Das Wappen Neuenbürgs soll von dieser Stelle wieder verschwinden. | Foto: Herberger

Wirbel in Kraichtal

Das Wappen muss wieder weg

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 „Das Wappen kommt weg“, sagt Andreas Hassis, stellvertretender Kommandant der Abteilung Neuenbürg. Er sagt die Worte bestimmt, aber glücklich wirkt er dabei nicht. Es geht um die Fassade des neuen Feuerwehrhauses im Kraichtaler Stadtteil, an dem seit kurzem das Neuenbürger Ortswappen prangt. Denn eigentlich muss dort das Logo der Feuerwehr „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ stehen, wie Kraichtals Bürgermeister Ulrich Hintermayer bestätigt.

Stuckateur hatte Hand angelegt

Unter dem Schriftzug war eigens eine kreisrunde Fläche freigehalten, auf dem ein örtlicher Stuckateur – selbst ein Feuerwehr-Kamerad – die Weinrebe mit den beiden Löwen gemalt hatte. „Wir hatten das so angekündigt und schließlich umgesetzt“, sagt Hassis, akzeptiert aber auch, dass übergeordnete Stellen eine andere Sichtweise haben. Mathias Bauer, Gesamt-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Kraichtal, spricht von Fehlern in der Kommunikation. „Es gibt eigentlich wichtigere Dinge als das“, erklärt er und verweist auf den Flaggenstreit am Karlsruher Schloss, der ebenfalls unnötig sei. Dennoch ist beides ein Thema in der Öffentlichkeit.

Diskussion beim Musikfest

Das Wappen wurde unter anderem beim Musikfest am Wochenende diskutiert – das neue Gebäude nutzen neben der Feuerwehr schließlich auch Musikverein, Gesangverein, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Reservisten. Nicht nur in der Redaktion der Bruchsaler Rundschau gingen Anrufe ein, auch im Kraichtaler Rathaus, wie Hintermayer gegenüber den BNN berichtet. An allen anderen Feuerwehrhäusern der Stadt prange das Feuerwehr-Wappen, auf allen Fahrzeugen steht „Stadt Kraichtal“, erklärt Hintermayer. „Man muss bedenken, dass dieses Feuerwehrhaus mit öffentlichen Geldern der Stadt Kraichtal finanziert wurde“, so Hintermayer.

Ich bin mir der Brisanz bewusst

Das Stadtteildenken wolle man ja eigentlich gerade überwinden. „Ich bin mir der Brisanz bewusst. Und das Wappen ist auch gut gemacht. Da gibt es gar nichts“, erklärt der Bürgermeister. Dennoch soll es bis zur Einweihung des Hauses am 20. Juli ersetzt werden – durch das Feuerwehrlogo.
Aber, so Hintermayer: „Wir haben uns entschieden, das Neuenbürger Wappen im rückwärtigen Bereich des Hauses anzubringen.“ Hintermayer bittet um Verständnis, dass man in allen Stadtteilen gleich verfahren müsse. „Das ist keine Entscheidung gegen Neuenbürg, sondern für Kraichtal“, bekräftigt derweil der Gesamtkommandant.

Wappenstreit soll beigelegt werden

Bereits in der Planungsphase war das Projekt Feuerwehrhaus im Gemeinderat umstritten. Die immer wiederkehrende Diskussion, ob in allen Stadtteilen die gleiche Infrastruktur sein muss oder ob man Synergien nutzen kann, wurde auch hier geführt. Der Wappenstreit soll aber beigelegt werden: „Wir haben einen Platz ausgeguckt, wo das Wappen super aussehen wird“, versichert Bauer.

Armin Herberger und Christina Zäpfel