Bald ist Schluss mit Spargel-Stechen: Am kommenden Mittwoch, dem Johannistag, endet die Saison. Dann produzieren nur noch wenige Betriebe. | Foto: dpa

Geringere Ernte

Die Spargelsaison in der Region war besser als befürchtet

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Am kommenden Mittwoch ist offiziell Schluss mit der Spargel-Saison. Nach dem Johannistag wird es nur noch geringe Mengen aus der Region geben. Eine Bilanz ziehen die Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA) und der ebenfalls in Bruchsal beheimate Branchenverband VSSE schon jetzt: „Die Saison war besser als befürchtet. Es hätte viel schlimmer kommen können“, sagt OGA-Chef Hans Lehar.

Am Anfang war das Chaos: Erntehelfer durften zunächst nicht einreisen, dann doch, aber nur per Flugzeug und bei strengen Hygiene-Maßnahmen vor Ort. Schumacher verweist auf eine Umfrage des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände.

Dieser zufolge entstanden durch Corona im Durchschnitt 880 Euro an zusätzlichen Kosten pro Saisonmitarbeiter. Auch hiesige Erntehelfer konnten den Personalmangel nicht ausgleichen. Die Folge: Bundesweit wurden 25 bis 30 Prozent des Spargels nicht eingeholt, in Baden-Württemberg 10 bis 20 Prozent.

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Rund 2000 Tonnen weniger als 2019

Bei der OGA wird man die Spargel-Saison mit 4.000 (2019: knapp 6.000) Tonnen abschließen, sagt Lehar. „Uns fehlen 20 Prozent Umsatz bei 30 Prozent Mengenverlust – der leicht höhere Preis kann das nicht kompensieren.“ Für die OGA werde es in diesem Geschäftsjahr „sicherlich in Richtung rote Zahlen gehen“. Die Genossenschaft hat vor allen Dingen den Lebensmitteleinzelhandel als Absatzkanal.

Und wie lief es insgesamt wirtschaftlich für die Spargelbauern? „Es ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich“, sagt Schumacher. Vor allem Bauern, die an Großmärkte liefern, hätten ein großes Problem gehabt. Der Grund liegt auf der Hand: Auf den Großmärkten kaufen die Gastronomen ein, und die Restaurants waren wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

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Anders sehe es bei der Direktvermarktung aus. „Man kann fast von einem Spargel-Run sprechen“, zieht Schumacher auch hier eine Bilanz. Die Hofläden und die sogenannten Spargel-Hütten an Straßen und Plätzen waren also in der Region gut frequentiert. Auch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) weist darauf hin, dass besonders im Mai der Anteil an Haushalten, die Spargel gekauft haben, höher als im Vorjahresmonat gewesen sei.

Die Spargelbauern in Baden-Württemberg haben nach Schumachers Worten Vorteile gegenüber ihren Kollegen in Niedersachsen, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen. Die Betriebe seien im Südwesten allgemein kleiner, daher habe es im Vergleich weniger Probleme mit Erntehelfern gegeben. Und die Direktvermarktung ist in Baden-Württemberg stärker ausgeprägt.

Lehar: Das Wetter hat uns voll reingespielt

Zur Rettung der Saison hat insgesamt auch die Witterung beigetragen. „Das Wetter hat uns voll reingespielt“, sagt Lehar. Auch Schumacher weist darauf hin, dass die kühleren Phasen für einen gleichmäßigen Ernteverlauf gesorgt hätten. Sonst hätte es Erntespitzen gegeben – mit entsprechendem Preisdruck.

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„Der Spargel ist auch nicht automatisch verdorben“, sagt Schumacher zu den nicht abgeernteten Feldern. Die Bauern hofften nun, dass das Gemüse auf diesen Feldern Kraft sammelt – der Ertrag könnte dann im kommenden Jahr größer sein, falls erneut die Witterung mitspielt.

Endverbraucher mussten überwiegend mehr bezahlen

Der Endverbraucher musste in dieser Saison  durchweg mehr bezahlen als im vergangenen Jahr. Innerhalb von zwei Maiwochen sei der Preis niedriger gewesen, so Schumacher. Er verweist dabei auf die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI).

Die OGA wird von 25 Spargelbauern beliefert. Der VSSE hat über 600 Mitglieder, davon bauen 400 Spargel an.