Die goldene Färbung ist typisch für die Karausche, die in den Gewässern der Region wieder eine Heimat finden soll.
Die goldene Färbung ist typisch für die Karausche, die in den Gewässern der Region wieder eine Heimat finden soll. | Foto: pr

Bedrohte Fischarten

„Es ist eine Minute vor zwölf“

Es waren gute und schlechte Nachrichten, die das Regierungspräsidium Karlsruhe und der Landesfischereiverband Baden-Württemberg gestern überbringen konnten. Gemeinsam hatten sie ins Fischerheim des Angelvereins Liedolsheim eingeladen, um dort die Ergebnisse zweier Projekte zum Bestand der Karausche und des Steinbeißers vorzustellen.

Böses Erwachen

Bisher habe man die Meinung vertreten, die Karausche habe in den Flussauen des Regierungsbezirks eine Heimat, sagte Ralf Haberbosch. Der Biologe leitete die Untersuchungen zu dem gold schimmernden Fisch. Letztlich hätten er und sein Team während des dreijährigen Projekts aber feststellen müssen, „dass es für die Karausche nicht fünf, sondern eine Minute vor zwölf ist.“ Und sie zu den am stärksten gefährdeten Fischarten im Regierungsbezirk gehört.

Einzige Frau unter Männern: Regierungspräsidentin Nicolette Kressl (mitte) mit Mitgliedern des Fischereiverbands und den Vortragenden.
Einzige Frau unter Männern: Regierungspräsidentin Nicolette Kressl (mitte) mit Mitgliedern des Fischereiverbands und den Vortragenden. | Foto: Fischer

Ursprünglich waren die Forscher davon ausgegangen, dass es den eigentlich recht robusten Fisch in 80 Gewässern zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und Freudenstadt geben könnte. Mit dem Boot haben sie sich durch das am Ufer wachsende Unterholz, das Schilf und die Weiden geschlagen, um die Gewässer zu befischen – beinahe ohne Erfolg: „Am Ende haben wir die Karausche an nur drei Stellen nachweisen können“, so Haberbosch.

 

Die Karausche verliert ihren Lebensraum

Gründe für das Aussterben der Karausche gibt es viele – allen voran der Verlust ihres Lebensraumes: Der Fisch mit dem gedrungenen Körperbau lebt in stillen Gewässern mit einem hohen Aufkommen an Wasserpflanzen. „Inzwischen sind all unsere großen Flüsse begradigt und die Auen vom Fließgewässer abgeschnitten. Hochwasser, das die Auen durchputzt, kommt nicht mehr durch. Und oftmals verlanden sie fast gänzlich.“ Ein zweites Problem ist der Giebel, der der Karausche nicht nur zum Verwechseln ähnlich sieht, sondern sie auch zu verdrängen scheint. Und zu guter Letzt macht ihr der aus Nordamerika eingeschleppte Kalikokrebs zu schaffen, der den Untergrund aufwühlt, die Wasserpflanzen am Wachstum hindert und der Karausche damit die Nahrung nimmt. Doch Haberbosch hat Hoffnung: Einige Gewässer im Gebiet eignen sich nach wie vor als Lebensraum für den Fisch. Vier davon wurden bereits mit Karauschen besetzt, weitere folgen.

Steinbeißer im Aufwind

Der Steinbeißer ernährt sich vom sandigen Substrat auf dem Boden der Gewässern, aus dem er Insektenlarven oder Kleinstkrebse filtert.
Der Steinbeißer ernährt sich vom sandigen Substrat auf dem Boden der Gewässern, aus dem er Insektenlarven oder Kleinstkrebse filtert. | Foto: pr

Wesentlich entspannter scheint sich die Lage des Steinbeißers in der Region darzustellen. Die Biologen Michael Pfeiffer und Benjamin Schmieder konnten den nur rund 14 Zentimeter großen Fisch an ungefähr jeder dritten der untersuchten Stellen nachweisen – eine positive Entwicklung. „In den 90er-Jahren waren Steinbeißer-Funde noch eine Attraktion“, sagte Kollege Haberbosch. Dass sie das heute nicht mehr sind, bringt Pfeiffer mit einer verbesserten Wasserqualität und einer besseren Durchgängigkeit der Rheinauen durch die Vernetzung einzelner Habitate in Verbindung. Denn der Steinbeißer besiedelt großflächige Areale. Während die Alttiere sich in Fließgewässern aufhalten, finden sich Laich und Jungtiere im Flachwasser mit Mulmschicht.

Arnulf von Eyb, Präsident des Landesfischereiverbandes, sagte, der Verband sei auch ein Naturschutzverband. „Es geht um weit mehr als die Angelei.“ Dass sich Naturschutz lohne, habe man heute gesehen, ergänzte Regierungspräsidentin Nicolette Kressl. „Zumindest beim Steinbeißer können wir etwas gelassener sein“, sagte sie.