"Klar" ist hier gar nichts: Die Verbraucher glauben, sie bekommen bei diesem Produkt Saft aus Karlsruher Äpfeln. Doch weit gefehlt | Foto: Streib

Streit um Karlsruher Apfelsaft

„Das ist doch Etikettenschwindel“

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„Das ist doch Etikettenschwindel.“ Jürgen Schmitt ist sauer. Der Kassierer der Streuobstinitiative des Land- und Stadtkreises Karlsruhe mit Sitz in Bruchsal erhebt schwere Vorwürfe. Im sogenannten „Karlsruher Apfelsaft“ der Schlör Bodensee Fruchtsaft GmbH sei kein einziger Karlsruher Apfel drin, ist sich Schmitt sicher. Schmitt, der Bruchsaler Stadtrat, muss es wissen: Schließlich kauft seine Streuobstinitiative seit 2014 sämtliche Äpfel von städtischen Karlsruher Streuobstwiesen auf und macht sie zu Saft. Dieser Saft wird unter der Marke „Äpfele“ vertrieben. Auf gut Deutsch: Im „Äpfele“-Saft sind die Karlsruher Äpfel – im sogenannten Karlsruher Saft ist nichts davon drin.

Saft-Chef gibt sich reumütig

Die derart angeprangerte Firma Schlör aus Radolfzell räumt auf Nachfrage der BNN ein: „Das stimmt. In unserem Karlsruher Apfelsaft sind keine Karlsruher Äpfel enthalten“, erklärt Geschäftsführer Klaus Widemann unumwunden. Der Mann gibt sich zerknirscht. „Das ist für uns ein Fiasko. Wir wollen die Konsumenten nicht täuschen.“ Als Bio-Anbieter sei man gerade auf das Vertrauen der Kunden besonders angewiesen.

Nur im Äpfele-Saft sind die Karlsruher Äpfel

Die Streuobstinitiative wiederum fürchtet einen eigenen wirtschaftlichen Schaden. „Schlör konkurriert natürlich mit uns“, erklärt Schmitt. Kunden, die gezielt regional und bio einkaufen wollten, griffen bisher gerne zum Karlsruher Apfelsaft. Wer den aber trinken wollte, müsste eigentlich zu „Äpfele“ greifen. Zumal mit dem Kauf von „Äpfele“-Saft regionale Naturschutzprojekte unterstützt werden, betont Schmitt. Jeder Cent, der der Streuobstinitiative entgeht, entgehe damit dem Naturschutz im Landkreis.

Äpfel von städtischen Streuobstwiesen werden bei der Streuobstinitiative des Landkreises verarbeitet und unter dem Label „Äpfele“ verkauft. | Foto: Alabiso

Verbraucherzentrale prüft den Vorgang

Auch bei der Verbraucherzentrale Stuttgart ist man alarmiert. „Wir werden den Vorgang juristisch prüfen“, erklärt Christiane Manthey. Der Verbraucher müsse sich gerade im Bio-Sektor auf die Angaben verlassen können. Wenn die Marke nicht geschützt sei, „dann ist das auf alle Fälle irreführend“, so Manthey.

Definitiv keine Äpfel aus Karlsruhe

Was ist denn nun drin? Im „Karlsruher Apfelsaft sind derzeit definitiv keine Äpfel aus Karlsruhe“, so Widemann. Auch keine vom Bodensee. Man beziehe Äpfel von Wiesen aus ganz Baden-Württemberg. „Am liebsten wäre es mir, in Zukunft wieder die Karlsruher Äpfel zu versaften“, erklärt Widemann. Wenn das nicht möglich sei, wolle Schlör sich so schnell wie möglich von dem Label verabschieden.

Auch Stadt Karlsruhe wehrt sich gegen das Etikett

Diese Nachricht könnte im Karlsruher Rathaus wiederum freudig aufgenommen werden. Bisher hat sich die Stadt vergebens mit Schlör auseinandergesetzt. Denn auch dort hat man mit der Benutzung des Labels und mit der offensiven Werbung des Karlsruher Stadtschildes Bauchschmerzen. Schon seit dem Jahr 2012 gibt es keine Zusammenarbeit mehr mit Schlör. „Die weitere Verwendung des Etiketts wurde von der Firma nicht mit uns abgestimmt. Wir haben der Firma mitgeteilt, dass die Verwendung nicht in unserem Interesse ist. Da wir uns unter anderem die Möglichkeit offen halten wollen, das Etikett künftig selbst noch einmal zu verwenden, prüfen wir derzeit hausintern, ob das Etikett markenrechtlich geschützt ist“, heißt es aus dem Karlsruher Rathaus.

Wirtschaftliche Wirren

Widemann räumt ein: Nachdem Schlör 2015 insolvent gegangen war und von der Widemann Bodensee-Kelterei aus Bermatingen übernommen wurde, habe man das Produkt „Karlsruher Apfelsaft“ quasi geerbt. In diesen wirtschaftlichen Wirren, so versucht Widemann zu erklären, sei das Thema untergegangen. Jetzt sei man aber willens, wieder „sauber, treu und redlich“ zu handeln.