Nach Erdöl wurde im Sommer zwischen Untergrombach und Weingarten testweise gebohrt. Die Auswertung der Zahlen hat ergeben, dass eine Ölförderung wirtschaftlich wäre. | Foto: Heintzen

Firma will Testbetrieb

Ölrausch am Baggersee? Förderung zwischen Bruchsal und Weingarten lohnt sich

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Die Erdölförderung zwischen Bruchsal-Untergrombach und Weingarten lohnt sich finanziell. Die Rheinpetroleum hat nach einer Testförderung viele Daten ausgewertet. Nun beginnt wieder ein umfangreiches Genehmigungsverfahren, bei dem wieder alle betroffenen Kommunen und Verbände gehört werden.

Kurz vor Börsenschluss hat am Dienstagabend die Deutsche Rohstoff AG über die Wirtschaftlichkeit des Ölfunds zwischen Weingarten und Bruchsal-Untergrombach informiert. Damit scheint die Ölförderung wirtschaftlich lohnenswert. Insgesamt wurden rund 150 Meter Ölvorkommen in verschiedenen Sandsteinschichten entdeckt. Dies teilt die Rheinpetroleum GmbH mit, an denen die Deutsche Rohstoff zehn Prozent hält. Zuvor waren in den Sommermonaten die Daten der Probebohrung und der Testförderung im Steig 1 umfangreich ausgewertet und analysiert worden.

„Geologische Berechnungen bestätigt“

„Als Geologe ist es ein schönes Gefühl, wenn die Berechnungen bestätigt werden“, verweist Carsten Reinhold, Geschäftsführer der Rheinpetroleum aus Heidelberg, im BNN-Gespräch auf die lange Vorbereitungszeit. Die Arbeit habe sich gelohnt. Nun wird entsprechend der vorgefundenen Lagerstätten bis Ende 2019 ein Gesamtkonzept für eine einjährige Testförderung entwickelt. Die Anträge für weitere Testbohrungen im bergrechtlichen Genehmigungsverfahren sollen Ende März gestellt werden.

Gespräche mit betroffenen Kommunen

Dabei werden im Vorfeld wieder Gespräche mit den betroffenen Kommunen, Stadtwerken, Behörden und Naturschutzverbänden geführt. „Noch Ende 2019 wollen wir mit allen Beteiligten ins Gespräch kommen“, erklärt Reinhold. Mit einer Genehmigung der Bergbaubehörde in Freiburg für die Testbohrung rechnet der Rheinpetroleum-Geschäftsführer nicht vor Anfang 2021.

2021 wird Größe des Ölfelds geklärt

Die wirkliche Testförderung, die mindestens auf ein Jahr angelegt sei, werde wahrscheinlich erst in der zweiten Hälfte 2021 erfolgen. Dabei wird geklärt, wie groß das Ölfeld zwischen Weingarten und Untergrombach ist, wie sich die unterschiedlichen Drücke entwickeln, und wie hoch der Wasseranteil ist. Laut Reinhold müsse man sich das Gestein in den Pechelbronner Schichten wie eine Schwarzwälderkirschtorte vorstellen, deren erdölführende Schichten in einer Tiefe von 700 bis 900 Meter zusammen 150 Meter Ölvorkommen ergeben. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, könne überhaupt mit einer permanenten Förderung begonnen werden.

Zahlen zur Ergiebigkeit gesammelt

Der Bohrturm für die Probebohrung an der nordöstlichen Spitze des Baggersees Weingarten war bereits im Juli abgebaut worden. Daran hatte sich eine mehrwöchige Testphase angeschlossen, bei der bis Ende September Daten über die Ergiebigkeit der Ölreserven gesammelt wurden. Außerdem wurden Daten zur Entwicklung des Lagerstättendrucks und zur Qualität des Öls erhoben. Die Erkenntnisse wurden anschließend mit Werten aus seismischen Untersuchungen und den Bohrungen in Untergrombach und Weingarten aus den 1950er- und 1960er-Jahren abgeglichen.

Nur noch Bohrabschlusskopf auf Gelände

Auf dem Gelände ist nur noch der fest verschlossene Bohrabschlusskopf und ein Aufenthalts-Container zu sehen. Ein Solarpanel versorgt Sensoren im Bohrloch mit Strom, über die weitere Daten zur Lagerstätte gesammelt werden.