AUF DIESEM GELÄNDE im Bannweideweg am Stadteingang soll ein neuer Aufenthaltsplatz mit Garten etwa für Obdachlose entstehen. | Foto: Heintzen

Bruchsal verlagert Treffpunkt

Die ersten Beschwerden sind schon da

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Ein Spielplatz statt Sitzbänke, spielende Kinder statt alkoholisierter Erwachsene, mehr Kinderlachen, weniger Vermüllung – so soll es künftig am Bruchsaler Kirchplatz aussehen. Dieses neue Konzept hat der Gemeinderat jetzt einstimmig befürwortet. „Wir können diesem Personenkreis die Mitte der Stadt nicht autonom überlassen und die berechtigten Anliegen der Anwohner und der Bevölkerung hintenanstellen“, erklärte Claudia Manke für die CDU mit Blick auf Ruhestörungen und Polizeieinsätzen und Anwohner, die sich immer öfter über die Personengruppe beschwert hatten, die sich dort aufhält. Bereits seit 2013 habe man mehrfach auf die Missstände aufmerksam gemacht, so Manke.

Brillante Idee

Von einer „brillanten Idee“ sprach Hans-Jörg Betz (SPD). „Die Schmerzgrenze ist erreicht. Die Zustände sind unerträglich geworden.“ Das Konzept berge aber auch Risiken, so Betz. Die Verlagerung des Aufenthaltsorts an den Stadtrand auf ein Gelände am Bannweideweg käme einer Ausgrenzung gleich.  Jürgen Wacker (FW/FDP) nutzte die Gelegenheit, um sich erneut gegen eine mögliche Substitutionspraxis für Drogenabhängige in Bruchsal auszusprechen. „Da sind jetzt auch mal andere Große Kreisstädte in der Pflicht“, erklärte er mit Blick auf Bretten und Ettlingen. Schlossgarten, Eisweiher, Viktoriaanlage und jetzt Kirchplatz – mit dieser Liste beschrieb Gabriele Aumann (Grüne/Neue Köpfe) die Orte, an denen Obdachlose und ähnliches Klientel bereits in der Stadt verdrängt worden seien. Sie sprach von einem „Verdrängungs-Hopping“ und hoffe, dass es künftig am Kirchplatz keine Klagen wegen des Kindergeschreis auf dem neuen Spielplatz gebe.

OB ist zerknirscht

Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick gab sich zerknirscht: „Ich habe selbst bei der Eröffnung des Platzes vom Wohnzimmer gesprochen. Nun – meine Einladung ist gut angenommen worden.“

Der Bruchsaler Kirchplatz soll sich in einen Kinderspielplatz verwandeln. | Foto: Heintzen
Der Bruchsaler Kirchplatz soll sich in einen Kinderspielplatz verwandeln.

Neues Wohnzimmer

„Für diese Menschen ist der öffentliche Raum tatsächlich so etwas wie ein Wohnzimmer. Sie haben keine Möglichkeiten, ihre sozialen Kontakte woanders, etwa zuhause oder in der Gastronomie, zu pflegen.“ So erklärte Manfred Kern aus dem Sachgebiet Sozialer Dienst die Situation am Bruchsaler Kirchplatz und der – teils obdachlosen – Menschen, die nun in den Bannweideweg „verpflanzt“ werden sollen. Kern stellte klar: Jeder hat das Recht zum Aufenthalt im öffentlichen Raum. Man sehe mittlerweile aber die durchaus problematische Entwicklung am Kirchplatz.

Kosten von 94.000 Euro gebilligt

„Es geht um Alternativen“, so Kern über den Plan, auf einem Grundstück am Bannweideweg einen neuen Treffpunkt und einen Garten mit Begleitung durch einen Streetworker zu schaffen. (Die BNN berichteten.) Damit knüpft man – wenn auch nicht nahtlos – an den einstigen Bürgergarten im Viktoriapark an. Einstimmig billigte der Gemeinderat das Konzept und gab die 94 000 Euro für Personal- und Sachkosten frei.

Erste Beschwerden sind schon da

Die ersten Beschwerden von Bannweideweg-Anliegern seien bereits eingegangen, hieß es aus dem Rathaus – für die Gemeinderäte war die Lösung dort aber die richtige: „Der Sozialarbeiter ist hier der wichtigste Aspekt“, befand Wolfram von Müller (CDU). Man wolle Randgruppen nicht an den Rand drängen, so Anja Krug (SPD). Die Menschen dürften daher nicht alleine gelassen werden. Gabriele Aumann (Grüne) kritisierte den Standort, wollte aber dem Konzept keine Steine in den Weg legen: „Wenn es scheitert, fangen wir dann wieder im Viktoriapark an?“, fragte sie.