Bruchsal: Die Wohnung im zweiten Obergeschoss stand lichterloh in Flammen.
Bruchsal: Die Wohnung im zweiten Obergeschoss stand lichterloh in Flammen. | Foto: pr

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Schwer bewaffnet in Wohnung verschanzt: Das steckt hinter dem tödlichen Brand von Bruchsal

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Nein, das war kein normaler Wohnungsbrand am Samstagabend in Bruchsal. Am Sonntag wird erst langsam das gesamte Ausmaß sichtbar. Möglicherweise sind die Bruchsaler nur mit Glück einem größeren Drama entgangen. Was es bis jetzt an Informationen gibt:

Verbarrikadiert und mit Langwaffen bewaffnet – so hatte sich ein 53-jähriger mutmaßlicher Sportschütze am Samstagabend in seiner Wohnung in einem Bruchsaler Wohngebiet regelrecht verschanzt. Aufmerksam wurden Anwohner darauf, weil sie gegen 23 Uhr Rauch aus den Fenstern im zweiten Geschoss eines Mietshauses sahen.

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Verbrannte Leiche gefunden

Ein Großeinsatz von mehreren Feuerwehren, Rettungskräften, Polizei, Landeskriminalamt und Ermittlern folgte. Weil die Tür zur lichterloh brennenden Wohnung offenbar mit einem schweren Waffenschrank verbarrikadiert war, begann der Löschangriff zunächst von außen. Immer wieder gab es Explosionen im Innern.

Die Situation stellte sich auch für die Feuerwehrleute als extrem gefährlich heraus. Am Ende konnte der mutmaßliche Bewohner nur tot geborgen werden, die Polizei fand seine verbrannte Leiche.

Schussfallen in der Wohnung?

Nach unseren Informationen aus dem näheren Umfeld war seine komplette Wohnung mit Schussfallen ausgestattet und verdrahtet.

Ein Wohnungsbrand beschäftigte am späten Samstagabend die Einsatzkräfte in Bruchsal.
100 Feuerwehrleute war bei dem Brand in Bruchsal im Einsatz. | Foto: Aaron Klewer / Einsatz-Report24

Mitarbeiter des Landeskriminalamts wollten zunächst einen sogenannten Delaborier-Roboter in die Wohnung schicken, um möglichen Sprengstoff zu finden. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten diese Information am Sonntag gegenüber den BNN nicht bestätigen. Sie sprachen lediglich von einem „Wohnungsbrand“.

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Wohnhaus ist unbewohnbar

Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es sich um den Bewohner der Wohnung handelt. Er habe Suizid begangen. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Nach unseren Informationen drohte dem Mann eine Räumungsklage. Das Mehrfamilienhaus ist derzeit unbewohnbar.

„Zum Glück ist nicht noch etwas viel Schlimmeres passiert“, sagt Cornelia Petzold-Schick. Bruchsals Oberbürgermeisterin hat wie mehr als 100 Feuerwehrfrauen und -männer eine unruhige Nacht hinter sich.

Brand Wohnung Bruchsal
Die Löscharbeiten dauerten auch am Sonntag noch an. | Foto: Aaron Klewer / Einsatz-Report24

Im eigentlich beschaulichen Wohngebiet Silberhölle wird am Sonntagmorgen das Ausmaß des Dramas erst langsam sichtbar. Augenzeugen berichten gegenüber den BNN von jeder Menge Waffen und Schussfallen. Dass am Ende nur der mutmaßliche Bewohner der Wohnung im Dachgeschoss des Mehrfamilienhauses tot war, gleicht einem Wunder.

100 Feuerwehrleute im Einsatz

„Und es ist dem besonnenen Vorgehen der Einsatzkräfte zu verdanken“, erklärt Petzold-Schick. Unter der Führung von Einsatzleiter Holger Kling waren die Kräfte gegen 23 Uhr ausgerückt.

Bei Sonnenaufgang am Sonntagmorgen waren die Feuerwehrleute immer noch im Einsatz, wie Pressesprecher Tibor Czemmel berichtet. Die ganze Nacht über hatten sie damit zu tun, den massiven Wohnungsbrand zu löschen. Insgesamt waren 100 Männer und Frauen aller Bruchsaler Abteilungen, aus Bad Schönborn, Ubstadt-Weiher und Stutensee im Einsatz. Drei Drehleitern standen zur Verfügung.

Weitere Feuerwehrleute aus Bruchsaler Abteilungen sowie aus Karlsdorf-Neuthard und Forst garantierten in dieser Nacht den Grundschutz, wäre es woanders zu einem Einsatz gekommen.

Hinweis der Redaktion
Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten nicht über Suizide. Grund dafür ist, dass die Berichterstattung über Selbsttötungen erwiesenermaßen zu vielen Nachahmern führen kann. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn ein Fall durch bestimmte Umstände besonders relevant ist. Sollten Sie selbst Probleme haben oder über Suizid nachdenken, gibt es in Deutschland 104 Seelsorgestellen, die jederzeit eine anonyme Beratung anbieten. Die kostenlosen Rufnummern lauten 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222. In Karlsruhe bieten zudem der Kriseninterventionsdienst K.i.D. (0721 – 830 36 47) und der Arbeitskreis Leben Karlsruhe (0721 – 811424) Hilfe und Beratung an.