Flohmarkt-Chef Ludwig Friedt schaut gerne bei „seinen“ Händlern vorbei. | Foto: Belles

Paradies für Schnäppchenjäger

Bruchsaler Herz’l Flohmarkt ist Kult

Von Sabine Belles

Samstag 7 Uhr morgens, der Flohmarkt Herz‘l erwacht geräuschvoll zum Leben. Noch bereiten den Platzanweisern von Veranstalter Ludwig Friedt parkende Lkw Probleme, die das Parkverbot am Samstag missachtet haben. Schnell wird das geklärt. Seit 6 Uhr sind die ersten Händler vor Ort am Autohof Herz’l in Heidelsheim, eigenen Angaben zufolge Deutschlands ältestem Rasthof.

Schon vor acht Uhr warten die ersten Flohmarkt-Kunden

Sie warten auf ihre Stellplätze, viele haben einen Stammplatz. Fast schon Kult ist der Flohmarkt Herz’l der verkehrsgünstig an der B 35 in der Nähe des Real liegt: Der Flohmarkt findet bereits seit 1996 satt, bei Sonne und Regen, im Winter wie im Sommer. Er ist bei den Besuchern wie bei den Händlern bestens eingeführt. Die ersten Schnäppchenjäger sind bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart um acht Uhr unterwegs, vor allem auf der Suche nach „Markenkleidung und Markenschuhen zu einem günstigen Preis“ wie Peter Hempel ausführt.

 

Trödel, Schmuck, Werkzeuge, Geschirr - hier lacht das Flohmarkt-Gänger-Herz
Trödel, Schmuck, Werkzeuge, Geschirr – hier lacht das Flohmarkt-Gänger-Herz | Foto: Belles

Hier gibt’s kein Gerangel

Er hat gerade ein Adidas-T-Shirt für drei Euro gekauft. Er ist zufrieden mit dem Preis und fragt nach dem Fußball, der am selben Stand angeboten wird. 15 Euro möchte der Händler haben. „Zu teuer“ befindet Hempel und bietet zehn. Schließlich wechselt der Fußball für zwölf Euro den Besitzer. Hempel ist begeistert. Feilschen und handeln lohnen sich hier auf jeden Fall.
Die Atmosphäre unter den Händlern ist freundlich und familiär. Es gibt kein Gerangel um die besten Plätze, im Gegenteil, schwatzend hilft man sich und gibt sich Tipps zur besseren Präsentation der Ware. Die Geschäfte laufen „mal so, mal so, eine genaue Vorhersage kann man da nicht machen“ verraten zwei rüstige Senioren. Sie kommen schon seit 20 Jahren auf den Flohmarkt, um Trödel zu verkaufen. „Das ist unser Hobby“, sagen sie.

Werkzeug verkauft sich super

In der Hauptverkaufszeit zwischen zehn und 14 Uhr herrscht reges Treiben. Im Angebot der Händler sind vor allem Kleidung, Geschirr und Spielzeug sowie Elektrogeräte. Aber auch Modelleisenbahner und Münzenfans kommen auf ihre Kosten. Der absolute Renner ist Werkzeug. „Das geht immer“ erzählt ein Mitarbeiter von Ludwig Friedt.
In der Regel ist das Flohmarktgeschäft für die Trödelverkäufer ein Zubrot, die wenigsten müssen davon leben. Nicht so die Neuwarenhändler auf dem Markt. Die machen etwa ein Fünftel aus und ziehen von Flohmarkt zu Flohmarkt. Besonders groß ist dieses Mal der Andrang beim Obst- und Gemüsehändler. Die Melone, die es dort zu probieren gibt schmeckt lecker, die Bananen sind frisch und die Äpfel sind wohlriechend. Er ist weit über den Flohmarkt hinaus für die Qualität seiner Waren und den günstigen Preis bekannt.

Vintage-Produkte sind in

Neu, so Ludwig Friedt ist, dass viele junge Leute auf den Flohmarkt kommen: „sowohl als Händler als auch als Besucher“. „Vintage“ ist nicht nur bei den Älteren ein Trend.
Einen kurzen Einbruch, erklärt er, hat es im Flohmarktgeschäft vor ein paar Jahren gegeben, mit dem Boom der Online-Plattform „ebay“. Das hat sich aber relativiert. Um 16 Uhr löst sich der Flohmarkt Herz’l langsam wieder auf. Bis zum nächsten Samstag. Viele kommen wieder.