Wenn ein Lokal wegen Viren oder Keimen geschlossen wird, sind die Gastronomen versichert. Deshalb wollen sie, dass der Schutz auch bei Covid-19 greift. Auch die Betreiber des "Schwanen" in Wiesental kämpfen darum. | Foto: dpa

Betriebsschließung durch Viren

Corona steht nicht in der Police: Gastronomen in der Region kämpfen um Versicherung

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 Gastronomen und Hoteliers sind üblicherweise gegen Betriebsschließungen durch Krankheiten versichert. Weil Lokale von Keimen oder Viren betroffen sein können und die Aufsichtsämter das Restaurant stilllegen, bis wieder Sicherheit einkehrt. Dann ersetzen die Versicherungen den Einnahmeausfall für 30 bis 60 Tage. Zum Beispiel, wenn Salmonellen gefunden wurden. Aber gilt die Versicherung auch beim Corona-Virus?

Die Lokalbetreiber kämpfen mit den Versicherungen darum. Es gibt unterschiedliche Reaktionen der Unternehmen. Und eine aus Bayern stammende Kulanzlösung. Am „Schwanen“ in Waghäusel-Wiesental zeigen sich die Probleme mit der Versicherung exemplarisch.

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An die 50 Krankheitserreger sind aufgeführt in der Versicherungspolice für den „Schwanen“ in Wiesental. Erwähnt sind das Ebola-Virus ebenso wie jenes für Masern. Der Erreger der Hirnhautentzündung ist gelistet, das Virus für Gelbfieder, und nicht fehlen dürfen Legionellen und Salmonellen. Pest und Vogelgrippe umfasst die Reihe. Nicht erwähnt ist das Virus Sars-Cov-2/Covid-19.

Seit 26 Jahren gegen Viren versichert

Wirtin Margit Kattner zahlt die Versicherung zum Schutz vor Betriebsschließung durch Viren schon lange. „Seit 26 Jahren. Eine Versicherung, die wir neben vielen anderen als Wirte brauchen und die greifen soll, wenn das Lokal wegen eines Erregers geschlossen werden muss. Und jetzt wäre es natürlich wichtig für uns, wenn dieser sonst auch aktualisierte Schutz gelten würde“, sagt die Chefin, die im Gasthaus keinen Gast bedienen darf.

Das Problem mit einer Betriebsausfall- oder Betriebsschließungsversicherung haben derzeit viele Lokale oder Hotels. Die Absicherung aus einem Vertrag greift zwar meist nur für 30 bis 60 Tage und soll die täglichen Einnahmeverluste ausgleichen. Aber sie kann derzeit ein Mosaik der Rettung sein.

„Gefährdung geht nicht vom Lokal aus“ – deshalb kein Versicherungsschutz

Margit Kattner und ihr Mann Sascha erhielten über ihren Versicherungsagenten, der den Schaden formal sofort aufnahm, eine abschlägige Erstauskunft von der „Allianz“ übermittelt. Die Argumentation lautete wie bei anderen Versicherern: Covid-19 ist in der Police nicht aufgeführt, die Betriebsschließung geht nicht von einer Gefährdung im Lokal selbst aus und außerdem blieben die Gäste weg, weil es die Ausgangsbeschränkungen gibt. Nur wenn der Staat die Versicherungen zu Regress verpflichte, müsse man zahlen.

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Dass dennoch der Staat das Lokal geschlossen hat, bleibt in diesen Begründungen unberücksichtigt. Nun konnten die Kattners mit dem Außer-Haus-Verkauf etwas einnehmen, der Vermieter zeigte sich rücksichtsvoll, und die Soforthilfe des Staats ging ein. „Geld für einen Anwalt, um gegen die Versicherung zu klagen, hätten wir nicht. Dennoch wollen wir, dass sie komplett zahlt“, sagt Sascha Kattner.

Einige Versicherungen zahlen

Eine andere Gastronomin und Hotelchefin im nördlichen Landkreis berichtete den BNN von ihren Problemen mit einem anderen Versicherungsunternehmen in Sachen Betriebsschließung. Die teure Police wurde sogar für 60 Ausfalltage abgeschlossen. „Spiegel Online“ meldet am 18. April, dass die meisten Versicherer wegen Covid-19 nicht zahlen wollten und nennt nur vier willige Unternehmen. Die Kattners haben inzwischen immerhin ein Kulanzangebot vorliegen.

Allianz bietet bayrische Kulanzlösung an – 15 Prozent auszugleichen

Weil der „Schwanen“ weiter Speisen verkaufe und andere Unterstützung fließe, stuft die „Allianz“ den Schaden des Lokals auf 30 Prozent der durchschnittlichen Tageseinnahmen ein. Davon würde man in der aktuellen Situation die Hälfte, also 15 Prozent, ersetzen und insgesamt mit einem dreistelligen Millionenbetrage den Gastronomen in der Krise helfen.

Dahinter steckt das bayrische Modell. Die dortige Landesregierung hat mit dem bayrischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie drei Versicherungen, darunter der Allianz, 10 bis 15 Prozent als freiwilliges Angebot aus dem Schließungsversicherungen ausgehandelt.

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Kein Unternehmen müsse es annehmen, betonen die Verbände der Gastronomie. Es hat auch keine bundesweite Relevanz. Das betont ebenfalls die baden-württembergische Dehoga. Sie stellt auf ihrer Homepage Vor- und Nachteile  der individuellen Regelung mit dem Angebot der Allianz und anderer Versicherungen dar.

Die Kulanz verhindere einen langen und vom Ausgang ungewissen Rechtsstreit. Aber man verstehe auch, wenn Betriebe die ganzen Ansprüche durchsetzen wolle. Die Kattners tendieren im Moment dazu, um mehr Geld von der Versicherung zu kämpfen.