dass es mit zwei Drucklüftern längere Zeit belüftet werden musste.“ Bis kurz vor 11 Uhr war die Feuerwehr mit beschäftigt. Auch danach war in der Kirche noch ein deutlicher Brandgeruch wahrnehmbar, und zum Teil war Ruß an den hohen Wänden sichtbar. Ob Stuckverzierungen durch die Hitze Schaden genommen haben müsse noch geprüft werden, hieß es.

St. Peter Bruchsal
HOHER SACHSCHADEN: Nicht nur die Türen, auch der Innenraum könnte teilweise beschädigt sein.

Da sich die durch den Brand stark beschädigte Portaltür nicht mehr abschließen lässt, wurde am Nachmittag von Mitarbeitern des städtischen Baubetriebshof mit Brettern gesichert. Die Heilige Messe in der Peterskirche am Dreikönigstag soll regulär stattfinden, so hieß es am Mittwoch.

Polizei sucht nach Hinweisen auf den Feuerteufel

Unterdessen sucht die Polizei nach Hinweisen auf den Feuerteufel. Geprüft werden dürfte dabei auch, ob Zusammenhänge mit anderen Brandstiftungen bestehen könnten. In den vergangenen Tagen kam es in der Region bekanntlich immer wieder zu Brandstiftungen beziehungsweise ungeklärten Bränden. So kam es am Neujahrstag zur Mittagszeit zum bislang ungeklärten Vollbrand eines Mülleimers in einem Kellerabgang an der evangelischen Kirche in der Bruchsaler Paul-Gerhardt-Straße. Die Brandursache ist hier laut Bruchsaler Feuerwehr noch nicht ermittelt und könnte auch eine Unbedachtheit im Umgang mit Feuerwerkskörper als Ursache haben.

Erinnerung an mysteriösen Altar-Brand

Zudem weckt der Fall Erinnerungen an eine andere Kirchen-Brandstiftung zur Weihnachtszeit: Am Ersten Weihnachtstag 2015 brannte im Stadtteil Untergrombach eine Altardecke in der Pfarrkirche Sankt Cosmas und Damian. Dabei wurde das Holzgesims eines wertvollen Seitenaltars beschädigt. Es handelte sich um ein spätbarockes Halbrelief, dem heiligen Franziskus geweiht, um 1750 vom Künstler Tobias Günther geschnitzt. Damals wie heute hatte die betroffene Kirche einen guten Schutzengel – das Feuer erlosch nach einiger Zeit offenbar wieder von selbst. Die Polizei gab den Schaden damals ebenfalls mit „mehreren Zehntausend Euro“ an und schloss eine technische Ursache sowie „fahrlässige Verursachung“ aus. Der Täter wurde bislang nicht gefasst.

Zeugenaufruf
Die Bruchsaler Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, sich mit dem Kriminaldauerdienst unter Telefon (07 21) 9 39 55 55 in Verbindung zu setzen.


So berichtet BNN.de zuletzt über die Bahn-Brandstiftungen in der Region: