BLICK IN DIE VERGANGENHEIT: Diese Steine könnten die linke Gebäude-Ecke der einstigen Bruchsaler Synagoge sein. | Foto: Heintzen

Blick in Bruchsaler Untergrund

Synagogen-Reste treten bei Grabungen zutage

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Es ist ein Blick in Bruchsals jüngere Vergangenheit, den diese kleine Baustelle im Hof des Feuerwehrhauses nur für kurze Zeit gewährt. Das Landesdenkmalamt Stuttgart hat nach Fundamenten der von den Nazis zerstörten Synagoge gebuddelt und ist prompt fündig geworden.

Nur wenige Quadratmeter ist der Hof geöffnet, doch was sich dort einige Zentimeter unterm Asphalt zeigt, lässt kaum Zweifel zu. „Wir stehen wohl am linken äußeren Gebäude-Eck der einstigen Synagoge“, zeigt sich Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick fast euphorisch. Noch steht der letzte Beweis aus, dass es sich tatsächlich um die Synagoge handelt. Aber die Vorsondierung, die die Stadt vor Kurzem in Auftrag gegeben hatte, decke sich genau mit den jetzigen Funden.

Fundstelle wird zugeschüttet

Schon am Mittwoch allerdings, so hieß es am Dienstag bei einem innerhalb einer Stunde anberaumten Pressetermin, soll die Stelle wieder zugemacht werden, um die Funde zu schützen. Deswegen sei Eile geboten, um überhaupt einen Blick auf die Reste zu erhaschen. Außerdem findet sich die Baustelle mitten im Hof des Feuerwehrhauses, wo täglich schwere Fahrzeuge kurven müssen.

Doch was passiert jetzt mit den Funden? Diese Frage indes vermochte am Dienstagnachmittag noch keiner zu beantworten. Manch einer fühlte sich gar an die einstige Königshof-Suche am Marktplatz erinnert.
Derzeit läuft bekanntermaßen ein Bürgerbeteiligungsprozess, um herauszufinden, was mit dem innerstädtischen „Filetstück“ passieren soll, wenn das Feuerwehrhaus in die Bahnstadt gezogen ist. „Erst, wenn wir wissen, wie es mit dem Gelände weitergeht, kann man sich überlegen, was mit den Funden letztlich passiert“, so Petzold-Schick.

Ein Modell zeigt, wie die Bruchsaler Synagoge einst ausgesehen hat. | Foto: Zäpfel

Jetzt sind die Denkmalschützer gefragt

Ob die steinernen Überreste erhalten bleiben können oder gar müssen, ob Teile zur Ansicht unter Glas kommen, darüber werden letztlich wohl auch die Experten des Denkmalamtes entscheiden.
Mit ziemlicher Sicherheit werde man – kommt es zu einer späteren Bebauung des Geländes – auch an anderer Stelle Überreste finden. Darüber waren sich der neue Bruchsaler Bauamtsleiter Oliver Krempel und Stadtarchivar Thomas Moos einig, die beide sowie einige Stadträte zum kurzfristigen Vor-Ort-Termin geeilt waren.

Nazis brannten Synagoge nieder

Bis zur sogenannten Reichspogromnacht 1938 stand das repräsentative Gotteshaus der jüdischen Gemeinde im Neorenaissancestil am heutigen Standort des Feuerwehrhauses. Nazis haben die Synagoge allerdings in Brand gesteckt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dann ausgerechnet an diesem Standort ein Feuerwehrhaus errichtet. Mittlerweile sind 49 Vorschläge zur Neugestaltung des Geländes eingegangen. Im November will sich der Gemeinderat damit befassen.