Der Bruchsaler Weihnachtsmarkt läuft noch bis zum 23. Dezember. Vor allem abends kommen viele Besucher. Die Händler hoffen noch auf eine starke letzte Woche. | Foto: Heintzen

Händler im BNN-Interview

Bruchsaler Weihnachtsmarkt: Sozialhütten als Konkurrenz?

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Das Wetter könnte fast nicht besser sein: Kalt genug für den Glühwein. Trocken genug, um abends gemütlich zu verweilen. Noch wenige Tage bis Heilig Abend, das Weihnachtsgeschäft biegt quasi auf die Zielgerade ein. Aber noch ist die Stimmung unter den Bruchsaler Händlern nicht festlich. Eher gemischt, was die Umsätze angeht.

Die nächste Woche wird extrem stark

Michael Zeibig vom Bruchsaler Branchenbund und Filialleiter von Jost sieht ein „leichtes Plus“ gegenüber dem Vorjahr. Der lange Advent komme den Einzelhändlern zu Gute. Geschenkekäufer allerdings seien jedes Jahr später dran, so seine Einschätzung. Er rechnet damit, dass das Weihnachtsgeschäft nächste Woche nochmal anzieht. „Die Woche wird extrem stark“, ist er sich sicher. Weihnachtsmarkt und Schlossweihnacht bringen Kunden in die Innenstadt, hat Zeibig festgestellt.

Am Kübelmarkt sind die Einschätzungen über das Weihnachtsgeschäft 2016 ebenfalls gemischt: Ludwig Mann verkauft täuschend echt aussehende Werkzeuge aus Schokolade. „Die Leute kommen fast nur noch zum Essen und Trinken“, so seine Einschätzung. „Ich komme nächstes Jahr nicht mehr“, kündigt der 70-jährige Karlsdorfer an.

Vereine zahlen keine Standgebühren

Auch eine andere Händlerin ist unzufrieden. Sie moniert, dass die drei Sozialhütten der Vereine ihr ziemlich Konkurrenz machen. „Alle verkaufen sie Marmelade“, kritisiert die Frau, die ebenfalls Marmelade im Sortiment hat und sich daran stört, dass die Vereine im Gegensatz zu ihr keine Standgebühren bezahlen müssen. „Das ist so gewollt“, erklärt Margrit Csiky vom Stadtmarketing. Der Sozialgedanke spiele nunmal an Weihnachten eine große Rolle. Sie freut sich, dass der Weihnachtsmarkt nach wie vor viele Besucher anlockt. „Vor allem abends ist hier oft kein Durchkommen mehr“ so Csiky. Auch das Engagement der Innenstadthändler, etwa die festlich geschmückte Hoheneggerstraße, komme bei den Kunden gut an, freut sich Csiky.

Der Einzelhandel von Bruchsal freut sich über den langen Advent. Die Geschenkekäufer allerdings sind immer später dran.
Der Einzelhandel von Bruchsal freut sich über den langen Advent. Die Geschenkekäufer allerdings sind immer später dran. | Foto: Heintzen

Sündigem mit gutem Gewissen

Sündigen – aber mit gutem Gewissen, das verspricht Elke Roder. Zum zweiten Mal hat sie ihren Stand mit den Schokofrüchten auf dem Bruchsaler Weihnachtsmarkt aufgebaut und ist mit dem Umsatz sehr zufrieden. „Es läuft besser als im vergangenen Jahr“, erzählt sie. Gemütlich und persönlich gehe es hier zu. Außerdem locke das Bühnenprogramm viele Gäste, so hat die Schaustellerin festgestellt.
Auch Ingrid Alt ist Schaustellerin mit Leib und Seele. Ihre Mutter hat zusammen mit der Werbegemeinschaft vor 48 Jahren den Bruchsaler Weihnachtsmarkt ins Leben gerufen. Seither ist Familie Alt dabei.
Heute betreiben die Alts die Glühweinpyramide, einen Würstchen- und einen Süßigkeitenstand. „Die kalten Tage sind gut für unser Glühweingeschäft“, freut sie sich. Dass es auch in Bruchsal mit dem Kunsthandwerk nicht weit her ist, wundere sie nicht. „Ab September bekommt man überall weihnachtliche Dekoartikel. Heutzutage ist der Weihnachtsmarkt eben mehr ein Treffpunkt geworden.“

Der Weihnachtsmarkt in Bruchsal läuft noch bis  23. Dezember jeweils von 12 bis 20 Uhr, freitags und samstags bis 21 Uhr, auf dem Otto-Oppenheimer-Platz und Kübelmarkt. Es gibt gut 30 Buden, Kinderkarussel und ein umfangreiches Bühnenprogramm.