Wer die Spur in der Rettungsgasse nicht freigibt, muss künftig zahlen. Die Bruchsaler Feuerwehr kennt die Situation zur Genüge. In den seltensten Fällen funktioniert das System. | Foto: dpa

Rettungsgasse rettet Leben

Bruchsaler Feuerwehr: „Es geht um Leben und Tod“

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Martin Schleicher kennt die Situation allzu gut. Einsatz auf der A 5, der Bruchsaler Feuerwehrkommandant rast mit seiner Truppe zum Unfall und dann: Geht nichts mehr. Keine Rettungsgasse, kein Weiterkommen. 

Eigentlich ist es nicht schwer: Die Fahrzeuge links fahren nach links, die Fahrzeuge rechts fahren alle nach rechts. So entsteht eine Rettungsgasse. Doch oft genug kommen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte nicht schnell genug an den Unfallort. So gehen wertvolle Minuten verloren. Der Gesetzgeber hat nun reagiert. Wer die Rettungsgasse nicht bildet, soll künftig zahlen. Mindestens 20 Euro werden fällig. Die BNN haben bei der Bruchsaler Feuerwehr nachgefragt:

Herr Schleicher, wenn Sie mit Ihren Feuerwehr-Einsatzfahrzeugen zu einem Unfall etwa auf der A 5 fahren, funktioniert das dann gut, dass die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden?

Schleicher: In neun von zehn Fällen funktioniert es leider nicht! Manchmal machen die Autofahrer auch kurz Platz und schließen die Gasse gleich wieder. Und das obwohl noch weitere Einsatzwagen folgen. Der nächste Wagen von Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr muss sich dann wieder neu seine Spur bahnen. Das kostet unglaublich viel Zeit. Und die ganz dreisten Autofahrer fahren einfach dem Rettungswagen in der Gasse hinterher.

„In neun von zehn Fällen funktioniert die Rettungsgasse nicht“. Martin Schleicher ist Abteilungskommandant der Feuerwehr Bruchsal. | Foto: Streib

Nun reagiert der Gesetzgeber und konkretisiert: Fahrzeuge auf der linken Spur müssen nach links ausweichen, alle anderen nach rechts. Wer sich nicht dran hält, muss bezahlen, mindestens 20 Euro. Was halten Sie davon?

Schleicher: Ich halte das prinzipiell für richtig. Die Frage ist nur, wer setzt das durch? Wir Einsatzkräfte können das mit Sicherheit nicht leisten. Wenn wir mit Blaulicht zu einem Unfallort fahren, können wir nicht auch noch Autokennzeichen aufschreiben, von Fahrern, die die Rettungsgasse nicht bilden. Auch die Polizei hat ja in solch’ einem Fall anderes zu tun.

Was ist Ihr Appell an die Autofahrer? Wie verhält man sich korrekt, wenn die Feuerwehr mit Tatütata angebraust kommt?

Schleicher: Wenn es auf der Autobahn zu einem richtigen Stau kommt, kann man davon ausgehen, dass etwas passiert ist, dass es einen Unfall gibt und dass dann auch Einsatzkräfte kommen. Dann muss eine Rettungsgasse gebildet werden, selbst wenn noch kein Blaulicht zu sehen ist. Diese Gasse sollte auch nicht wieder geschlossen werden. Es geht hier mitunter um Leben und Tod, das muss man ganz klar sehen. Und wenn die Einsatzkräfte schnell am Unfallort sind, dann kann nicht nur früher geholfen werden, sondern dann löst sich auch der Stau schneller auf.

Und so funktioniert die Rettungsgasse auf zwei-, drei- oder vierspurigen Straßen.