Füße hoch und chillen: Sommerlager, Zelten, Ferienbetreuung, gemeinsam unterwegs sein, große Fahrt ganz ohne Eltern: Das ist für viele Kinder und Jugendliche der Höhepunkt ihrer Sommerferien. Doch dieses Jahr ist alles anders. Viele Unternehmungen sind bereits abgesagt, andere stehen auf der Kippe. | Foto: dpa

Betreuung in den Ferien offen

Die Sommerfrische fällt aus: Viele Jugendzeltlager stehen wegen Corona auf der Kippe

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Das große internationale Zeltlager im Sommer? Abgesagt. Drei Wochen Stadtranderholung? Auf der Kippe. Die erste Ausfahrt ganz ohne Eltern? Höchst fraglich. Bei vielen Jugendvereinen steht die Sommerferienplanung wegen Corona vor dem Aus.

Stadtranderholung bleibt fraglich

Mit 14 Jahren war Angelika Nosal schon bei der Stadtranderholung der Arbeiterwohlfahrt in Waghäusel dabei. Heute, im 51. Jahr des Bestehens der beliebten Ferienbetreuung, ist alles anders. „Die Eltern stehen uns auf den Füßen“, berichtet Nosal. Noch kann sie als Verantwortliche für die beliebte Aktion beim AWO-Ortsverband Waghäusel aber nicht sagen, ob der dreiwöchige Ferienspaß für 90 Kinder stattfindet.

Absage für 6.000 Pfadfinder

Ein ähnliches Bild bei den Pfadfindern in Bruchsal und Oberhausen-Rheinhausen. Mit 30 Kindern und Jugendlichen wären die Bruchsaler Georgspfadfinder eigentlich auf ein Großlager namens „Farbenmeehr“ im Landkreis Ravensburg gefahren. Doch die Veranstalter haben bereits abgesagt. Rund 6.000 Pfadis aus ganz Baden-Württemberg und internationale Gäste sind davon betroffen.

„Wir haben die Entscheidung getroffen, dass es diesen Sommer dann gar kein Lager gibt“, erklärt der Stammesvorsitzende Yannis Geiger. Sollte sich im Sommer die Corona-Lage aber doch noch weiter entspannen, könnten seine Pfadis immer noch einige Tage auf dem eigenen Platz in Bruchsal verbringen.

„Die Entscheidung fiel uns schwer“, erklärt Geiger. Die Absage von Farbenmeehr war das eine, keine eigene Alternative anzubieten das andere. Auch das Mai-Lager, das der DPSG-Stamm zusammen mit dem Bruchsaler Stamm-Greif normalerweise Anfang Mai ausrichtet, ist schon ausgefallen. Gruppenstunden werden – wenn überhaupt – nur noch digital abgehalten. „Ja, da fehlt schon einiges, was uns normalerweise ausmacht“, bedauert der 26-Jährige.

Lagerplatz in Kandersteg ist gebucht

Ganz ähnlich die Situation in Oberhausen: Kandersteg – das hat unter Pfadfindern einen bekannten Klang. Der Schweizer Ort im Berner Oberland ist Heimat eines internationalen Lagerplatzes. Von dort aus haben schon viele junge Menschen die Schweizer Berge erklommen und am internationalen Lagerfeuer Freundschaften fürs Leben geschlossen.

„Bahntickets und der Lagerplatz sind gebucht“, berichtet Pfadfinder-Kassierer Jens Rau. Beim Stamm „Hohe Flamme“ in Oberhausen-Rheinhausen will man in diesen Tagen noch abwarten, wie sich die Reisebedingungen in die Schweiz entwickeln. Knapp 30 Kinder und Jugendliche samt ihren Gruppenleitern haben sich auf das Abenteuer Kandersteg gefreut. Noch ist offen, ob dieses Abenteuer Wirklichkeit wird.

Wir rechnen erst für die Zeit nach Pfingsten mit konkreten Aussagen.

Angelika Nosal, AWo Waghäusel

In der Luft hängen also nicht nur die Pfadis und ihre Eltern, sondern auch die Väter und Mütter der 90 Waghäuseler Kinder, die bereits für die Stadtranderholung angemeldet sind. „Wir haben Anfragen beim Landratsamt gestartet, rechnen aber erst für die Zeit nach Pfingsten mit konkreten Aussagen“, erklärt die Waghäuseler AWO-Vizechefin Nosal. „Das wäre aber für viele Eltern zu spät“. Sie müssten sich bald um alternative Betreuung in den Sommerferien bemühen.

Risikopatienten im Küchenteam

Doch zu viele Frage sind noch offen: Das Küchenpersonal der AWO in Waghäusel besteht beispielsweise zu Teilen aus älteren Personen und damit aus potenziellen Risikopatienten. Kann man mit 90 Kindern in der Wagbachhalle in Wiesental die Hygiene-Abstände einhalten? Wie funktioniert das gemeinsame Mittagessen in einem Saal, in dem die Kinder gerade so reinpassen.

Bewegung, Basteln, Singen, Tanzen und Spielen – Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren freuen sich schon auf das sommerliche Angebot. Ebenso zehn bis zwölf meist junge ehrenamtliche Betreuer. „Mein Bauch sagt mir, wir können es nicht umsetzten“, zeigt sich Nosal realistisch. Die ehrenamtlichen Betreuer werden trotz allem geschult, sie jedenfalls stünden bereit.