Haben sich die Securitymitarbeiter beim Odenheimer Faschingsball korrekt verhalten? Darüber ist nun ein massiver Streit entbrannt. | Foto: dpa

Kein Zutritt wegen Hautfarbe?

Eklat beim Odenheimer Faschingsball

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Von Petra Steinmann-Plücker

Schockiert, empört, ärgerlich, wütend, gekränkt, verletzt. So lassen sich die Reaktionen auf einen Vorfall beim Odenheimer Faschingsball beschreiben. Und das auf allen Seiten.
Was war geschehen?

Kein Zutritt zum Faschingsball

Ein  Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook erregt derzeit die Gemüter. Von Beschämung ist die Rede, von pauschaler Stigmatisierung. Davon dass „einem jungen Mann aufgrund seiner Hautfarbe der Zutritt zum Faschingsball verwehrt“ worden sei. Unter dem Post steht: „Die Handballer der SG Odenheim/Unteröwisheim“. Später war der Eintrag wieder verschwunden.

„Neger und Türken kommen nicht rein“

Nach Recherchen der Bruchsaler Rundschau ergibt sich folgendes Bild: Drei junge Leute stehen in der Einlassschlange zum Hallenfasching. Zwei von ihnen wird an der ersten Schleuse vom Security-Mann der Durchgang gewährt, einem nicht. „Neger und Türken kommen nicht rein“, will der Betroffene gehört haben. Zum ersten Mal in seinem 19-jährigen Leben, so sagt er später gegenüber der Rundschau, sei er wegen seiner dunklen Hautfarbe benachteiligt worden. Der junge Deutsch-Amerikaner ist perplex. Seine Freunde kommen von der Kassenstation zurück, wo sie bereits Eintritt gezahlt haben.

In der Halle wurde ausgelassen gefeiert. Vor der Tür gab es mächtig Ärger. Nun soll der Vorfall aufgeklärt werden.
In der Halle wurde ausgelassen gefeiert. Vor der Tür gab es mächtig Ärger. Nun soll der Vorfall aufgeklärt werden. | Foto: psp

Security rechtfertigt sich

Nachdem Gespräche mit Leuten der Veranstalter, Polizei und Security keine Rücknahme der Einlassverweigerung erreichen, rufen sie zuhause an, um sich abholen zu lassen. Ein Vater kommt und als er hört, was passiert ist, will er das nicht auf sich beruhen lassen. Er spricht sowohl die Sicherheitsmitarbeiter als auch die Polizeibeamten an. Von der Security sei zunächst die nicht ausreichende Verkleidung als Verweigerungsgrund angeführt worden. Später sei von einem Mitarbeiter der Security-Firma „Ärger mit Türken und Andersfarbigen“ als Grund angeführt worden.

Polizei hat „keine rechtliche Handhabe“

Die Polizei, so erklärt der Leiter des Bad Schönborner Polizeireviers, Gerd Volland, habe keine rechtliche Handhabe und keinen Einfluss auf die Auswahlkriterien der Veranstalter, die ihre Sicherheitspflicht durch die Security ausüben lassen. Da die beiden jungen Männer der betroffenen Gruppe Handballer bei der SG Odenheim/Unteröwisheim sind, wurde über den Vorfall seit Tagen auch in der Abteilung und der Mannschaft gesprochen. Am Montag tauchte der eingangs erwähnte Beitrag im Internet auf.

Veranstalter stellt den Vorfall anders dar

Am gleichen Tag noch äußerten sich Vertreter der Veranstalter und stellen den Vorfall ganz anders dar – nach Rücksprache mit der Security, so heißt es. Von einer Flasche, die der junge Mann über den Hof gekickt haben soll und einer hitzigen Diskussion mit den Sicherheitskräften war die Rede. Diese Darstellung weisen wiederum die jungen Leute zurück, auch der Vater: „Man darf die Situation nicht runterspielen, es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird.“ Sie wünschen sich mehr Augenmaß und Fingerspitzengefühl von der Security.

Klarstellung im Internet

Das sei auch die Intention seines Facebook-Posts gewesen, fügt der Vater hinzu. Inzwischen gibt es auf der Vereinsseite bei Facebook eine Klarstellung, in der von der Anregung „zu einem sensibleren Umgang“ und dem „offenen Dialog mit allen Beteiligten gesprochen wird, unterzeichnet vom verantwortlichen Spielleiter der SG, Michael Mächtel. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Odenheimer Vereine (AOV), der Dachorganisation auch der Faschingsbälle, Robert Laub, betont gegenüber der Rundschau: „Wer sich benimmt, ist gerne gesehen, unabhängig von seiner Hautfarbe.“

„Besser intern geregelt“

Was er rüge, sei die schnelle Veröffentlichung der Vorwürfe im Internet, das hätte man besser zunächst intern regeln sollen. Auch die Vorsitzende des TV Odenheim, zu der die SG gehört, Ursula Neckermann, plädiert dafür, zunächst die Sachlage zu klären, denn es stehe ja Aussage gegen Aussage.

Gemeinsame Stellungnahme geplant

Nach einer Sondersitzung aller 16 im AOV vertretenen Vereine am Montag gibt es am Mittwochabend einen weiteren Termin der Beteiligten mit dem Ziel einer gemeinsamen Stellungnahme.

 

In Odenheim kam es am selben Abend rund um Fasching zu einem ganz anderen Vorfall. So berichteten die BNN: