Auf dem Friedrichsplatz in Bruchsal ist am Samstag Björn Höcke von der AfD aufgetreten. Die Polizei sprach von knapp 500 Teilnehmern. | Foto: Heintzen

Höcke zieht rund 500 an

Bunte Menschenkette gegen AfD-Kundgebung in Bruchsal

Anzeige

Mit einer langen Menschenkette, mit bunten Luftballons, La Ola, Gesang und auch stillem Protest setzten viele Menschen in Bruchsal am heutigen Samstag ein Zeichen gegen „Hetze und Ausgrenzung“. Laut Veranstalter, dem Bündnis „Wir für Menschlichkeit“, und der Stadt Bruchsal protestierten rund 1200 Menschen gegen die Kundgebung der AfD am Nachmittag auf dem Friedrichsplatz. Die Polizei spricht von rund 900 Teilnehmern.

Vor allem der Auftritt des umstrittenen thüringischen AfD-Politikers Björn Höcke hat offenbar viele Menschen mobilisiert. Der ließ sich von Hunderten Anhängern – die Polizei sprach von gut 500 Menschen – auf dem Friedrichsplatz feiern. Darunter waren Fans, AfD-Mitglieder aber auch neutrale Beobachter. Unter „Höcke-Höcke“-Rufen umriss der Abgeordnete „das jahrzehntelange Totalversagen der Altparteien“, wie er es nannte. Sein Auftritt wurde begleitet von lautstarkem Protest entlang der Einfallstraßen zum Friedrichsplatz. Dort formierten sich gleichzeitig ebenfalls mehrere Hundert Menschen, um ihrem Unmut über den Höcke-Auftritt in Bruchsal Luft zu machen. Sie begleiteten die AfD-Kundgebung bis zum frühen Abend lautstark aber weitgehend friedlich.

Björn Höcke wird von seinen Anhängern auf dem Bruchsaler Friedrichsplatz gefeiert. | Foto: Zäpfel

„Merkel-muss-weg“-Rufe

Viele Sympathisanten unterbrachen Höckes Rede immer wieder mit Beifall, aber auch mit „Pfui“-Rufen, mit Slogans wie „Merkel muss weg“ und Lügenpresse-Rufen. Höcke sprach derweil unter anderem von einer „zerstörten deutschen Armee“, davon dass „den Deutschen die härteste Währung der Welt genommen wurde“, und von einer „Zwangsmultikulturisierung“. „Jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, rief Höcke seinen Anhängern zu, die teilweise Deutschlandflaggen oder auch selbst gestaltete Plakate bei sich trugen. Derweil hallten „Nazis-raus“-Rufe bis zum AfD-Rednerpult. Immer wieder richteten die AfD-Politiker die Anrede direkt an ihre Gegner vor dem Platz.

Der hiesige AfD-Landtagsabgeordneten Rainer Balzer war mit der Kundgebung, die von der Bruchsaler AfD und von der Kreis-AfD organisiert wurde, „sehr zufrieden.“ Die Mitglieder wollten Höcke hören, erklärte er den Grund der Einladung des umstrittenen Politikers, dem bis vor Kurzem noch der Parteiausschluss drohte. „Das sieht nicht aus wie Bruchsal hier. Das sieht aus wie Erfurt, das sieht aus wie Dresden“, rief Höcke seinen Anhängern mit Verweis auf die ostdeutschen Städte zu, in denen die AfD einen großen Zulauf hat und wo Höcke mittlerweile auch bei den Pegida-Demos als Redner auftritt.  „Es geht hier um alles. Es geht um unseren hart erarbeiteten Wohlstand.“ Es gebe Menschen, so Höcke, „mit denen müssen und wollen wir nicht zusammenleben.“

Gegen „braune Resthetze“ zogen Mitglieder der Badischen Landesbühne auf den Friedrichsplatz. Nach der Kundgebung sammelten sie liegengebliebene Flyer ein und demonstrierten so ihre Gegnerschaft zu Björn Höcke und der AfD. | Foto: Zäpfel

Nur kleinere Zwischenfälle

Die Polizei sprach gegen Nachmittag lediglich von einem Zwischenfall, bei dem Pfefferspray im Spiel war. Es gab zwei Leichtverletzte. Das Spray sei nicht von der Polizei eingesetzt worden, so erklärte ein Polizeisprecher. Am Abend zog man eine weitgehend positive Bilanz. Ein Polizist habe eine Fahne auf den Kopf bekommen. Zudem hätten linke Demonstranten AfD-Anhänger eingekreist, diese hätten sich mit Pfefferspray gewehrt, woraufhin auch Polizisten das Spray abbekommen haben.

Im Polizeibericht heißt es wörtlich: „Während der Veranstaltung kam es gegen 17.20 Uhr zu einer Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern der AfD-Versammlung und Personen des linken Spektrums die im Bereich John-Bopp-Straße aufeinander trafen. Die Teilnehmer der AfD-Versammlung wurden von Personen des linken Spektrums mit Plakaten und Bannern offenbar bedrängt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand zückte eine Person des linken Spektrums ein Pfefferspray. Dieses wurde ihm durch ein AfD-Teilnehmer aus der Hand gerissen, der damit um sich sprühte. Hierdurch wurden fünf Polizeibeamte, die zu der Auseinandersetzung hinzugerufen wurden, leicht verletzt.“

Mit bunten Ballons bildeten viele Menschen bereits am Mittag eine Menschenkette und zeigten so ihren Protest gegen den Auftritt Björn Höckes. | Foto: Heintzen

Ring hat sich geschlossen

Ausgestattet mit bunten Ballons und vielen selbstgebastelten Plakaten bildeten die Gegendemonstranten der AfD-Kundgebung bereits um die Mittagszeit einen großen Ring durch die gesamte Bruchsaler Innenstadt, vorbei am laufenden Wochenmarkt. An manchen Stellen standen die Demonstranten auch in zwei Reihen. Vor der Stadtkirche wurden christliche Lieder gesungen, auch Pfarrer, Pfarrerinnen und der katholische Dekan wurden gesichtet. Die Bruchsaler Lutherkirche war mit Plakaten des Bündnisses „Wir für Menschlichkeit“ beklebt.

Deutliches Zeichen gesetzt

Eberhard Schneider vom gesellschaftlich breit aufgestellten Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ zeigte sich am Ende beeindruckt. „Das waren viel mehr als wir erwartet hatten. Wir haben ein ganz deutliches Zeichen gesetzt.“ Auch die Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick hatte sich eingereiht und zeigte sich zufrieden: „Das gibt mir Mut. Wir machen rassistischen Tendenzen und Ausgrenzung keinen Platz in Bruchsal“, erklärte sie. Sie sei sehr dankbar, dass so viele Menschen ganz unterschiedlicher Gruppierungen, Parteien und Kirchen so geschlossen zusammen stünden.“

Auch die Polizei war mit einem Großaufgebot in der Stadt. Gut 800 Polizeibeamten sowie Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Stadtverwaltung und der Feuerwehr waren seit dem Morgen unterwegs. Eine Gruppe von etwa 50 Linken wurde bereits am Mittag von einem Großaufgebot an Bereitschaftspolizisten vom Bahnhof abgeholt und in die Innenstadt begleitet. Dort reihten sie sich in die Menschenkette ein.

Bislang alles friedlich

Auch nach Beendigung der Menschenkette blieb alles friedlich in der Stadt. Die Polizei allerdings zeigte starke Präsenz, war mit 800 Kräften im Einsatz, hat Anti-Konflikteams genauso dabei wie Polizeihunde, zwei Wasserwerfer und Pferde, sowie Hubschrauber und eine Drohne. Auch am frühen Abend war das Durchkommen vor allem aus Richtung Bahnhof schwierig. Bereits am Morgen hatten sich Staus rund um die Bruchsaler Innenstadt gebildet. Hildastraße, Lutherstraße und Amalienstraße waren abgeriegelt, ebenso das Gebiet rund um den Friedrichsplatz und das Feuerwehrhaus, sowie der Bahnhof.

Im Feuerwehrhaus hatte sich ein Einsatzstab gebildet. Dort liefen die Fäden zusammen.  Parallel zu den Demonstrationen und Kundgebungen findet in Bruchsal an diesem Wochenende auch noch ein großes Akkordeon-Festival statt. Hunderte junge Musiker spielen auf den Plätzen der Stadt unter freiem Himmel.