Die Liebschaften des Jupiter zeigen die prachtvollen Wandteppiche, die bei einem Pressetermin in der Beletage entrollt wurden. Die Bruchsaler Tapisserien-Sammlung im Schloss ist nach München die zweitgrößte Deutschlands. Ende April können erstmals nach zehn Jahren Besucher die Prunkräume wieder bestaunen. | Foto: Heintzen

Auferstanden aus Ruinen

Die Beletage im Schloss Bruchsal steht kurz vor ihrer Vollendung

Der Tag X rückt näher: Am 28. April soll die Beletage des Bruchsaler Schlosses 72 Jahre nach dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder in barockem Glanz erstrahlen. „Die Opulenz barocker Pracht wurde doch nur aus einem Grunde gemacht, den Besucher zu überwältigen“, bringt es Michael Hörrmann auf den Punkt.

Aber der Chef der Schlösser und Gärten will ja im Grunde auch nichts anderes. Wenn die Besucher am 29. April, am Tag nach dem Festakt, erstmals die herrschaftlichen Räume der Fürstbischöfe durchstreifen, sollen sie überwältigt sein. Von der barocken Pracht und gerne auch von der Leistung der Architekten, Restauratoren und Planer. Sie haben seit  2007 die Beletage detailgenau wieder eingerichtet.

Schloss lag nach dem Krieg komplett in Trümmern

„Wir vollenden nur, was unsere Väter und Großväter vor 70 Jahren mit Mut angepackt haben.“ Hörrmann findet große Worte.  Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Schloss in Trümmern. 1947 entschied man sich für den Wiederaufbau. 2017 kehrt mit edelsten Wandteppichen, den sogenannten Tapisserien, Kronleuchtern und Möbeln, der Glanz des Barocks endgültig nach Bruchsal zurück.

Die wertvollen Wandteppiche werden von den Fachleuten entrollt. Der Fürstbischof von Schönborn hatte so eine Freude an ihnen, dass er einzelne sogar mit auf Reisen nahm
Die wertvollen Wandteppiche werden von den Fachleuten entrollt. Der Fürstbischof von Schönborn hatte so eine Freude an ihnen, dass er einzelne sogar mit auf Reisen nahm. | Foto: Heintzen

Zweitgrößte Tapisserien-Sammlung Deutschlands

Hektische Wochen liegen vor den Restauratoren: Die zweitgrößte Tapisserien-Sammlung Deutschlands, nach München, wird gerade gehängt, es folgen Möbel und Gemälde. Rund 300 originale Stücke kehren zurück. Seit 2007 läuft die Rekonstruktion der 17 Zimmer. 7,6 Millionen Euro hat sich das Land die Arbeiten kosten lassen. Neben der Restaurierung der beweglichen Teile ging es vor allem an die Bausubstanz aus den 1950er Jahren. Modernste Klimatechnik schützt die wertvolle Einrichtung.

300 Originale aufgemöbelt

Die 300 Möbelstücke, Gemälde, Spiegel, Konsolen, Öfen und Wandteppiche gehören zum Interieur, das die vergangenen Jahre in Werkstätten in ganz Deutschland hergerichtet wurde, für jenen Tag X. Von 29. April an können die Besucher des Schlosses durch die 17 Räume flanieren, die einst die Fürstbischöfe bewohnten. Per Audioguide wird ihnen die Geschichte erklärt, werden Details zu den Stücken beschrieben, und sie bekommen Wissenswertes und Anekdoten zu hören.  Aus der Zeit, als im Bruchsaler Schloss der Hochadel ein und aus ging.

Anhand von alten Fotografien und Inventarlisten rekonstruierten die Fachleute die Einrichtung der herrschaftlichen Beletage.
Anhand von alten Fotografien und Inventarlisten rekonstruierten die Fachleute die Einrichtung der herrschaftlichen Beletage. | Foto: Archiv SSG

Fürstbischof nahm seine Tapete mit auf Reisen

Dass zum Beispiel Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn offenbar so eine Freude an der sogenannten Vestontapete hatte, dass er die wertvollen, meterhohen Wandteppiche 1721 aus seinem Garderoben-Zimmer abhängen ließ und sie einfach mit auf Reisen nach Rom nahm. Zum Konklave, zur Papstwahl also, weilte er in der heiligen Stadt. Er fand es offenbar schick, seine Unterkunft dort mit den heimischen Tapeten zu schmücken. Seit wenigen Wochen hängen just diese original Tapisserien wieder im einstigen Garderobenzimmer.

Bischöfe und ihre Freude am Frivolen

Die Inneneinrichtung spiegelt lebendig die Lebensumstände der Zeit wider: Dass zum Beispiel die katholischen Fürstbischöfe ganz offenbar etwas für frivole Motive auf ihren Teppichen übrig hatten. Jupiters Liebschaften – auf riesigen Tapisserien bis unter die Decke zeugen davon, so berichtet die Konservatorin Petra Pechacek. Sie und ihr Team arbeiten die nächsten Wochen unter Hochdruck am letzten Schliff der Räume. Per Audioguide und Kopfhörer, in drei Sprachen, können sich die Besucher künftig durch die 850 Quadratmeter Beletage führen lassen. Auch an die Kinder wurde gedacht, für sie gibt es ein eigenes Audioguide-Programm.

Der Tag X rückt näher

„Wir wollen den Besucher glücklich machen. Und danach soll er zum Botschafter unseres Schlosses werden“, erklärt Hörrmann ganz unbescheiden. Am Ende soll die einst leere Hülle des wiederaufgebauten Schlosses den Prunk vergangener Zeit beherbergen, soll aber auch die Teilhabe der Besucher ermöglichen, die Epochen erlebbar machen, die Möbel für sich „sprechen“ lassen und das Ganze auch für spätere Generationen erhalten. Nichts weniger steht den Verantwortlichen im Sinn. Der Tag X wird zeigen, ob das gelingt.

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