Temperatur-Messung am Check-In: Wer Patienten in der Fürst-Stirum-Klinik besuchen will, muss sich anmelden und seine Daten angeben. | Foto: Staron

12 Wochen Hochspannung

Covid-19-Zentrum in Bruchsal hat bisher 100 bestätigte Fälle behandelt

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Hinter den Mitarbeitern der Fürst-Stirum-Klinik liegen zwölf Wochen unter Hochspannung. Wochen, in der die RKH-Klinik zum Covid-Behandlungszentrum West umgebaut wurde. Drei Monate später zieht der Ärztliche Direktor, Martin Schuster, eine vorsichtige Zwischenbilanz: „Wir sind im Grunde ein Covid-19-freies Haus.“

„Wir haben alles auf links gedreht“, erinnert sich Regionaldirektorin Susanne Stalder an die Tage im März, in denen Bilder von den verheerenden Zuständen in italienischen Kliniken sehr präsent waren.

Planbare Operationen wurden verschoben. Die Beatmungs- und Überwachungskapazitäten auf 67 Betten verdoppelt. Ein zweiter Besucherstopp wurde verhängt, nachdem es im Mai in der Klinik einen Covid-19-Ausbruch gab. „Für die Mitarbeiter war das eine riesige Herausforderung“, so Stalder.

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Bis heute wurden in dem Covid-Zentrum West knapp 100 bestätigte Covid-19-Fälle sowie 280 Verdachtsfälle behandelt. Darunter sind auch Patienten aus Bretten, Mühlacker und Neuenbürg. Derzeit werden in der Klinik nur noch ein bis zwei ehemalige Covid-19-Patienten wegen anderer Grunderkrankungen versorgt. Sie seien mittlerweile virusfrei, so der Anästhesist Schuster, der davor warnt, dass Virus auf die leichte Schulter zu nehmen.

30 Covid-19-Tote

In Bruchsal wurden von den 100 bestätigten Fällen bis heute 25 Patienten intensivmedizinisch versorgt, davon 15 mit Beatmungsgerät und in Bauchlage. Auffällig war laut Schuster, dass diese Patienten – auch die jungen – meist sechs Wochen lang beatmet werden mussten. Von den 100 bestätigten Fällen sind allerdings 30 gestorben, unter den 280 Verdachtsfällen gab es 20 Tote.

Für Irritationen unter den BNN-Lesern hat der zweite Besucherstopp Mitte Mai gesorgt, nachdem es in der Fürst-Stirum-Klinik einen Covid-19-Ausbruch mit schlussendlich 14 Mitarbeitern und zwölf Patienten gegeben hat.

Virus angeblich eingeschleppt

Angehörige befürchteten im Gespräch mit der Rundschau, dass ein Patient das Virus eingeschleppt und zwei Zimmernachbarn angesteckt habe. Alle drei Patienten sollen zwischenzeitlich gestorben sein. Aus dem Klinikumfeld gab es den Hinweis, dass sich der Ehemann einer Mitarbeiterin ansteckte – und verstorben sei. Die Hinweise auf die Todesfälle hat die Rundschau zum Anlass genommen, in der Klinik nachzufragen, ob die Schutzmaßnahmen ausreichend waren.

Verdachtfälle sollen vorher erkannt werden

Mittlerweile gibt es in der Zentralen Notaufnahme einen Mitarbeiter, der die Patienten nach ihren Symptomen befragt, Temperatur, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz misst – im Vollschutz mit Anzug, Maske und Schutzbrille. Am Checkpoint werden täglich bis zu 300 Besucher befragt. Verdachtsfälle sollen so schon im Vorfeld erkannt werden.

Personalmangel bekommt Brisanz

Der Aufbau der Schwerpunktklinik war geprägt von Personal- und Materialknappheit. So wurden ehemalige Mitarbeiter im Intensivbereich zurückgeholt, junge Ärzte aus anderen Bereichen eingesetzt. „Anfangs wurden Schutzkittel aus Müllsäcken zusammengeklebt“, erzählt Stalder.

Mit dem Covid-19-Ausbruch bekam das Thema Personalmangel zusätzliche Brisanz. Nach RKI-Vorgaben wurde nach Systemrelevanz differenziert. So mussten unverzichtbare Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt nach einer Woche häuslicher Quarantäne in der zweiten Woche unter Schutzmaßnahmen wieder arbeiten.