DAS WIRD EINE DESIGNER-WANNE: Die Firma K + S GmbH aus Waghäusel stellt für den Sanitärspezialisten Hansgrohe die edlen frei stehenden Wannen, kreiert von Designer Jean-Marie Massaud, her. Mit auf dem Bild: Firmenchef Rudolf Kuhn (rechts).
DAS WIRD EINE DESIGNER-WANNE: Die Firma K + S GmbH aus Waghäusel stellt für den Sanitärspezialisten Hansgrohe die edlen frei stehenden Wannen, kreiert von Designer Jean-Marie Massaud, her. Mit auf dem Bild: Firmenchef Rudolf Kuhn (rechts). | Foto: Fabry

Firma K + S aus Waghäusel

Designerwannen und Flugzeug-Interieur

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Was für eine Wanne! Frei stehend. Asymmetrisch. Für fast 400 Liter Wasser. Und vom französischen Designer Jean-Marie Massaud für den Schiltacher Sanitärspezialisten Hansgrohe kreiert. Dieses Wannen-Wunder steht in edlen Bädern in aller Welt – stammt aber aus Waghäusel. Die K + S GmbH hat 2007 von Hansgrohe den Serienauftrag bekommen. Sie produzierte allein 2017 rund 100 „Axor Massaud-Wannen“ nach einem patentierten Verfahren. Schon zuvor hatte der Modell- und Formenbauer K + S für Hansgrohe unter anderem Messe-Prototypen hergestellt, sagt Unternehmenschef Rudolf Kuhn.

Die relativ kleine Firma aus Waghäusel präsentiert sich edel für den Besucher, unter anderem mit einem kleinen Showroom samt der spektakulären Wanne. Was in dem Unternehmen an Werkzeugen, Prototypen oder Kleinserien hergestellt wird, kommt direkt – oder indirekt über andere Zulieferer – weiteren Weltfirmen zugute. Kuhn nennt beispielsweise Daimler, VW, Bentley, Rolls Royce, John Deere oder Blanco. Und so hängen auch Heckklappen-Komponenten für Edelkarossen im Entree von K + S, steht dort eine Prüflehre zum exakten Messen von Auto-Zierleisten. Nicht zu vergessen die Flugzeuginnenverkleidung – immer wieder profitiert auch Airbus, etwa mit dem A 380, vom Know-how des 1991 in Rastatt als Zwei-Mann-Betrieb gegründeten Unternehmens.

Firma mit 15 Mitarbeitern

Kühn beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeiter. Die Sparte Automotive hat nach seinen Worten immer noch einen Anteil von 55 Prozent am Umsatz. Auf 20 Prozent gewachsen sind Aufträge für das Segment Lebensmittelindustrie. Hier sieht Kuhn noch viel Potenzial, wie er im BNN-Gespräch sagt. Konkret geht es um Folgendes: Gummibärchen-Hersteller verwenden bislang Formen aus Holz, die nun sukzessive auf Kunststoff umgestellt werden. K + S stellt die dafür notwendigen Werkzeuge für einen Kunden her, der wiederum Abnehmer wie Haribo hat.

Wer letztlich für Weltunternehmen liefert, müsse Top-Qualität bieten und flexibel sein, beschreibt der gelernte Modellbauer-Meister Kuhn die Stärken des Familienbetriebs K + S. Synergie-Effekte gebe es, weil man Modell- und Werkzeugbau biete. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 2,4 Millionen Euro erlöst nach 1,9 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016. Und es läuft weiter rund: „Das nächste halbe Jahr sind wir maschinenmäßig gut ausgebucht.“ Ein Vorteil von K + S sei, dass man nicht von einer Branche abhängig sei, auch „wenn Automotive für uns ein großes Standbein ist und bleibt“.

Mit Blick aufs E-Auto sieht er für sein Unternehmen Potenzial, weil man Lösungen für den Leichtbau biete. Rund 1,5 Millionen Euro habe er in den vergangenen drei Jahren in den Maschinenpark investiert. Die Maschinen laufen teilweise rund um die Uhr und auch am Wochenende, ohne dass Mitarbeiter permanent präsent sein müssen. Der Fachkräftemangel, das ist bei Kuhn nicht anders, sei auch für K + S mit seinem Qualitäts- und Innovationsanspruch eine Herausforderung.

Neuestes Produkt von K + S ist ein Pflanztrog mit Heizung

Kuhn und sein Team – das sind Tüftler, die sichtbar Spaß daran haben, für den Kunden maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Neuerdings sind sie aber auch für sich selbst tätig: Kuhn hat einen Pflanzenkunststoff-Kübel entworfen und meldet ihn nun für den renommierten Red Dot-Award an. Der Clou: In den äußerst strapazierfähigen Kunststoff ist eine Heizung integriert. „Der Pflanzenballen wird auch dank des Temperaturfühlers sicher frostfrei gehalten“, sagt der Unternehmer.

So könnten beispielsweise Palmen im Winter draußen bleiben und müssen nicht mühsam eingelagert werden. „Der Energieverbrauch ist minimal“, beteuert Kuhn, der beobachtet hat, wie selbst von Penthouse-Wohnungen per Autokran Pflanzkübel zum Überwintern abtransportiert wurden. Seine Innovation will er vornehmlich direkt vermarkten und plant dafür entsprechende Messe-Auftritte sowie Präsenz in Fachzeitschriften.

Er erzählt das in seinem Besprechungsraum – der sieht auch etwas anders aus, als es Besucher von Werkzeugbau-Unternehmen sonst gewohnt sind: Der Besprechungstisch ist nichts Geringeres als eine Variante des Hansgrohe/Axor-Modells aus dem Showroom, nur mit einer Glasplatte versehen. Und da staunt der Gast noch einmal: Was für eine Wanne!