Als aufregend anders empfindet Anna-Lea Süß aus Bruchsal-Heidelsheim den Au-pair-Aufenthalt in China. Das Bild entstand in Guilin. Wegen des Coronavirus hat sie das Land jetzt vorzeitig verlassen. | Foto: pr

Aufenthalt abgebrochen

Bruchsalerin kehrt aus China heim – und wehrt sich gegen Coronavirus-Panik

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Einen Au-pair-Aufenthalt in China hat Anna-Lea Süß aus Bruchsal sicherheitshalber vorzeitig abgebrochen. In den sozialen Netzen von China gab es wilde Gerüchte über den Coronavirus. Trotzdem will sie irgendwann wiederkommen.

An Panikmache will sich Anna-Lea Süß aus Heidelsheim ganz bewusst nicht beteiligen. Ein Bild von der 20-Jährigen mit Mundschutz kommt deshalb nicht infrage, obwohl sie sich mit ihrer Familie seit Freitag zuhause für zwei Wochen freiwillig in Quarantäne befindet. Freitagmorgen ist sie nach einem abgebrochenen Au-pair-Aufenthalt im chinesischen Nanjing nach Bruchsal zurück gekehrt.

Gassi-Gehen mit Mundschutz

„Wenn wir mit dem Hund spazieren gehen, tragen wir einen Mundschutz“, erzählt die frühere Abiturientin der Käthe-Kollwitz-Schule. Hände waschen und desinfizieren ist Pflicht. Ihre Schwester ist für die zwei Wochen, die als Inkubationszeit für den Coronavirus gilt, von der Schule freigestellt.

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Die Eltern arbeiten im Home-Office. Per WhatsApp, Telefon oder E-Mail halten Freunde und Nachbarn Kontakt mit der Familie. „Die Besorgnis ist groß“, sagt Anna-Lea Süß. Sie mache sich aber keine Sorgen und vergleicht den Coronavirus mit früheren Grippe-Epidemien, die in Deutschland 20.000 Tote gefordert haben.

Vokabel-Büffeln mit chinesischen Kindern

Seit September hat sie als Au-pair bei einer chinesischen Familie in Nanjing gearbeitet: Mit den drei Kindern im Alter von 5, 7 und 9 Jahren lernt sie Englisch-Vokabeln. „In chinesischen Familien wird großen Wert auf Bildung gelegt“, erzählt sie. Die Vormittage nutzt sie, um an der Uni Nanjing die Sprache Mandarin zu lernen.

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Später will die Jugendgemeinderätin und SPD-Ortschaftsrätin in Heidelsheim vielleicht Sinologie und Politik studieren. Eigentlich war geplant, bis Juli in der Millionen-Metropole im Osten der Volksrepublik zu bleiben. Die Provinzhauptstadt liegt 540 Kilometer östlich von Wuhan, wo der Coronavirus Ende 2019 ausbricht. Aktuell sollen mehr als 17.000 Menschen in China erkrankt sein. Mehr als 420 Infizierte sollen gestorben sein.

Gerüchte und ausverkaufte Masken

Erste Gerüchte über eine „Art Lungenkrankheit“ verbreiten sich Anfang Januar über den chinesischen Messenger „Wechat“. Fake-News machen die Runde. Süß informiert sich lieber in deutschen Medien, die ab Ende Januar verstärkt über die Ansteckungswelle in China berichten. Auch in Nanjing sind irgendwann Mundschutzmasken ausverkauft, gehen die Leute nicht mehr ohne in die Öffentlichkeit. Im weiteren Verlauf sind immer weniger Menschen auf der Straße, meist um das Nötigste einzukaufen.

Leere U-Bahnen wie hier Ende Januar in Shanghai sind in China eher selten. Mittlerweile gehen die Menschen nur noch mit Masken in die Öffentlichkeit. | Foto: Süß

Als schließlich erste Fluglinien den Verkehr einstellen und Länder ihre Staatsangehörigen aus der abgeriegelten Provinz ausfliegen, wächst auch in Heidelsheim die Sorge. Anna-Lea Süß fühlt sich zunehmend unsicher: „Der medizinischen Versorgung in Deutschland vertraue ich mehr.“

China ist aufregend und komplett anders als Zuhause

Am Flughafen im 300 Kilometer entfernten Shanghai wird ihre Temperatur gemessen, muss die 20-Jährige einen Zettel unterschreiben, dass sie sich gesund fühlt – alles noch mit Mundschutz. Mit Aeroflot geht es nach Moskau und von dort weiter nach Frankfurt. Speziell kontrolliert wird sie auf dem Rückflug und bei der Ankunft im Flughafen allerdings nicht.

Vorsichtshalber werde die Familie, nach Rücksprache mit einem Arzt, eine 14-tägige Quarantäne einhalten. Trotz der überstürzten Abreise hat Anna-Lea Süß der fünfmonatige Aufenthalt in China sehr gut gefallen: „Es ist aufregend und komplett anders als Zuhause“, erzählt sie – irgendwann will sie auch wieder zurückkehren.