Einst fuhren alle Autos im alten Landkreis Bruchsal mit diesem Kennzeichen. Mittlerweile gibt es nur noch KA. | Foto: Heintzen

„Jetzt erst recht“

Bruchsaler kämpfen weiter für BR-Kennzeichen

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Cornelia Petzold-Schick hielt kurz inne. Dann gewährte die Bruchsaler Oberbürgermeisterin einen Einblick in ihre Gemütslage. „Ich habe mich geärgert. Ich war enttäuscht“, sagte die Rathauschefin beim Gedanken an die Lektüre des Schreibens, das sie dieser Tage von Landrat Christoph Schnaudigel erhalten hatte. Darin hat er ihr mitgeteilt, dass das Thema BR-Kennzeichen auf den Fahrzeugen im ehemaligen Landkreis Bruchsal nicht auf die Tagesordnung des Kreistags aufgenommen wird. Eine Absage an die Wechselwünsche tausender Autofahrer zwischen Philippsburg und Bretten.

Nicht das letzte Wort gesprochen

Für die Oberbürgermeisterin und engagierte Befürworter der BR-Schilder wie Heimfried Werner oder Rüdiger Lupp ist zu diesem Thema längst noch nicht das letzte Wort gesprochen. Sie wollen sich weiterhin dafür einsetzen, dass Autofahrer zwischen KA- und BR-Kennzeichen wählen dürfen. Sie kämpfen weiter. „Ich bin nicht bereit, die weiße Fahne zu hissen“, betont beispielsweise Werner.

Kommen weitere Unterschriftenaktionen?

„Es gibt für die nächsten Jahre noch Spielräume“, versicherte Petzold-Schick. So ist es denkbar, dass sie mit ihren Kollegen in den Umlandkommunen spricht und sie vom Zeichen der „Heimatverbundenheit“ überzeugt. Werner und Lupp erwägen derweil, Gespräche mit Mitgliedern des Kreistags zu suchen, damit die erwirken, dass sich das Gremium doch mit dem Wunsch der Wechselwilligen befasst. Selbst weitere Unterschriftenaktionen scheinen derzeit nicht ausgeschlossen.

Rechnung des Landrats umstritten

Nachdem der Kreistag im Januar 2013 den Antrag, BR-Kennzeichen im ehemaligen Landkreis zu erlauben, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt hatte, machten die Bruchsaler nach den Heimattagen einen erneuten Vorstoß. Im Sommer diesen Jahres übergab OB Petzold-Schick Landrat Schnaudigel eine Liste mit 4 870 Unterschriften von Leuten, die den Schilderwechsel wünschen.
Der Kreischef prüfte das Anliegen, sah keine „maßgeblich veränderte“ gesetzliche Vorgaben seit der Abstimmung vor vier Jahren und lehnte das Ansinnen ab – unter anderem mit dem Verweis darauf, dass knapp 5 000 Unterzeichner lediglich 1,39 Prozent der Gesamteinwohnerzahl des Landkreises Karlsruhe seien.

Dieses Thema tut keinem weh

„Es ist müßig, Erbsen zu zählen“, kommentierte Heimfried Werner, der als Graf Kuno nicht nur unter den Fastnachtern in der Region bekannt ist, den Dreisatz. Er verwies darauf, dass nicht die Addition der Gesamteinwohner des Landkreises, sondern die Zahl der Bürger im ehemaligen Kreis Bruchsal relevant ist. Auch Petzold-Schick äußerte sich irritiert über das Rechenwerk aus der Karlsruher Behörde. „Man sollte das politisch ernster nehmen“, sagte sie und ergänzte: „Dieses Thema tut keinem weh. Es aber ein Beitrag gegen Politikverdrossenheit.“

Verwaltungsaufwand „vertretbar“

Vor dem Kreistagsvotum 2013 waren unter anderem hohe Kosten und enormer Verwaltungsaufwand die wesentlichen Argumente, die das Ansinnen BR-Schilder scheitern ließen. Nach den Erfahrungen in anderen Mittelzentren – über ein Dutzend davon hat in Baden-Württemberg mittlerweile die alten Kennzeichen wieder – seien Kosten „unerheblich“ und Verwaltungsarbeit „vertretbar“, hieß es bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch im Bruchsaler Rathaus.