Der Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen rückte vor einem Jahr in den Fokus der medialen Öffentlichkeit. Dort waren in der Luft ein Hubschrauber und ein Kleinflugzeug zusammengestoßen. Vier Menschen starben. Die Unglücksursache ist bislang nicht geklärt.
Der Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen rückte vor einem Jahr in den Fokus der medialen Öffentlichkeit. Dort waren in der Luft ein Hubschrauber und ein Kleinflugzeug zusammengestoßen. Vier Menschen starben. Die Unglücksursache ist bislang nicht geklärt. | Foto: Heintzen

Flugunglück am Erlichsee

Ein Jahr nach dem Absturz bei Oberhausen-Rheinhausen: Einsatzkräfte erinnern sich

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An diesem Mittwoch jährt sich zum ersten Mal das Flugunglück am Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen. Bis heute ist ungeklärt, wie es zu der Katastrophe kommen konnte, bei der beim fatalen Zusammenstoß eines Rettungshubschraubers mit einem Kleinflugzeug vier Männer ihr Leben verloren. Rettungskräfte erinnern sich an den damaligen Einsatz.

„Der Himmel ist so groß. Dass der Hubschrauber und das Kleinflugzeug zusammengestoßen sind, kann man eigentlich kaum glauben.“ Bertram Maier war vor einem Jahr Einsatzleiter am Erlichsee und die Umstände – war es Schicksal, Zufall, Pech –, die am 23. Januar 2018 zur Mittagszeit zu dem Flugunglück führten, lassen ihn noch heute den Kopf schütteln.

Professionelle Distanz ist wichtig

Auf die Ereignisse selbst, den Bildern von der Unfallstelle blickt der ehemalige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberhausen-Rheinhausen mit professioneller Distanz zurück. „Es ist wichtig, so etwas nicht zu nahe an sich herankommen zulassen, sonst könnte man so eine Aufgabe nicht übernehmen“, sagt er. 15 Jahre war er Kommandant und hat schon einiges erlebt – schwere Verkehrsunfälle und Menschen „unter dem Zug“.

„Technische Hilfeleistung nach Flugunfall“

Damals, vor einem Jahr, erreichte er elf Minuten nach der Alarmierung den Erlichsee. Vollalarm war ausgelöst worden, das Stichwort „technische Hilfeleistung nach Flugunfall“. Als Einsatzleiter verschaffte sich Maier zunächst einen Überblick.

Keine Rettung mehr möglich

Mit dem Thema Flugunfall hatte man sich in Oberhausen-Rheinhausen bereits auseinandergesetzt, vielleicht intensiver als in anderen Orten, da sich in der Nähe der Flugplatz Speyer befindet. „Dass wir den Menschen, die in den Unfall verwickelt waren, nicht mehr helfen konnten, war schnell klar. Danach habe ich entschieden, wo welche Kräfte eingesetzt werden. Wichtig war auch, dass wir keine Spuren für die Ermittler verwischen“, schildert er.

Kollision machte bundesweit Schlagzeilen

100 Kräfte der Feuerwehren Oberhausen-Rheinhausen, Altlußheim, Neulußheim und Hockenheim waren vor Ort. Erst am Nachmittag stand fest, dass vier Männer bei der Kollision, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte, gestorben waren. Bis in den Abend hinein liefen alle Fäden bei Maier zusammen, hatte er die gesamte Verantwortung an der Einsatzstelle. „Das geht jedem Kommandanten so“, sagt der 52-Jährige.

„Vorbildlicher Einsatz“

Für ihn war es im Rückblick ein „vorbildlicher Einsatz“, bei dem alle Hand in Hand arbeiteten. Mit seinen Kameraden kehrte er ins Feuerwehrhaus zurück. Dort sprach man gemeinsam über das Erlebte. Notfallseelsorger hatte Maier bereits an die Unfallstelle gerufen. „Die gemeinsame Aussprache ist sehr wichtig“, betont er.

Wichtige Notfallseelsorger

Die Bedeutung der Notfallseelsorge hat Gerhard Machauer mit dem Flugunglück für sich erkannt. Der 58-Jährige ist Vorsitzender des THW-Ortsverbandes Oberhausen-Rheinhausen. Auch ihn beschäftigten die Ereignisse am Erlichsee über mehrere Tage hinweg – jedoch nicht vor Ort, sondern in der THW-Unterkunft. Dort organisierte er gemeinsam mit anderen Mitgliedern Material, Personal und was eben sonst noch an der Einsatzstelle gebraucht wurde.

Erlebnisse sind  „eingeschlagen“

60 Einsatzkräfte seines Ortsverbandes sowie aus Karlsruhe, Dettenheim und Waghäusel waren an der Einsatzstelle beschäftigt, etwa mit der Ausleuchtung oder auch der Bergung der Trümmerteile. Die Heftigkeit des Aufpralls offenbarte sich, als Hubschrauber und Kleinflugzeug für die Bergung getrennt werden mussten. Bei manchen Mitgliedern sind diese Erlebnisse „eingeschlagen“, wie sich Machauer ausdrückt.

Nochmals ein professionelles Gespräch

Besonders schwierig war für einige, dass die Container mit den Trümmerteilen auf dem THW-Gelände zwischengelagert wurden. „Nachdem was ich heute weiß, würde ich viel früher die Notfallseelsorge rufen.“ Machauer plant mit einer Seelsorgerin nochmals Kontakt aufzunehmen, um seinen Leuten ein Jahr danach erneut ein professionelles Gespräch zu ermöglichen.

Werden die Umstände jemals geklärt?

Nicht auszudenken, wie das Flugunglück im Sommer ausgegangen wäre, wenn der Erlichsee von Campern, Badegästen und Spaziergängern bevölkert gewesen wäre, sagt Oberhausen-Rheinhausens Bürgermeister Martin Büchner in der Rückschau. Ob die Ermittler die Unglücksursache jemals abschließend klären können? Da ist sich Büchner nicht sicher. Auch er sah sich vor einem Jahr mit Eindrücken konfrontiert, die sonst ein Bürgermeister nicht in seinem Amt erlebt.

Gedenktafel am See

Besonders berührt hat ihn einige Wochen später die Begegnung mit Angehörigen bei einem Gedenkgottesdienst. Er begleitete sie anschließend an den Erlichsee, wo inzwischen eine kleine Gedenktafel aufgestellt wurde.

 Über dem Erlichsee unweit des Kernkraftwerks Philippsburg stoßen am 23. Januar 2018 ein Kleinflugzeug und ein Rettungshubschrauber zusammen. Alle vier Insassen sterben. Wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hat, ist auch ein Jahr später noch nicht abschließend geklärt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig arbeitet an ihrem Abschlussbericht. Bei der Staatsanwaltschaft will man nach dessen Veröffentlichung entscheiden, ob die Behörde selbst weiter ermittelt. Das wäre der Fall, wenn ein Dritter Schuld am Unglück haben könnte. Die Besatzung der Deutschen Flugrettung startete an diesem Januartag mit dem Hubschrauber vom Baden-Airpark und absolviert Übungen. Dafür startete und landete sie mehrmals am Flughafen Speyer. Die beiden Männer aus der Schweiz waren im Kleinflugzeug ebenfalls auf einem Trainingsflug und steuerten Speyer an. Zur Mittagszeit kam es zwischen den beiden Maschinen zu dem fatalen Zusammenstoß. Augenzeugen beobachteten einen Feuerball in der Luft.