Frühstarter auf dem Spargelacker sind Verena Zepf, Spargelbauer Steffen Großhans und Christian Meerwarth (von links) in Oberhausen-Rheinhausen. | Foto: Heintzen

Teures Vergnügen

Der erste Spargel 2017 erblickt in Oberhausen-Rheinhausen das Licht der Welt

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Von Werner Schmidhuber und Christina Zäpfel

Der erste Spargel Deutschlands des Jahres 2017 hat das Licht der Welt erblickt: Steffen Großhans hat ihn in Oberhausen-Rheinhausen bei Bruchsal gestochen. Möglich gemacht hat diesen wohl frühesten Start der Spargelsaison die Technik: Großhans’ Spargelfelder werden mittels einer Fußbodenheizung gewärmt und fördern so das schnelle Wachstum des feinen Gemüses. Zusammen mit drei Spargelbauern aus Bayern und Norddeutschland startet man von Montag an in die Spargelsaison.

Das weiße Gold hat seinen Preis

Die wohlige Wärme im Ackerboden hat allerdings ihren Preis: Für das Kilo Spargel müssen die „Frühesser“ schon Mal bis zu 25 Euro ausgeben. In erster Linie werden wohl Restaurants und Feinschmecker die Abnehmer des „weißen Goldes“ sein. Alle anderen müssen sich noch etwas gedulden. In Durmersheim beispielsweise soll es frühestens am 12. März losgehen.

Am Montag geht es richtig los

Allerfrühestens Mitte März seien die ersten deutschen Spargel zu erwarten, verkündet derzeit die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse in Berlin. Nicht so im Raum Oberhausen-Rheinhausen  und Waghäusel. Denn dort gibt es jetzt schon die leckeren Stangen: so früh wie nirgendwo, doch dank einer „Fußbodenheizung“ ist dies möglich. Erste Kostproben haben im internen Kreis schon stattgefunden, und siehe da: Das „weiße Gold“ des Jahres 2017  hat den Verkostern gemundet.

Die Vorfreude auf den ersten Spargel wächst. Die gute Nachricht ist: Es gibt schon welchen. Die schlechte: Er kostet gut 25 Euro pro Kilogramm.
Die Vorfreude auf den ersten Spargel wächst. Die gute Nachricht ist: Es gibt schon welchen. Die schlechte: Er kostet gut 25 Euro pro Kilogramm. | Foto: pr

Steffen Großhans ist der Allererste im Land

Steffen Großhans, so heißt der erste Spargelanbauer in ganz Baden-Württemberg, der bereits die Delikatessstangen ernten kann. Auch deutschlandweit ist er der Erste – allerdings zeitgleich mit zwei norddeutschen und einem bayerischen Spargelheizungsbauer. Für den „bislang frühesten Spargelbeginn aller Zeiten“, so Großhans, sorgt ein beheizter Acker zwischen Oberhausen und Kirrlach. Auf dem Gelände des „Forlenhofs“ der Bauersfamilie Carola und Dieter Meerwarth mit Sohn Christian und Freundin Verena Zepf hat der Hockenheimer Agrarbetriebswirt Großhans direkt neben der dort vorhandenen Biogasanlage eine Anlage installiert, die genau wie eine Fußbodenheizung, nämlich mit Warmwasser, funktioniert.

Fußbodenheizung für das junge Gemüse

Eine Fußbodenheizung bietet bekanntlich viele Annehmlichkeiten. Auch eine – im Vergleich zu früheren Arbeitsmethoden – geradezu fürstliche Fußbodenheizung speziell für Spargel. Auf einer Fläche von 1,2 Hektar wächst derzeit das „weiße Gold“ – weitaus früher als in allen anderen Spargelanbaugebieten. Warum? Der Spargel wird von unten her beheizt. Die Wärme trägt dazu bei, dass er wie zu besten sommerlichen Frühjahrzeiten sprießt. Was die vielen Spargelliebhaber erfreut: Die Delikatesse gibt es dadurch mindestens vier Wochen früher.

Wärme aus Gülle geht in den Boden

Welchen Vorteil für den Spargelanbau bietet der Forlenhof? Dort gibt es nicht nur 250 Milchkühe, sondern seit zehn Jahren auch eine große Biogasanlage: Jede Kuh produziert pro Tag etwa 65 Liter Gülle. So erzeugt die Anlage 560 KWh. 2015 kam erstmals die Idee auf, die bislang ungenutzte Wärme auch für den Spargelanbau einzusetzen.

Mollige 20 Grad

Unter den Riefen sind zwei Mal 36 lange Plastikrohre als Heizrohre unter den 18 Spargeldämmen verlegt. Insgesamt handelt es sich um eine Leitungsstrecke von elf Kilometern. Die gesamte Technik ist in einem ausrangierten Trafohäuschen, das neben dem Spargelfeld steht, untergebracht. Mit etwa 40 Grad läuft das heiße Wasser durch die Schläuche. Die Bodentemperatur an der Wurzel des Spargelstocks beträgt durchgehend etwa 20 Grad. Anfangs Februar wird die „Fußbodenheizung“ angeworfen. Zur Wärmeabsicherungen sind die Dämme mit zwei Folien bedeckt, liegen aber nicht direkt auf der Erde, sondern auf Drahtbogen, sodass ein Luftpolster entsteht.

Wie funktioniert eigentlich die Spargelernte? Die Sendung mit der Maus hat das mal erklärt.