Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt.
Bernhard Forkmann ist der Geophysiker, der an der Suche nach der versunkenen Lok beteiligt war. Nun müssen die Ursachen für die falsch interpretierten Messergebnisse gefunden werden. | Foto: Bernd Kamleitner

Messergebnis ohne Ursache

Die gescheiterten „Jäger der versunkenen Lok“ sind ratlos

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Am Montagabend platzte der Lebenstraum der „Jäger der versunkenen Lok“: An der Stelle im Rhein, an der die Lok vermutet wurde, befindet sie sich nicht. Die Bergung ist abgeblasen, die Schatzsuche beendet. Wie aber konnten die jahrzehntelangen Messungen so falsch liegen? Und wird die Suche nach der Lok fortgesetzt? Die BNN haben mit dem Geophysiker Professor Bernhard Forkmann, der die Suche nach der Lok begleitet hat, sowie mit Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, in dem die versunkene Lok ihr neues Zuhause hätte finden sollen, gesprochen.

„Der Schock hat uns getroffen wie der Blitz aus heiterem Himmel“, sagt Volker Jenderny am Tag nach der Hiobsbotschaft. Und: „Wir sind umso mehr geschockt, denn wir waren uns unserer Sache so sicher.“ Doch es ist traurige Gewissheit: Die versunkene Lok „Der Rhein“ befindet sich nicht an der Stelle, an der sie jahrzehntelang vermutet wurde. Ähnlich lang besteht auch die Zusammenarbeit zwischen dem Eisenbahnmuseum und Horst Müller, dem Lokführer aus Cochem, der die Schatzsuche nach der versunkenen Lok „Der Rhein“ begonnen hat. Diese Zusammenarbeit hat nun ein enttäuschendes Ende gefunden.

Messungen seit den 1990er Jahren

Doch wie konnte es zu einem Irrtum eines solchen Ausmaßes kommen? Die Angaben, die aus den Messwerten seit den 1990ern bis heute gewonnen wurden, waren schließlich äußerst präzise. Eindeutig hätte sich an jener Stelle bei Germersheim im Rhein ein sechs Meter langer und 20 Tonnen schwerer Eisenkörper im Wasser befinden sollen, hieß es.

Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein. Dort sollte die Lok einmal ausgestellt werden.
Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein. Dort sollte die Lok einmal ausgestellt werden. | Foto: Bernd Kamleitner

Wo lag der Fehler bei der Messung?

„Wir können es im Moment nicht erklären“, sagt Jenderny. „Wir sind da auf ein Phänomen gestoßen, haben mehrere Jahre mit verschiedenen Messgeräten zu verschiedenen Jahreszeiten Anomalien festgestellt. Die Messgeräte zeigen das eindeutig an.“ Unter einer Buhne, die sich an der betreffenden Stelle im Rhein befunden hat, habe man etwas gemessen. „Wir haben die Buhne abgetragen. Wir haben den Kies abgetragen. Und dann war da nichts. Das hat uns unvorbereitet getroffen“, erklärt Jenderny.

Wissenschaftler ist ratlos

Auch Professor Forkmann ist für den Moment ratlos. „Ich bin verpflichtet, aufgrund dieses Misserfolges bei der Aufklärung jetzt mitzuwirken“, fügt er hinzu und klingt entschlossen. Forkmann befindet sich als Professor inzwischen im Ruhestand, war am Projekt um die versunkene Lok bereits seit den 1990er-Jahren  an der Technischen Universität Freiberg am Institut für Geophysik und Geoinformatik beteiligt.

Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt.
Bernhard Forkmann von der TU Bergwerk Freiberg in Sachsen gab bereits im März 2014 in Karlsruhe den Fundort der im Rhein versunkenen Lok bekannt. | Foto: Bernd Kamleitner

Wie liefen die Messungen im Rhein genau ab?

Doch was genau bedeuten „Anomalien“, also Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten, in diesem Zusammenhang? Professor Forkmann erklärt die Vorgehensweise bei den Messungen mit dem Bild eines „magnetischen Fußabdrucks“. Befinde sich ein Eisenkörper in der Erde, so sorge dieser für Veränderungen im erdmagnetischen Feld. „Wie beim Kompass“, erklärt Forkmann. Solche Veränderungen seien nur bei Eisen oder eisenhaltigen Gesteinen messbar. Und einen solchen magnetischen Fußabdruck habe es an der Stelle, an der sich die Lok „Der Rhein“ hätte befinden sollen, zweifelsfrei gegeben.

Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein soll die versunkene Lok nach der Bergung aus dem Rhein ausgestellt werden.
Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein hätte die versunkene Lok nach der Bergung aus dem Rhein ausgestellt werden sollen. | Foto: Kamleitner

Professor Dr. Forkmann: „Die Messwerte sind real“

„Man kann nur einen Schluss ziehen“, sagt der Professor. „Es muss eine andere Ursache geben für diesen magnetischen Fußabdruck.“ Es sei immer wieder an derselben Stelle gemessen worden, in verschiedenen Jahren, zu verschiedenen Jahreszeiten. „Es kann kein Fehler vorliegen. Die Messwerte sind real und müssen absolut ernst genommen werden“, betont der Geophysiker. Aber die Ursache sei nicht korrekt verstanden, sei falsch interpretiert worden. Fest steht jedoch: Was auch immer den „magnetischen Fußabdruck“ hervorgerufen haben mag – die versunkene Lok „Der Rhein“ war es mit Sicherheit nicht.

Ist die Schatzsuche nach der Lok nun vorbei?

Wie sehen nun die Pläne der Schatzsucher Horst Müller, Uwe Breitmeier und Volker Jenderny aus? Ist die Suche nach der versunkenen Lok nun vorbei? „Für den Moment haben wir an dieser Stelle die Fahndungsaktion abgebrochen“, sagt der Experte des Museums. „Wenn wir ehrlich sind, werden wir ältere Herren dem vielleicht auch nicht mehr nachgehen. Unsere Reputation dürfte nach diesem Fehlschlag nicht mehr die größte sein.“ Auch so sei es bereits schon schwierig genug gewesen,  Geldgeber zu finden „für etwas, das man nicht sehen kann“. Dies werde zukünftig vielleicht noch schwerer werden, vermutet Jenderny. „Die Suche nach der Lok liegt auf unbestimmte Zeit auf Eis“, sagt auch Forkmann. Aber bedeutet „auf unbestimmte Zeit“ auch „für immer“?

„Die Lok kann ja nicht weg sein“

„Ich werde jetzt nicht sagen, dass wir die Lok jetzt nächste Woche weiter suchen“, sagt Jenderny. Es sei aber auch Fakt: „Die Lok kann ja nicht weg sein.“

Hier geht es zu unserem Dossier über die verschwundene Lok.