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Dietmar Hopp beim BNN-Interview in seinem Büro im Golfclub St. Leon-Rot. Der Unternehmer fordert mehr "Financial Fairplay" im Profifußball. | Foto: Heintzen

Multi-Milliardär im Interview

Dietmar Hopp: „Soviel Geld habe ich jetzt auch wieder nicht!“

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Er ist einer der reichsten Deutschen: SAP-Gründer, TSG-Hoffenheim-Mehrheitseigner, Mäzen und Großstifter Dietmar Hopp. Einen wichtigen Grundstein für seine Karriere legte der heute 77-Jährige vor 45 Jahren in Östringen. Im BNN-Interview spricht Hopp auch über seine gemeinnützige Stiftung, Erfolg im Fußball und seinen einstigen Studentenjob bei den Badischen Neuesten Nachrichten. Im BNN-Videobeitrag äußert sich Hopp zudem über die Gefahren einer Finanzblase im Profifußball.

BNN.de: Sie sagten einmal, Sie seien zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Der richtige Ort war dann Östringen?

Hopp: Richtig. Dort hat alles begonnen. Der Geburtshelfer von SAP saß in Östringen.

BNN.de: Wie kam es dazu?

Hopp: Anfang der 1970er-Jahre war ich für IBM in Mannheim als Kundenberater tätig. Zu meinen Kunden zählte auch das Nylonwerk von Imperial Chemical Industries, kurz ICI, in Östringen. „Die Nylon“, wie man damals sagte, habe ich bei der Erstellung von Programmen unterstützt, aber die damalige Software war aus Anwendersicht zurecht Stückwerk. Da hatten wir die Idee, dass wir die ganzen Geschäftsvorfälle im Unternehmen, mit den ganzen Lochkarten und Fehlerlisten, weniger umständlich gestalten müssten.

BNN.de: Und da hat man Sie einfach machen lassen?

Hopp: Da war viel Vertrauen da, weil man bei ICI mit meiner Unterstützung der Programmierer und Organisatoren sehr zufrieden war. Der Auslöser war der Verkaufsbereich, Order Processing. Die waren sehr unzufrieden. Da habe ich mit meinem damaligen Assistenten Hasso Plattner ein Konzept erstellt. Letztlich haben wir dort in rund neun Monaten eine Software entwickelt, mit der die Sachbearbeiter am Computer das eingeben konnten, was sie als Bestellung bekommen haben. Eine Sache also, die heute völlig normal ist, aber damals hat sich das überhaupt niemand vorstellen können. Wir waren tatsächlich die ersten, die Bildschirme in die Fachbereiche gebracht haben.

BNN.de: Das Projekt kam gut an?

Hopp: Es hat einen unglaublichen Nachhall erzeugt. Myriaden von Interessenten sind nach Östringen gekommen, um sich das anzuschauen. Und bei der IBM waren wir sehr gefragte Leute. Jeder wollte was mit uns zu tun haben, wollte etwas Ähnliches machen. Das war total zermürbend.

BNN.de: Inwiefern zermürbend?

Hopp: Interessant wäre gewesen, wenn die IBM bereit gewesen wäre, ein Entwicklungszentrum für Realtime-Software, also Direktverarbeitung, zu gründen. Doch das scheiterte unter anderem an den Geschäftsstellenleitern, die nicht bereit waren ihre guten Leute abzugeben. Dann habe ich schließlich Gespräche mit der ICI über weitere Projekte geführt. Da gab es noch viel Potenzial im Bereich Buchhaltung, Materialwirtschaft, Personal. Und so kam es, dass die bereit waren, mit uns einen Vertrag zu machen, um das Musterbeispiel Order Processing auszuweiten. Allerdings war es ein sehr tougher Zeitplan, wir hatten nur ein Jahr Zeit. Es war eine höllische Arbeit, aber sie hat sich gelohnt.
Wohl wahr, die SAP ist heute der größte außeramerikanische Softwarehersteller.

BNN.de: „Die Nylon“ gibt es längst nicht mehr …

Hopp (lacht): Das lag aber nicht an unserer Software, Nylon war irgendwann nicht mehr so gefragt …

BNN.de: Im Gegensatz zum Start-up SAP, das sich vor Aufträgen kaum retten konnte. Geschäftsräume mussten her. Stimmt es eigentlich, dass sich SAP damals in Bad Schönborn, der Östringer Nachbargemeinde ansiedeln wollte?

Hopp: Ach, da gibt es so viele Gerüchte. Unser erstes Büro hatten wir in Mannheim gemietet, wo aber in aller Regel nur eine Sekretärin war, weil wir fünf Gründer Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira, Hasso Plattner und ich in Östringen waren. Als wir dann größere Räumlichkeiten brauchten, habe ich mit der Stadtverwaltung Mannheim verhandelt. Doch denen waren wir zu klein. Dann bin nach Walldorf, wo ich damals wohnte. Dort hatte man sofort offene Ohren für uns. Walldorf war auch deshalb sympathischer als Mannheim, weil der Gewerbesteuersatz halb so hoch war. Zudem hat Walldorf eine extrem verkehrsgünstige Lage. Die SAP baut auch weiter dort, unlängst sind neue Expansionspläne, Stichwort: Cloud Computing, bekannt geworden.

BNN.de: Mit SAP sind Sie Multimilliardär geworden. Etwa zwei Drittel Ihres Vermögens haben Sie in der Dietmar-Hopp-Stiftung eingebracht, eine der größten gemeinnützigen Privatstiftungen Europas. Warum tun Sie das?

Hopp: Weil ich eine Verpflichtung verspüre. In meiner Jugend gab es viele, die an der Armutsgrenze gelebt haben, leider gibt es das auch heute wieder vermehrt.

BNN.de: Der Förderschwerpunkt liegt hier in der Region. Warum helfen Sie nicht weltweit, etwa wie Bill Gates?

Hopp: Es gibt auch in der Region genug Armut. Und soviel Geld habe ich jetzt auch wieder nicht. Zur Einordnung: Wir werden bis zum Jahresende wohl 600 Millionen Euro ausgeschüttet haben – in 20 Jahren. Bei der Stiftung von Bill Gates können es schon mal 600 Millionen im Jahr sein.

BNN.de: Ihre Stiftung ist mittlerweile sehr bekannt, können Sie sich vor Anfragen überhaupt noch retten?

Hopp: Unter der Leitung von Katrin Tönshoff hat die Stiftung klare Regeln für Fördermaßnahmen aufgestellt, die auch im Internet nachlesbar sind. Nur etwa zehn Prozent der Anfragen können schätzungsweise weiterverarbeitet werden.

Dietmar Hopp auf dem Golfplatz St. Leon-Rot. | Foto: Heintzen

BNN.de: Den Grundstein für Ihre Karriere legten Sie beim Studium der Nachrichtentechnik in den 1960er-Jahren an der Technischen Hochschule Karlsruhe, dem heutigen KIT. Neben anderen Studentenjobs haben Sie auch bei den BNN gearbeitet. Was war Ihre Aufgabe?

Hopp: Ich habe nachts Zeitungen sortiert und verpackt. Das war ein knochenharter Job, um 5 Uhr ins Bett, um 8 Uhr wieder raus, um 9 Uhr Vorlesung.

BNN.de: Es ist überliefert, dass Sie damals auch gerne im Wildparkstadion waren. Verfolgen Sie auch heute die Situation beim Karlsruher SC?

Hopp: Ja natürlich. Es tut mir leid, dass der Verein in die Dritte Liga abgestiegen ist. Obwohl 2008 nach dem Aufstieg der TSG 1899 Hoffenheim einige KSC-Fans neidisch auf uns waren, wünsche ich dem Karlsruher SC alles Gute.

BNN.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Abschneiden der TSG in der zurückliegenden Erstligasaison?

Hopp: Wenn ich mit diesem Ergebnis – Rang vier in der Abschlusstabelle und Qualifikationsplatz für die Champions League – nicht zufrieden wäre, wäre ich ein Nimmersatt. Wir haben im Februar 2016 mit der Beförderung von Julian Nagelsmann einen Pflock eingeschlagen. Im Gegensatz zu anderen empfand ich diese Entscheidung nicht als mutig. Ich wusste, was der Trainer Julian Nagelsmann kann.

Link: Die Dietmar-Hopp-Stiftung bietet auf ihrer Website einen umfangreichen Überblick über das gemeinnützige Wirken der Stiftung in der Region zudem gibt es konkrete Informationen über die Förderfähigkeit von Projekten.