Im Wandel: Die Tage der Atomstromproduktion in Philippsburg sind gezählt. Im Vordergrund entsteht bereits der neue Konverter, die Türme sollen nächstes Jahr gesprengt werden.
Im Wandel: Die Tage der Atomstromproduktion in Philippsburg sind gezählt. Im Vordergrund entsteht bereits der neue Konverter, die Türme sollen nächstes Jahr gesprengt werden. | Foto: Sandbiller

Besuchertag am 21. September

Eine Ära endet: Atomkraftwerk Philippsburg produziert noch wenige Wochen Strom

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Die vermutlich letzte Revision ist vor wenigen Wochen abgeschlossen worden. Der letzte Strom aus Philippsburg wird in den kommenden Wochen ins Netz eingespeist. Spätestens am 31. Dezember gehen am Atomkraftwerk die Lichter aus – wenn auch hoffentlich nur im übertragenen Sinne.

Aber dann endet dort tatsächlich eine Ära – die Produktion von Atomstrom. Die Arbeit am AKW-Standort Philippsburg ist damit aber noch lange nicht beendet. Der Rückbau wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, in Anspruch nehmen. Mindestens genauso lange ist Philippsburg noch Zwischenlager für radioaktive Reststoffe.

Besuchertag zeigt den Rückbau in Philippsburg

Wie der Rückbau vonstatten geht, davon kann man sich in Philippsburg bereits seit geraumer Zeit ein Bild machen – der Abbau von Block 1 ist in vollem Gange. Block 2 erwartet ab Januar das gleiche Schicksal. Die EnBW lädt daher erneut zu einem Infotag für alle Bürger, dieser soll am 21. September stattfinden: „Von der Demontage des Sicherheitsbehälters über den Abbau der Turbinen im Maschinenhaus bis hin zur Zerlegung der Einbauten des Reaktordruckbehälters – der Rückbau von Block 1 in Philippsburg läuft bereits auf Hochtouren. Der Info-Tag bietet aktuelle Einblicke vor Ort“, so wirbt die EnBW.

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Letzte Chance: Stromproduktion in Philippsburg live zu erleben

Diesmal werfe außerdem die bevorstehende Abschaltung von Block 2 ihren Schatten voraus. An die Abschaltung soll sich der Rückbau auch in dieser Anlage möglichst nahtlos anschließen. Beim Info-Tag besteht die Möglichkeit, letzte Eindrücke von der Stromproduktion am Standort zu erhalten. Bereits 100 Millionen Euro hat die EnBW eigenen Angaben zufolge in den Rückbau investiert, Hallen sind entstanden, Geräte wurden angeschafft, etwa eine Art überdimensionaler Häcksler für den Atomschrott.

Kommt die Sprengung der Türme?

Kein Licht am Ende des Betontunnels: Etwa ein Prozent des Betons ist minimal radioaktiv verstrahlt und muss deshalb auf eine Deponie. Auf welche weiß derzeit niemand. | Foto: Hora

Noch immer offen ist die Frage, wie lange die beiden markanten Türme noch stehen. Am liebsten wäre es der EnBW, wenn man die Türme wegsprengen könnte – dafür läuft derzeit die Prüfung. Gut möglich, dass in einem Jahr die Türme schon dem Erdboden gleichgemacht sind. Der Platz wird für den entstehenden Konverter benötigt. Mit seiner Hilfe soll künftig der Strom aus dem Norden nach Süddeutschland gebracht werden.

Das erwartet Besucher am Infotag

Beim Infotag allerdings geht es noch um das Atomkraftwerk und Besucher erwartet folgendes Programm:

  • Die Rückbau-Experten der EnBW wollen im Gespräch Rede und Antwort stehen.
  • In einer Info-Ausstellung werden die Rückbau-Vorhaben in Filmen und auf Schautafeln erläutert.
  • Bei einer Gesprächsrunde mit der Geschäftsführung um 14.15 Uhr wird live ins Reaktorgebäude – genauer gesagt in den Sicherheitsbehälter – von Block 1 geschaltet, wo dann ein Fachmann die Fortschritte der dortigen Rückbau-Arbeiten erklärt.
  • Angemeldete Besucher können sich darüber hinaus bei geführten Rundgängen ein eigenes Bild von der Stromproduktion im Maschinenhaus von Block 2 machen.

Bereits drei Rückbau-Projekte der EnBW laufen

Die Veranstaltung ist bereits die siebte ihrer Art. Von den fünf Atomkraftwerken der EnBW befinden sich drei im Rückbau. Dies sind seit 2017 die Anlagen I in Neckarwestheim und Block 1 in Philippsburg sowie seit 2008 das Kernkraftwerk Obrigheim. Für die noch laufenden Blöcke in Neckarwestheim (GKN II) und Philippsburg (KKP 2) hat die EnBW im Jahr 2016 den Rückbau beantragt.

„Die Rückbau-Projekte an unseren drei Standorten machen insgesamt sehr gute Fortschritte. Über die aktuellen Abbau-Tätigkeiten möchten wir die Bevölkerung wieder gerne informieren“, wirbt Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft.

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Service: Der Infotag für die Bürger ist am Samstag, 21. September, von 12.30 Uhr bis 17 Uhr am Infocenter des Atomkraftwerks auf der Rheinschanzinsel. Die Rundgänge durch das Maschinenhaus beginnen um 12.40, 13, 15.25 und 15.45 Uhr. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Voraussetzungen für die Teilnahme an diesen Rundgängen sind ein Mindestalter von zwölf Jahren und eine vorherige Anmeldung bis spätestens 17. September per E-Mail an Rueckbau-KKP@kk.enbw.com mit Angabe der gewünschten Uhrzeit des Rundgangs sowie Name, Anschrift, Geburtsdatum, Geburtsort und der Nummer des gültigen Personalausweises oder Reisepasses.