Erotic Bruchsal Werbemast
BEKANNTER ANBLICK: Seit 2003 prangt diese Werbung hoch über dem Karlsdorfer Gewerbegebiet Ochsenstall an der Autobahn bei Bruchsal. | Foto: Heintzen

Neuer Riesen-Mast an A5

Bruchsal: Erotik-Verbot für geplanten Werbeturm

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Es ist der wohl auffälligste Werbeturm an der Autobahn zwischen Karlsruhe und Heidelberg: Der weithin sichtbare „Erotic-Erdbeermund“-Mast bei Bruchsal, der seit 2003 für ein Einzelhandelsgeschäft samt einschlägigem Kino im Karlsdorfer Gewerbegebiet Ochsenstall wirbt. Ein Turm dieser Größenordnung soll nun auch auf der Bruchsaler Seite der A 5 errichtet werden. Allerdings ohne anzügliche Beschriftung. Das soll vertraglich verhindert werden.

Bruchsal geplanter Werbeturm
BLICKFANG: Mit dieser von der Stadtverwaltung veröffentlichten Fotomontage der Firma Schilder-Ries sollen Dimension und optische Wirkung des bei Bruchsal geplanten Werbeturms verdeutlicht werden. | Foto: Stadtverwaltung Bruchsal/Fa. Ries

Nahe der Bruchsaler Autobahnanschlussstelle soll ein großer Werbeturm gebaut werden, das hat der Bruchsaler Gemeinderat genehmigt. „Bauhaus“ und möglichst auch „Media Markt“ und eventuell eine weitere Werbebotschaft soll auf dem Riesenmast stehen, den die Bruchsaler Firma Schilder-Ries auf ihrem Betriebsgelände an der Autobahn aufstellen will. Im Gegenzug müssten sich die Firmen verpflichten auf eigene Werbetürme auf ihren Grundstücken zu verzichten.

Gemeinderat Bruchsals segnet Vorlage ab

Insbesondere beim geplanten Neubau von Bauhaus an der Kammerforststraße wäre dies ein ästhetischer Vorteil, wie Stadtplanungsdirektor Hartmut Ayrle im Rat deutlich machte. Dafür spreche unter anderem, „dass der Standort auf dem Gewerbegrundstück Ries die sehr große Werbetafel weit aus dem Sichtfeld der Schlossachse hinausrückt“, hieß es in der entsprechenden Beschlussvorlage der Verwaltung, die der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung absegnete.

Media Markt will nicht mitmachen

Bereits zum zweiten Mal beschäftigte der Werbeturm die Bruchsaler Räte in öffentlicher Sitzung. Bereits im Dezember hatte sie grundsätzlich grünes Licht gegeben. (Die BNN berichteten.) Ergänzend dazu beschlossen die Ratsmitglieder nun mehrheitlich, dass das verwaltungsrechtlich notwendige Aufstellungsverfahren auch dann weitergeführt werden soll, „wenn nur eine Firma auf dem Turm wirbt“. Denn: Media Markt macht derzeit keine Anstalten, sich an dem Projekt zu beteiligen. Daran soll es aber nicht scheitern, befand die Mehrzahl der Räte, schließlich handele es sich insgesamt um eine „gute Lösung“, so SPD-Chef Jürgen Schmitt, wobei CDU-Fraktionschef Hans-Peter Kistenberger der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass Media Markt die Vorteile schon noch erkenne. Verärgert zeigte sich Grünen-Sprecherin Ruth Birkle. Nach ihrem Geschmack werde viel zu viel Planungsaufwand betrieben für eine solche „Sichtverschmutzung“, die abzulehnen sei. Sie würde sich wünschen, dass mit solchem Aufwand über intelligente Radwege gebrütet werde. Stadtplaner Ayrle stellte indes klar, dass die im Rat gezeigten Pläne und Bildmontagen zum Werbeturm von der Firma Ries erarbeitet und zur Verfügung gestellt worden seien.

„Sexueller Hintergrund“ verboten

Von den Dimensionen her dürfte der Mast ähnlich werden wie der Karlsdorfer: nicht höher als 35 Meter. Der Bruchsaler Stadtplaner geht aber davon aus, dass der Bruchsaler Turm letztlich kleiner wirkt, weil er nicht wie der Karlsdorfer auf einer Anhöhe gebaut werde. Ayrle verweist zudem darauf, dass das Regierungspräsidium noch Auflagen machen könnte. Was die Schriftzüge auf dem Turm anbelangt, will die Stadt vertraglich Grenzen setzten, um beispielsweise „Werbung für Erotikangebote“ auszuschließen, wie Ayrle der Rundschau sagte. Dabei wolle man auch von der Nachbarschaft lernen. Der Karlsdorfer „Erotic“-Mast war 2002 im Zuge des Rasthof-Neubaus genehmigt worden. Mancher hatte danach zerknirscht feststellen müssen, dass sich die Sex-Werbung rechtlich nicht mehr verhindern ließ. Erst im Nachhinein hatte der Karlsdorf-Neutharder Rat den entsprechenden Bebauungsplan geändert. Zumindest neue Werbung mit „sexuellem Hintergrund“ ist dort nicht mehr erlaubt.

Weitere Informationen und Sitzungsvorlagen der Stadtverwaltung Bruchsal zur vergangenen Ratssitzung finden sich hier.