reisser bruchsal
KONTRAPRODUKTIV? Der Bruchsaler OB-Kandidat Bernd Reißer will keine Unterstützung durch den AfD-Kreisverband Karlsruhe-Land. Dort findet man Reißer trotzdem gut. | Foto: privat

Oberbürgermeisterwahl 9. Juli

Bruchsal: OB-Kandidat lehnt AfD-Unterstützung als „kontraproduktiv“ ab

Am 9. Juli wird in Bruchsal gewählt, jetzt hat sich eine weitere Partei im Oberbürgermeister-Wahlkampf festgelegt: Die AfD spricht sich für den Kandidaten Bernd Reißer aus. Doch der Frauenarzt, der bei der Kommunalwahl 2014 über die AfD-Liste in den Bruchsaler Gemeinderat einzog, ist über diese Unterstützung überhaupt nicht glücklich.

Für die AfD ist dieser Mann eindeutig die bessere Alternative zu Amtsinhaberin Cornelia Petzold-Schick. In einer Verlautbarung des Kreisverbandes Karlsruhe-Land heißt es über Bernd Reißer fast schwärmerisch: „Die AfD bevorzugt klarsichtige Persönlichkeiten, deren Schaffen nicht buntschießenden Träumereien, sondern zuallererst dem kommunalen Wohl der angestammten Bürger gewidmet ist.“ Insbesondere in den drängenden Zentralthemen Asyl, Migration und Islam, Kriminalität und Bürgerschutz, Energie, Familie, wirtschaftspolitische Stadtentwicklung sei Reißer „der solide Gegenentwurf“ zu Amtsinhaberin Cornalia Petzold-Schick (parteilos).

AfD lobt OB-Kandidat als „Stimme der Vernunft“

Die AfD lobt ausdrücklich Reißers Arbeit im Bruchsaler Gemeinderat, wo er als partei- und fraktionsloses Mitglied dem „ideologisch willfährigen Parteienblock als Stimme der Vernunft“ gegenüberstehe, so die AfD-Mitteilung. Das Lob der Rechtspopulisten geht an einen ehemaligen Mitstreiter: Reißer war bekanntlich selbst AfD-Mitglied und wurde 2014 auf der AfD-Liste in den Bruchsaler Rat gewählt. Später verließ er die Partei und folgte zunächst AfD-Gründer Bernd Lucke in die neue Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), die sich später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte.

Reißer hält AfD-Unterstützung für „kontraproduktiv“

Bei der AfD-Unterstützung für ihr ehemaliges Parteimitglied dürfte es allerdings bei einer ideellen Unterstützung bleiben. OB-Kandidat Reißer stellte auf Anfrage klar, dass er von der AfD keine finanzielle oder sonstige Hilfe annehmen wolle. Die Unterstützungsbekundung halte er überdies für „kontraproduktiv“, eine entsprechende Anfrage seiner Ex-Partei habe er unlängst noch abgelehnt. In der AfD gebe es doch „ein paar merkwürdige Leute“, mit denen er sich keinesfalls in einem Topf sehen wolle, so Reißer ohne diesbezüglich konkreter zu werden. Andererseits, so räumt Reißer ein, könne er der AfD nicht verbieten, ihre Präferenz öffentlich zu machen.

„Persönliche Händel“ als Grund für Reißer-Austritt?

Reißers Distanzierungen stören die AfD-Verantwortlichen offenbar nicht groß. „Herr Dr. Reißer vertritt eigentlich AfD-Positionen“, findet Afd-Kreissprecher Peter Rösch. Reißer habe die AfD ohnehin wegen „persönlicher Händel“ und nicht aufgrund von Inhalten verlassen, so Rösch gegenüber BNN.de.

Auch andere Parteien haben sich zur OB-Wahl im Mittelzentrum mit rund 45.000 Einwohnern bereits festgelegt: Für Reißers Gegenkandidatin, Amtsinhaberin Cornelia Petzold-Schick, haben sich in Bruchsal SPD, Freie Wähler und Grüne und FDP ausgesprochen. Der dritte Bewerber, Marco Donait, geht für die satirische Partei „Die Partei“ ins Rennen. Von der Bruchsaler CDU, die die größter Fraktion im Rat stellt, gibt es zur OB-Wahl noch keine offizielle Unterstützungsbekundung. Die Christdemokraten, die vor dem Amtsantritt der parteilosen Juristin Petzold-Schick 2009 viele Jahre die Bruchsaler Oberbürgermeister stellten, hatten zunächst auf einen aussichtsreichen OB-Kandidaten aus den eigenen Reihen gehofft.

Internet: Website des OB-Kandidaten Bernd Reißer  

So berichtete BNN.de zuletzt über den Bruchsaler OB-Wahlkampf: