Per Glasfaserkabel gelangen die Daten im FTTH-Verfahren bis in die Wohnung. Das ermöglicht ungeahnte Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde | Foto: dpa

Glasfaser bis in die Wohnung

Bruchsaler surfen bald auf der superschnellen Gigabit-Welle

„Büchenau surft künftig auf der schnellen Welle“. Diese BNN-Schlagzeile vom Mai ist heute überholt. Denn Büchenau sowie Untergrombach und Obergrombach könnten künftig auf der superschnellen Highspeed-Welle durchs Internet surfen. 25-mal schneller als im Sommer noch gedacht. Als eines von drei Pilotprojekten in Deutschland will die Deutsche Telekom in den drei Stadtteilen Glasfaserkabel bis in die Wohnungen legen.

Bedingung: 30 Prozent müssen mitmachen

Als ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk wird dieser Vorstoß von der Stadtverwaltung und den Ortsvorstehern verstanden, wie alle in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch deutlich machen. Bedingung: 30 Prozent aller Haushalte in den drei Stadtteilen müssen sich binnen drei Monaten für den Ausbau entscheiden. Dieser wäre dann kostenlos, werde aber künftig etwa 800 Euro kosten. Wer unterschreibt, der bekommt von der Telekom seinen Vorgarten aufgebuddelt und ein Glasfaserkabel bis in die Wohnung gelegt. Damit kann man dann mit einer Geschwindigkeit von sage und schreibe einem Gigabit pro Sekunde durchs Internet düsen.

Neuer Standard FTTH

Wer braucht solche Geschwindigkeiten? „Sie haben Recht, das braucht kein Mensch“, erklärt Frank Bothe. Noch nicht zumindest. Der Leiter Technik der Niederlassung Südwest der Telekom wirbt trotzdem offensiv für das einzigartige Pilotprojekt. „Fiber to the home“, FTTH, nennt sich das Angebot. Kupferkabel war gestern. Mit Glasfaser bis in die Wohnung sind diese Geschwindigkeiten künftig möglich. Und werden bei steigenden Datenvolumen, Cloud- und Streaming-Diensten und Industrie 4.0 künftig wohl auch gebraucht.
Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick erklärt: „Das ist ein sensationelles Angebot. Und vor allem eine Investition in die Zukunft.“ Der Gemeinderat hat dazu kurzerhand sein Vorhaben gekippt und den eigenen Ausbau der drei Stadtteile gestoppt. Denn die Telekom bietet 25-mal mehr Tempo auf ihrer Datenautobahn. „Das spart uns Investitionen von zwei bis drei Millionen Euro, mindestens“, erklärt die OB.

Der Datenhunger ist enorm

Binnen zwei Wochen haben Stadtverwaltung und Gemeinderat das Angebot der Telekom geprüft und für gut befunden. Unisono bestätigen die Ortsvorsteher: „Der Datenhunger ist enorm.“ Schnelles Internet und umso mehr superschnelles Internet werde ein noch stärkerer Standortfaktor sein, gerade für Dörfer. „Das ist auch eine Wertsteigerung für jede Immobilie“, war man sich sicher. Jetzt gilt es, 30 Prozent der Haushalte zu überzeugen: „Selbst wenn man sich sagt, das brauche ich im Moment nicht, dann ist es doch eine Vorsorge für die Zukunft“, erklärt die OB. Die wenigsten werden sich wohl für einen Vertrag über ein Gigabit entscheiden. Der kostet immerhin 120 Euro pro Monat. In der ersten Tranche dabei und damit die Anschlussgebühr sparen kann man aber auch schon ab 19,99 Euro pro Monat mit einem kleinen Telekomtarif und kleineren Geschwindigkeiten.

Jetzt beginnt das Klinkenputzen

„Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann“ – das schwang auch bei der Pressekonferenz mit. Vor einem Jahr sprach die OB in Büchenau noch vom „Marktversagen“, weshalb der Landkreis die Breitbandgesellschaft ins Leben gerufen hatte und selbst begann, Glasfaser zu verlegen.
Doch ganz plötzlich ist die Telekom wieder sehr präsent auf dem Markt. Die bereits von den Stadtwerken installierte Infrastruktur in Büchenau kann wohl übernommen werden.
Von Februar bis Mai läuft die Vermarktung, dann muss die Telekom Klinken putzen und die Bürger von ihrem Produkt überzeugen. Danach beginnt der Leitungsbau. Unterschreiben genug Bürger und ist alles im Plan, soll die Turbodatenleitung im Mai 2019 bereits am Start sein.