Der Alexanderplatz ist eine hoch belastete Kreuzung, die mit einer Südwestumgehung der B 294 die Innenstadt entlasten würde. | Foto: Rebel

Bruchsal, Bretten, Bauschlott

Drei Umgehungsstraßen geplant

Aus dem Raum Mannheim/Heidelberg führen gleich zwei Autobahnen in Richtung Stuttgart. Möglichkeit 1: am Walldorfer Kreuz auf die A 6 abbiegen und bei Heilbronn dann auf die A 81 in die Landeshauptstadt. Oder man nimmt die A 5 bis Karlsruhe und dann die A 8. Beide Strecken haben allerdings einen beträchtlichen Nachteil: Sie sind stark belastet, es passieren viele Unfälle, es gibt häufig Stau.

Bruchsal – Pforzheim

Da ist es praktisch, wenn es einen halbwegs tauglichen Umweg gibt. Beispielsweise, um wenigstens von Bruchsal zügig nach Pforzheim zu kommen, wenn am Dreieck Karlsruhe nichts geht. Auf der Karte sieht die Strecke nicht schlecht aus: B 35 und B 294. In der Praxis bleibt man besser auf der Autobahn, denn der Weg durch Bruchsal und über den Brettener Alexanderplatz bringt eher Ärger als zeitlichen Gewinn.


Drei Umfahrungen

Ein Blick in die Zukunft verheißt da eine anderen Sachverhalt. Das Land will drei Straßenbauprojekte noch vor 2025 planen, die den Verkehr auf der Strecke Bruchsal – Pforzheim deutlich beschleunigen: B-35-Ostast Bruchsal, B-294 Südwestumfahrung Bretten und B-294-Ostumfahrung Bauschlott. Das führt unterm Strich zu einer von Ortsdurchfahrten freien Strecke auf Bundesstraßenniveau von der A-5-Ausfahrt Bruchsal bis zum A-8-Anschluss Pforzheim Nord.

Planung noch vor 2025

Die drei Vorhaben werden im Bundesverkehrswegeplan als einzelne Maßnahmen geführt – der Blick auf die Karte zeigt aber, dass sie zusammen erst richtig Sinn ergeben. Wohl deshalb werden sie vom Verkehrsministerium auch gemeinsam unter den Projekten geführt, die noch vor 2025 in die Planung gehen sollen. Seitens des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP) heißt es dazu, dass man für die Maßnahmen Bruchsal/Bretten/Bauschlott durchaus die Gesamtsituation sehe. Es seien allerdings drei eigenständige Projekte, die auch entsprechend eigenständig geplant würden.

Es gibt Kritik

Die Einstufung des Ministeriums führt bei den betroffenen Städten und Gemeinden überwiegend zu positiven Reaktionen. Bruchsal Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick will in der Stadt „die Kräfte bündeln und die Ärmel hochkrempeln, um einen Fuß in der Tür zu behalten.“ Kritik kommt hingegen aus der Nachbargemeinde Forst, die künftig auf der bestehenden B 35a – südlich des Ortes – das Doppelte an Verkehr befürchtet. Bürgermeister Bernd Killinger erinnert zudem daran, dass vor gut 20 Jahren in Bruchsal eine Verständigung dahingehend erzielt wurde, den B-35-Ostast nicht zu realisieren.

Euphoriebremse

Kraichtals Bürgermeister Ulrich Hintermayer wiederum sieht Chancen für seine vom Verkehr geplagten Stadtteile – ein Tunnel wäre ideal. In seinem Gemeinderat wird ihm allerdings zum „Tritt auf die Euphoriebremse“ geraten. Die zunächst einmal veranschlagten 51 Millionen Euro seien für einen oberirdischen Bau kalkuliert, ein mehrere Kilometer langer Tunnel würde ein Vielfaches kosten.

Verkehr muss raus

In Bretten machte Oberbürgermeister Martin Wolff vergangene Woche einmal mehr deutlich, „der Verkehr muss raus aus der Stadt“. Er freut sich, dass Bretten bei der Umsetzung der Planungen für den Straßenbau auf der Prioritätenliste weit oben steht. Er setzt im Mindesten auf eine zeitgleiche Realisierung aller Maßnahmen, wenngleich er Bretten ganz vorne sieht. Die Südwestumfahrung der Melanchthonstadt ist fürs Erste mit 38 Millionen Euro kalkuliert.

Sehr erfreulich

Für knapp die Hälfte könnte es die östliche Umfahrung von Neulingen-Bauschlott geben. Der Ortsteil der Enzkreisgemeinde verkraftet aktuell weit über 15 000 Fahrzeuge am Tag. Bürgermeister Michael Schmidt spricht nach der Präsentation des Landesverkehrsministers von einer „sehr erfreulichen Entwicklung“ und sieht einen „erheblichen Fortschritt“.