EIN BILD AUS BESSEREN TAGEN: Attila und seine Besitzerin Stefanie Otto im Garten in Karlsdorf. Seit Silvester ist der Hund erblindet. | Foto: pr

Sechs Anfälle in 24 Stunden

Der Hund einer Karlsdorferin ist nach Silvester erblindet

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Seit Silvester ist Stefanie Ottos Leben ein anderes – so dramatisch kann man das beschreiben: Denn ihr 14-jähriger Hund Attila ist seither ein Wrack, kann nicht mehr sehen, erkennt niemanden, wimmert. „Letzte Nacht haben wir immerhin mal fünf Stunden geschlafen“, berichtet Otto im Gespräch mit bnn.de. Sechs epileptische Anfälle innerhalb von 24 Stunden haben dem flauschigen Bearded Collie zugesetzt. Die anhaltende Silvesterknallerei sorgte für einen regelrechten Ausnahmezustand.

Sein Gehirn ist durchfrittiert

Die Karlsdorferin Otto schaut nun in die trüben Augen ihres Weggefährten. In den ersten Tagen hat er sogar seine Besitzerin nicht mehr erkannt. „Sein Gehirn ist durchfrittiert“, beschreibt sie anschaulich.
Der liebenswürdige Hund litt schon vor Silvester unter Epilepsie: „Ein Anfall pro Monat, Tabletten, danach hat er sich immer wieder gut erholt. Dieses Silvester war aber zu viel.“ Otto macht auf das zigfache Tierleid aufmerksam, das nicht nur viele Hundebesitzer kennen. Auch vom nahen Vogelverein oder vom Gnadenhof berichtet die Tierfreundin ähnliche Erlebnisse. „Leute werfen Pferden Böller zwischen die Füße“, hat Otto erfahren.

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Schottischer Hütehund erkennt niemanden mehr

Seit den Anfällen rund um den Jahreswechsel hat ihr schottischer Hütehund alles vergessen, alles muss neu geübt werden. „Am Anfang hat er sich noch nicht einmal anfassen lassen.“ Er jaulte und war völlig orientierungslos, lief gegen die Möbel. „Heute bin ich sein Blindenhund“, erklärt Otto ernüchtert. Langsam nehme er wohl wieder Schatten wahr.

Attila vergisst sogar zu Trinken

Eigentlich sei Attila der absolute Traumhund, hat immer alles mitgemacht und stand oft im Mittelpunkt, seit dem seine Besitzerin ihn zusammen mit seiner Schwester im Alter von zweieinhalb Jahren aus dem Tierheim geholt hat. Nun ist er nur noch ein Häufchen Elend, der mit der Nase an seinen Wassernapf gestupst werden muss, damit er das Trinken nicht vergisst.

Für ein Böllerverbot

„Aber ich kriege ihn wieder hin“, ist sich Otto sicher. Was Silvester angeht, ist sie allerdings ernüchtert. Schon Tage vorher wollte der Hund nichts essen oder trinken. Jeder Knaller schon vor dem eigentlich Fest machte ihn nervös. „Silvester ist immer ein riesen Drama.“ Für Stefanie Otto daher auch kein wirklicher Grund zum Feiern – jeder Spaziergang in den Tagen zuvor wird zum Spießrutenlauf. Am Abend selbst gehen frühzeitig alle Jalousien runter, der Fernseher läuft zur Ablenkung. „Ich bin sofort für ein Verbot aller Silvesterböller. Da werde ich radikal“, so Ottos Fazit.