Teilnehmer des Instawalks fotografieren im Bruchsaler Schloss.
Teilnehmer des Instawalks fotografieren im Bruchsaler Schloss. | Foto: Heintzen

Besondere Führung

Erster Instawalk im Bruchsaler Schloss: Fotografieren ausdrücklich erwünscht

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Normalerweise bittet Doris Buhlinger Besuchergruppen, während Führungen im Bruchsaler Schloss nicht ständig zu fotografieren. Als Schlossführerin weiß sie: Das Geknipse reißt die Gruppe auseinander, und die Besucher stören sich gegenseitig. Am Freitagabend war das anders, da war Fotografieren ausdrücklich erwünscht. Mehr noch: Jeder sollte sich für seine Motive so viel Zeit nehmen wie er wollte. Der Grund: der erste „Instawalk“ im Schloss.

Spektakulärer Rundblick

Der Begriff „Instawalk“ bezieht sich auf Instagram und das englische Wort für Spaziergang. Es geht darum, während einem Rundgang besondere Aufnahmen zu machen und diese anschließend auf seinem Account zu präsentieren. Mit dem Instawalk will die Schlossverwaltung ein größeres Publikum ansprechen und vor allem jüngere Zielgruppen erreichen.

Das Besondere an der Führung in Bruchsal: Sie ist kostenlos. Und: Doris Buhlinger zeigt den Teilnehmern Bereiche, die sonst nur bei Sonderführungen zu sehen sind. Gleich zu Beginn geht’s hinauf aufs Torwachgebäude. Buhlinger spricht von einem „spektakulären Rundblick“. 19 Instawalker sind dabei, Teenager genauso wie Rentner. Einige fotografieren mit ihrem Smartphone, die meisten mit einem Fotoapparat.

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„Vorsicht, historischer Staub“

Svenja Grau gehört zu den jüngsten Teilnehmern. Sie ist 19, kommt aus Forst, hat sich spontan angemeldet, als sie vom Instawalk gehört hat – nicht, weil sie viel auf Instagram postet, sondern weil sie Schlösser spannend findet und an Museen und Kunst interessiert ist. Ihr gefällt vor allem der Fürstensaal: „Weil er total schön und lichtdurchflutet ist.“

Doris Buhlinger führt ihre Gäste auch durch den engen Dienerschaftsgang. „Vorsicht, historischer Staub“, sagt sie und lächelt. Außerdem lässt sie alle einen Blick in die Exkrementengrube werfen, die sie sonst nur Besuchern während ihrer Sonderführung „Grotten, Gräben, Gänge“ zeigt. Und auf den Balkon dürfen die Teilnehmer ebenfalls.

Erste Posts während der Führung

Auch Carola Metzger aus Waghäusel ist dabei. Sie ist auf Instagram präsent unter @m.alorac. Am meisten gelockt hat sie die Ankündigung, dass die Teilnehmer auch Bereiche zu sehen bekommen, die für die Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglich sind. Sie postet die ersten Fotos gleich während der Führung.

Das macht auch Michael Bauer aus Viernheim, auf Instagram unter @mikelbower zu finden. Ihm gefällt vor allem, dass der Instawalk außerhalb der regulären Öffnungszeiten angeboten wird. So kommt er „in den Genuss einer exquisiten Führung in einem fast leeren Schloss“, wie er es formuliert.

Influencerin im Schloss

Einen besonders speziellen Bereich bekommen die Instawalker allerdings nicht zu sehen: das Dach. Für Doris Buhlinger ist das Dach zwar der spannendste Ort im Schloss, doch für eine Führung ist es vollkommen ungeeignet, weil es dort zu eng ist – die Besucher müssten teilweise durchkrabbeln.

Und welche Verbindung hat Buhlinger selbst zu Instagram? Ist sie dort angemeldet? Oder ist sie gar eine Influencerin? „Influencerin im Internet? Ich? Nein!“, sagt sie und lächelt. „Ich versuche eher, die Leute bei meinen Führungen zu influencen.“

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