Am Amtsgericht in Bruchsal wurde die Messerstecherei von Philippsburg verhandelt. | Foto: BNN

Bluttat von Philippsburg

Erst stritten die Kinder, dann stach ein Vater zu

Anzeige

Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wurde ein Familienvater aus Philippsburg wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Bis es nach dem eintägigen Verhandlungsmarathon am Bruchsaler Amtsgericht dazu kam, war es ein langer Weg. Denn das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Sathia Lorenz hatte 15 Zeugen geladen und am Ende beinahe genau so viele Varianten des möglichen Tathergangs gehört.

Kinder geraten über Fußball in Streit

Unstrittig war, dass am 28. November vergangenen Jahres Schulkinder gestritten hatten. Es ging wohl um ein Fußballspiel. Die Eltern des einen Kindes haben daraufhin bei der anderen Familie angerufen und schließlich ihren Besuch angekündigt, um direkt darüber zu reden. (Die BNN berichteten.) Der 43-jährige Vater des einen Kindes ließ sich von einem 24-jährigen Bekannten zur Familie des 39-jährigen Vaters fahren. Die emotionale Auseinandersetzung steigerte sich vom Wortgefecht zur Rangelei und endete damit, dass der Fahrer einige Straßen weiter teils lebensgefährliche Stichverletzungen erlitten hat, von deren Folgen er noch heute Beeinträchtigungen mit mehreren Attesten nachweisen konnte. Er trat in der Verhandlung auch als Nebenkläger in Erscheinung.

Wer hat angefangen?

Der heute 40-jährige Angeklagte wurde direkt aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt und räumte die Tat ein, wenngleich er sich an Details nicht erinnerte. Beide Parteien waren sich lediglich einig darüber, dass die andere Seite mit der Handgreiflichkeit begonnen und auch Messer eingebracht habe. Teilweise war auch von Schlagstöcken die Rede, allerdings konnten damals keine Waffen sichergestellt werden, auch die Zeugenaussagen waren unterschiedlich.

Angst um ihr Leben

Alle drei direkt Beteiligten gaben an, Angst um ihr Leben gehabt zu haben, hatten Stich- oder Schnittverletzungen davongetragen sowie Prellungen und Blutergüsse. Bis zu drei weitere Personen könnten beteiligt gewesen sein, die allerdings nicht zweifelsfrei identifiziert werden konnten. Wer wem gedroht hatte und wer letztlich alles bei der Verfolgungsjagd beteiligt war, blieb unklar.

10.000 Euro Schmerzensgeld

Das Gericht wertete es zu Gunsten des Angeklagten, dass dieser ein prinzipielles Geständnis ablegte, sich beim Nebenkläger entschuldigte und sein Handeln im Nachhinein nicht erklären konnte. In einem Täter-Opfer-Ausgleich wurden dem Geschädigten 10.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, 2.000 Euro überreichte die Verteidigerin des Angeklagten noch im Gerichtssaal, der Rest soll in Raten folgen. Mit dem Urteil wurde auch die fünfmonatige Untersuchungshaft beendet, in der sich der Angeklagte seit dem Vorfall befand. Sämtliche Verteidiger wie auch die Staatsanwaltschaft hatten dieses eher milde Strafmaß in seltener Einigkeit in ihren Plädoyers gefordert, zumal die Tat nicht so recht zur Biografie des Täters passen wollte. Zurück blieb auf allen Seiten die Verwunderung darüber, wie ein Streit unter Kindern derart eskalieren konnte.

von Armin Herberger