Das Bruchsaler Softwareunternehmen Abona hat einen "TruckTower" entwickelt, um dem Stellplatzmangel der Lkw entgegenzuwirken.
Dreimal so viele Stellplätze wie bisher sollen durch ein Parkhaus entstehen, an dem eine Bruchsaler Firma arbeitet. | Foto: Abona

„Zentrum für Durchreisende“

Bruchsaler Firma will Lkw-Stellplatzmangel mit „TruckTower“-Konzept begegnen

Anzeige

Ein gutes Gewissen haben die meisten Fahrer nicht, wenn sie ihren Schlüssel herumdrehen und ihren Lkw dort abstellen, wo er andere Fahrer behindert. Doch nach teilweise stundenlanger Parkplatzsuche ist es für viele der Fahrer die letzte Lösung – schließlich müssen sie ein Bußgeld zahlen, wenn sie ihre Ruhezeiten nicht einhalten.

„Die Lage hat sich sehr verschlimmert. Sie leben in einer unwürdigen Situation“, sagt Leonid Kuhn. Früher war er selbst Fahrer, heute arbeitet er mit der Bruchsaler Softwarefirma Abona für Speditionen – und an einer Lösung. In einem „TruckTower“, einer Art Parkhaus, könnten die Lkw übereinander untergebracht werden. Gleicher Flächenverbrauch, dreimal so viele Parkplätze – so lautet die Rechnung der Bruchsaler Entwickler.

Das Problem ist längst in den Verkehrsministerien angekommen. Zuletzt gab es im Juni dieses Jahres einen schweren Unfall auf der A5 bei Weingarten, weil die Einfahrt eines Parkplatzes durch einen Lastzug blockiert war.

Mehr zum Thema: Kein Platz für Lkw: fehlende Stellplätze an Autobahnen als Unfallrisiko

Mehr als 2.300 Stellplätze fehlen

An baden-württembergischen Autobahnen fehlen laut einer Prognose des Bundes bis zum Jahr mehr als 2.300 Stellplätze. Das Land möchte Flächen von Speditionen, Logistikfirmen, Kommunen oder Privatleuten anmieten. Der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg steht dem Vorhaben positiv gegenüber.

Für den Bruchsaler Entwickler Kuhn greift der Ansatz jedoch zu kurz: „Es wird nur daran gedacht, die Lkw von der Straße zu schaffen. Aber was ist mit dem Fahrer? Was ist mit der Ware?“ Wenn die Fahrzeuge abgeschieden auf einer Fläche abgestellt werden, steige die Gefahr der Diebstähle.

Auch interessant: Autobahnpolizei kontrolliert Lkw-Fahrer: „Da ist nix mehr mit Trucker-Romantik“

Ein „Zentrum für Durchreisende“

Vor allem aber hätten die Fahrer keine Duschmöglichkeiten, moniert Kuhn. Deswegen haben die Bruchsaler nicht nur ein Parkhaus für Lkw entwickelt, sondern ein „Zentrum für Durchreisende“. Die Idee: Während der Lkw abgestellt ist, können die Fahrer in kleinen Räumen eines Container-Hotels übernachten. „Vielleicht sind auch Sozialräume für Billard und auch Supermärkte möglich“, sagt Kuhn.

Das Konzept des „TruckTower“ sei weltweit einmalig, ein Patent habe man sich bereits gesichert. Die Fahrer könnten sich für ihren Stellplatz im Voraus über eine App anmelden oder spontan einfahren, erklärt Kuhn. Je nach Gewicht des Fahrzeugs wird der Lkw in dem „Tower“ ebenerdig, in einer tieferen Ebene oder in einem höheren Geschoss abgestellt. Kommen neue Fahrzeuge an, werden die Stellplätze automatisch zugewiesen. Zur Abfahrtzeit sollen sie ebenerdig bereitstehen.

Für die Feinkonstruktionen wird Geld benötigt

Die Konstellationen berechnet eine Software, die Lkw werden dann durch hydraulische Unterstützung energieeffizient und umweltschonend bewegt. Einen Kostenrahmen können die Entwickler noch nicht nennen. Beim baden-württembergischen Verkehrsministerium wurden die Bruchsaler mit ihrem Konzept schon vorstellig, auch das Bundesverkehrsministerium haben sie kontaktiert.

Mehrere Unternehmen stünden als Partner für eine Umsetzung bereit, betont Kuhn. Um die Feinkonstruktion angehen zu können, benötige man Geld. „Wir warten auf eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums.“ Lange Genehmigungsverfahren bräuchte es für den „TruckTower“ nicht, sagt er.