Ausgetrocknete Bäume sind die Folgen des vergangenen Hitzesommers 2018. Förster Michael Durst findet immer wieder weitere dürre Bäume mit braunem Laub. Auch der Boden sei teilweise schon so trocken, dass er schlagartigen Regen nicht aufnehmen könne, erklärt Durst. | Foto: Martin Heintzen

Grillen verboten

Die Waldbrandgefahr in Bruchsal steigt täglich

Anzeige

In Ostdeutschland brennen seit Tagen die Wälder. Auch in Bruchsal werden sie immer trockener, die Waldbrandgefahr steigt. Sie sei aber nicht so hoch wie in Brandenburg, wo viele Nadelbäume stehen, erklärt der Bruchsaler Förster Michael Durst. „In der Rheinebene haben wir 80 Prozent Laubholz und nur 20 Prozent Nadelholz. Bei Nadelholz ist die Waldbrandgefahr immer größer.“ Das liege daran, dass die Nadeln trocken seien und auch auf dem Boden nur Nadeln lägen. „Eine Zigarette reicht im Nadelwald, um ihn anzuzünden.“ Im Laubwald dagegen wüchsen am Boden noch Pflanzen, auch das Laub sei weniger trocken als die Nadeln.

Feuer entsteht nur durch Brandstiftung

Trotzdem steigt die Gefahr für Waldbrände auch in Bruchsal. „Im Mai hatten wir eine nasse Periode, aber seit Juni ist es wärmer. Die Oberfläche des Waldes trocknet aus“, berichtet Durst. Von Tag zu Tag werde es schlimmer. Doch Waldbrände könnten hier nicht auf natürliche Weise entstehen, wie etwa in Amerika durch Blitzeinschlag. „Bei uns geht das nur durch Brandstiftung. Die kann absichtlich sein oder entsteht durch Unachtsamkeit“ – etwa mit Zigaretten oder weggeworfener Grillkohle.

Zwei Brände in Obergrombach

Viele Waldbrände gab es in Bruchsal in den vergangenen Jahren nicht. Der Förster erinnert sich an zwei Vorfälle in Obergrombach: „Einmal hat jemand mit Benzin und Feuer absichtlich einen Waldbrand ausgelöst, das ist aber schon 20 Jahre her.“ Ein anderes Mal hätte ein Lagerfeuer von Jungen einen kleinen Flächenbrand entfacht.

Grillen im Wald ist verboten

Grillen, auch an eingerichteten Stellen, untersagt das Landratsamt Karlsruhe inzwischen. Rauchen ist von März bis Oktober verboten. „Wir sprechen jeden an.“ Durst könne auch Strafzettel schreiben, erklärt er. „Es passiert nicht oft, dass jemand im Wald raucht. Im Großen und Ganzen sind die Leute vernünftig.“

An der Grillhütte in Obergrombach rief die Stadt zur Vorsicht auf. Inzwischen hat das Landratsamt Karlsruhe das Grillen auch an eingerichteten Grillstellen verboten. | Foto: Martin Heintzen

Vegetation ist noch in Ordnung

Stellenweise sei der Boden in den Wäldern so trocken, dass er schlagartigen Regen nicht mehr aufnehmen könne. Dann droht Hochwasser. Gemäßigter Regen könne versickern. „Es muss eine Weile regnen, auch, weil viel Regen an Bäumen und Pflanzen hängen bleibt.“ Schon eine Stunde Regen senke die Brandgefahr. Bleibe es noch lange heiß und trocken, erhöhe sich diese auch mit dürr werdenden Pflanzen. „Dagegen kann man nichts machen. Wir sind dem Klima ausgeliefert.“ Durst fügt hinzu: „Noch ist die Vegetation bei uns im Laubwald in Ordnung und keine große Gefahr da.“

Folgen von 2018 werden sichtbar

Doch der trockene Sommer 2018 hat Spuren hinterlassen. Das Nadelholz sei „relativ schnell“ kaputt gegangen, aber beim Laubholz sehe man erst jetzt den Schaden, wenn die Bäume nicht mehr trieben oder braune Blätter haben. „Es ist schon übel. Und der Sommer ist noch nicht um. Es wird von Woche zu Woche mehr.“ Momentan lässt die Stadt die kaputten Bäume stehen, Durst schaut sich die Entwicklung an. Im Winter kommen dürre Bäume an Straßen und Schienen weg. „Es wird viel Arbeit auf uns zukommen“, denkt Durst.

Baumarten werden ausgetauscht

Ihm ist bewusst: „Der Klimawandel ist da.“ Daran sollen die Wälder angepasst werden. Landesforstminister Peter Hauk setzt auf „klimastabile Mischwälder“ gegen Waldbrandgefahr, teilte sein Ministerium mit. „Das Problem ist, dass wir nicht wie Bauern von Jahr zu Jahr wechseln können“, erklärt Durst. Deswegen würden sukzessive hitzebeständigere Baumarten aus anderen Kontinenten oder Südeuropa eingeführt.